Die Captain America-Story: Von Zero zu Hero

Am Freitag startet mit Captain America der nächste Marvel-Superheld in den Kinos durch. Vom Comic zum Blockbuster war es ein langer, steiniger Weg.

Captain America ist Mitglied der "Avengers" – jene Superhelden-Truppe der Comic-Schmiede Marvel, zu denen auch bekannte Kollegen wie Iron Man, Hulk und Thor gehören. Von seinem ersten Auftritt 1941 bis zum Jahr 2007 wurden ca. 210 Millionen Exemplare von "Captain America"-Comics verkauft. In der Film- und Fernsehwelt hatte der Held allerdings ein weitaus schwierigeres Leben. Wie cool der neue Captain ist, und warum die früheren "Captain America"-Filme eher bescheiden ausfielen, erfahren Sie hier.

Zum Durchklicken … Zur Handlung des aktuellen Kinofilms "Captain America - The First Avenger": Steve Rogers (Chris Evans) will im zweiten Weltkrieg um jeden Preis an der Front für sein Vaterland kämpfen. Dazu lässt sich der untaugliche Schwächling von Militärwissenschaftlern zum Supersoldaten machen...

Bild: Oh Captain, mein Captain! Als "Captain America" macht er sich schließlich auf, um die Nazi-Splittergruppe "Hydra" zu stoppen. "Heil Hydra!" Der machtbesessene Red Skull, der Kopf der Gruppe, handelt nicht auf Geheiß des Führers sondern auf eigene Faust. Er findet in den eisigen Weiten Norwegens ein Objekt von unvorstellbarer Kraft, mit dem er die USA auslöschen möchte. 

Bild: Hugo Weaving, auch bekannt aus "Matrix", verkörpert den Erzfeind "Red Skull" Währenddessen muss sich Steve Rogers in der Armee beweisen, bevor er schließlich gegen Red Skull und dessen Armee antreten darf. Eine weitere wichtige Figur im Marvel-Spektakel: Hayley Atwell spielt eine toughe Militäroffizierin, die sich für den mutigen Steve erwärmen kann. Für eine Comicverfilmung schlägt der Abenteuer-Actionfilm trotz der Fantasy-Handlung einen eher ernsten Ton an. "Spider-Man", "Iron Man" und "Thor" hatten allesamt mehr Leichtfüßigkeit und Witz zu bieten. Angesichts des Ausgangsstoffes mag es außerdem überraschen, dass sich der Film mit Patriotismus zurückhält. Das könnte einerseits dem aktuellen amerikanischen Zeitgeist geschuldet sein, zudem will man offenbar ein internationales Publikum nicht vor den Kopf stoßen. Dafür besticht der Film durch seine Schauspieler, Optik und Inszenierung. Tommy Lee Jones etwa verleiht dem Film als charismatischer US-Militär-Haudegen mehr Tiefe. Der neue "Captain America" bietet erstklassiges, aufwändig inszeniertes Popcornkino - mit Nazis, coolen Helden und Explosionen. 

Doch das war nicht immer so … Zunächst war Captain America nur der Held von Comic-Heften, die auch Teil der Propaganda gegen den Feind in Übersee waren. So ist in der Ausgabe Nr. 1 der "Captain America Comics", die im Jahr 1941 erschien, der Superheld auf dem Cover im Kampf mit Hitler persönlich abgebildet.

"Captain America" war die erste Marvel-Figur, die den Sprung vom Comic in ein anderes Medium schaffte. ... Bereits 1944 wurde eine Serie von Kurzfilmen (ein sog. "Serial") produziert, die in US-Kinos jeweils vor dem Hauptfilm liefen. Die 15 billig produzierten Kurzfilme hatten wenig mit dem Comic zu tun. Aus dem kriegshungrigen Steve Rogers wurde der Staatsanwalt Grant Gardner, statt des jungen Sidekicks Bucky stand dem Captain eine Frau zur Seite, und das charakteristische Schild tauschte er gegen eine Pistole ein. Nach Ende des zweiten Weltkriegs ließ die Popularität der Figur stark nach, aber den "Captain America"-Comics wurde in den 1960ern neues Leben eingehaucht.
1979 wurden zwei TV-Filme ausgestrahlt, in denen B-Schauspieler Reb Brown Steve Rogers verkörperte. ... Die blamable Qualität dieser beiden Filme spottet jeder Beschreibung, deshalb seien den interessierten Lesern an dieser Stelle die Videorezensionen von Noah Antwiler (aka Spoony) ans Herz gelegt (siehe Link unten). Hinweis am Rande: Spoony kann man Anfang September in Wien auf der Aninite ’11 persönlich antreffen. Im Jahr 1990 wurde erstmals ein abendfüllender "Captain America"-Film für das Kino produziert. In die von Trashmeister Albert Pyun inszenierte Peinlichkeit verirrte sich sogar der Oscar-nominierte Ned Beatty hinein. Die in Jugoslawien gedrehte Billigproduktion auf 1980er-Jahre TV-Film- Niveau blieb den Comics zwar treu, aber die immensen budgetären Probleme zogen den Film in den Keller.
Die im Sterben liegende Produktionsfirma war mit dem finalen Produkt so unzufrieden, dass der Film damals in den USA nicht in den Kinos gezeigt wurde, sondern erst 1992 auf Videokassette veröffentlicht wurde. Zwei Jahrzehnte später kommt nun "Captain America: The First Avenger" in die Kinos. Dass der Film aus dem Jahr 1990 ungefähr ein Hundertstel der Produktionskosten des aktuellen Kinofilms hatte, ist keine höhnische Übertreibung sondern eine realistische Einschätzung.  140 Millionen Dollar hat sich Marvel Studios die neue Verfilmung kosten lassen. Die Rechnung ist aufgegangen -  Bereits jetzt hat der Film weltweit mehr als das Doppelte eingespielt. Entgegen einiger Gegenstimmen, die eine Übersättigung des Publikums orten wollen, kommen die Superheldenfilme immer noch gut an. Und Captain America hat endlich den Film bekommen, den er verdient. Für 2012 steht bereits "The Avengers" in den Startlöchern, in dem gleich mehrere Marvel-Superhelden in einem Film zusammengeführt werden. Und auch eine Fortsetzung zu "Captain America - The First Avenger" ist bereits angekündigt worden.
(KURIER.at) Erstellt am
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