Bad Religion: Wenn Punk-Opas Wien besuchen...

... weicht sogar der Regen. Am Sonntag spielten Bad Religion in der Wiener Arena. Begleitet wurden sie von Suicidal Tendencies und Strung Out.

Kaum zu glauben: Seit dreißig Jahren stehen Bad Religion auf der Bühne - Wien feierte mit. Am Sonntag spielte die Punkrock-Band in der Wiener Arena. Mit dabei waren Suicidal Tendencies und Strung Out. KURIER.at ebenfalls. Vielleicht sogar der Wettergott selbst, immerhin hörte es rechtzeitig auf zu regnen.

Zum Durchklicken. Regnerisch begann der Abend in der Wiener Arena. Deshalb und weil eine Vorband halt eine VORband ist, mussten Strung Out auch vor einem recht übersichtlichen Publikum ihr 45-minütiges Set spielen. Trotzdem mühten sich die fünf Jungs sichtlich ab um ihre Fans zu unterhalten. Mit einer Mischung aus Punk und Heavy Metal sorgten sie bereits um kurz nach Neunzehn Uhr für die ersten Moshpits und gaben die Menge gut vorbereitet der Hardcore-Band ...

Bild: Jason Cruz ... Suicidal Tendencies weiter. Der ehemalige Arbeitsplatz des jetzigen Metallica-Bassist Robert Trujillo zog schon deutlich mehr Fans an. Zu erkennen waren diese eindeutig an blauen Bandanas auf dem Kopf und weiten Basketballshirts mit einer aufgedruckten 13 am Leib. Die Band, die eine ganze Musikrichtung prägte, beschallte die Menge von Beginn an mit lautem, eingängigen Hardcore-Sound. 

Bild: Mike Clark Sänger Mike Muir sprintete von einer Bühnenecke zur anderen und schrie sich die Seele aus dem Leib. Trotzdem wollte der Funke erst sehr spät überspringen. Erst als die Tendencies ihre letzten beiden Songs "Cyco Vision" und vor allem "Pledge Your Allegiance" anstimmten, grölte das Publikum "ST" und feierte die Band. Nach einer knappen Stunde machten sie die Bühne für die Headliner des Abends frei.

Bild: Mike Muir Bad Religion. Die Band, die ihr 30-jähriges Jubiläum mit ihrem fünfzehnten Studioalbum und einer dazugehörigen Tour feiert, betrat fast pünktlich die Bühne und legte mit "The Resist Stance", vom neuen Album "The Dissent of Man", los. 

Bild: Greg Graffin (re.) und Jay Bentley Das Publikum war sofort in guter Stimmung, obwohl die neuen Songs anscheinend kaum jemand kannte. Das störte jedoch weder Fans noch Band.

Bild: Jay Bentley Der erste Höhepunkt des Konzertes war der "Punk Rock Song". Damit brachte Bad Religion die fast volle Arena das erste Mal zum Kochen. 

Bild:Brian Baker Zwischen den Songs witzelte Sänger Greg Graffin sarkastisch ins Publikum: "Es macht so einen Spaß, heute hier zu spielen". Der Band merkte man ihr Alter an. Nicht, dass die fünf (eigentlich sechs, Brett Gurewitz fehlte) Männer selbst alt wirkten - obwohl sie schon auf die Fünzig zugehen - nein, Bad Religion sind einfach schon fast zu routiniert.

Bild: Jay Bentley, Greg Graffin und Brooks Wackerman am Schlagzeug Sie spielten ihr Set professionell ab. Graffin glänzte durch bedeutungsschwangere Gestik und eine gut geölte Stimme. Doch gerade diese professionelle, souveräne Leistung wirkt bei einer Punkband leicht deplatziert. Dazu kommt, dass Bad Religion bei fast jedem Konzert der bisherigen Tour dieselben Dreiminüter in derselben Reihenfolge spielten. Kein Wunder also, dass die Show wenig persönlich oder speziell, sondern eher minimalistisch wirkte. Das machte aber nichts, der Sound war gut und die Stimmung auch. Der Blick ins Publikum verriet das Alter der Band ebenfalls. Zwei Generationen Punkliebhaber vereinten sich vor einer Bühne. Vorne die Jüngeren, die sich dem Moshpit hingaben, halbvolle Bierbecher warfen und an Graffins Lippen hingen. Weiter hinten die Generation, die mit Bad Religion aufgewachsen ist. Diese Fans nickten ebenso souverän mit dem Kopf wie die Band ihr Set spielte. Sogar das eine oder andere weiße Hemd inklusive Krawatte wurde gesichtet - unter dem ausgewaschenen Kapuzen-Pullover mit dem "Kreuz Verboten"-Logo versteckt. Fans verändern sich halt ebenso wie eine Band.

Bild: Greg Hetson Nach einer guten Stunde verabschiedeten sich Bad Religion hinter die Bühne. Nur, um kurz darauf mit den Klassikern "American Jesus", "Infected" und vor allem "Sorrow" die Menge endgültig in die Nacht zu verabschieden. 80 Minuten und 24 Songs später war es um kurz vor Elf vorbei. Die Band bedankte sich artig auf Deutsch, versprach wiederzukommen und ging. An der Sperrstunde kratzt eben nicht einmal mehr Punk. Schade eigentlich, ein bisschen mehr hätte es schon noch sein dürfen. Das meinten auch ein paar Fans, die nach dem Konzert sagten: "Vor elf Jahren haben sie aber viel, viel länger gespielt."

Bild: Greg Hetson
(KURIER.at) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?