Battles live: Auch ohne Sänger eine Wucht

Die in der Indie-Szene gefeierte New Yorker Math-Rock-Band lieferte in der Wiener Arena ein kurzes, aber umso intensiveres Konzert ab.

Es gibt viele Bands, für die der Ausstieg des Sängers wohl das Todesurteil bedeuten würde. Bei dem New Yorker Math-Rock-Trio Battles ist dies ganz und gar nicht der Fall, wie das Konzert am Mittwoch in der Wiener Arena bewies. Zum Durchklicken ...

Bild: Gitarrist/Keyboarder Ian Williams mit virtuell anwesender Gastsängerin Kazu Makino Hauptverantwortlich dafür ist der Ex-Helmet-Drummer John Stanier, der mit seiner präzisen, intensiven Schlagzeugarbeit die verspielten und teils vertrackten Songs unwiderstehlich vorwärts treibt. Die schrägen, frickeligen Sounds, die nicht nur die Gehörgänge sondern auch die Gehirnzellen kitzeln, managt Ian Williams (früher in der Band Don Caballero). Daneben spielt er noch die Industrial-angehauchten Gitarrenparts ... ... und manchmal auch beides gleichzeitig. Williams beherrscht eine Gitarren-Anschlagsart, die mit einer Hand auskommt. Beim Wien-Konzert verzichtete er trotz brütender Hitze in der Arena-Halle nicht auf sein Sakko - der Schweiß rann bei ihm in Strömen. Die Battles formierten sich 2002 als loses Projekt aus Mitgliedern verschiedener Bands, 2007 legten sie ihren ersten Longplayer "mirrored" vor, mit dem die New Yorker die Alternative-Szene gehörig aufmischten und mit ihrem experimentellen Sound hymnische Kritiken ernteten. Der Battles-Sänger, Experimental-Musiker Tyondai Braxton, stieg 2010, mitten in den Arbeiten am Nachfolge-Album "Gloss Drop" aus. Unter anderem habe ihn die Aussicht auf die Konzert-Tour abgeschreckt. Die Gesangsparts wurden mit anderen Gastsängern neu eingespielt und werden bei den Konzerten auf zwei schmale Videowalls projiziert (hier zu sehen: Kazu Makino von der Band Blonde Redhead). Live kommt der auf CD so glasklare, durchkonzeptionierte Sound ganz anders daher. John Staniers druckvolle Beats gestalten das Konzert wesentlich rockiger als auf Platte. Überhaupt dominiert die beeindruckende Rythmusfraktion (am Bass: Dave Konopka) den Auftritt ziemlich. Vom Debüt-Album "mirrored" spielten die Battles den bekanntesten Song, "Atlas". Live kam dieser astrein rüber. Ansonsten wurde der Großteil des Songmaterials von der aktuellen CD präsentiert.

Bild: Das Becken hat John Stanier sehr hoch aufgehängt Die Visuals fügten sich sehr gut in die Show ein. Ein Wermutstropfen war die Performance ... ... bei "Ice Cream", das für Battles-Verhältnisse ein luftig-verspielter Sommer-Song ist. Live kam die Nummer aber - auch durch das schwierige Zusammenwirken mit den eingespielten Gesangs-Sequenzen - nicht so ideal rüber. Kommunikation mit dem Publikum war zunächst überhaupt nicht gefragt. Erst nach gut einer Stunde gab es schüchterne Versuche in diese Richtung. Applaus und Jubel nach den Nummern würgte die Band ohnehin meistens ab, indem man gleich zum nächsten Song überging. Aber wer braucht schon vielsagende Botschaften, wenn die Musik derart für sich spricht? Mit achtzig Minuten Spieldauer erwiesen sich die New Yorker zwar nicht gerade als Experten für die Langstrecke, aber diese achtzig Minuten muss man erst einmal so überzeugend füllen, wie es die Battles in der Arena getan haben. Das Publikum in der einigermaßen gut gefüllten Halle murrte nicht, sondern jubelte nach dem phänomalen Schluss-Song. Bleibt zu hoffen, dass man noch viel von der Formation zu hören bekommt - auch ohne fixen Sänger.
(KURIER.at) Erstellt am
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