Arabisches Alpenglühen: Telenovela in Tirol

Zum ersten Mal wird eine arabische Fernsehserie in Tirol gedreht. Bollywood ist schon länger da und bringt Touristen aus Indien in den Alpenraum.

Tirol ist derzeit zum ersten Mal Schauplatz für eine arabische Fernsehserie. Eine Woche lang schlägt eine Fernsehproduktion aus Abu Dhabi ihre Zelte im Tourismusort Seefeld auf. Mehr als 100 in Tirol spielende Filmminuten der aus insgesamt 60 Folgen bestehenden Telenovela "Hopelessly in love" sollen dann laut den Verantwortlichen über die Bildschirme des gesamten arabischen Raumes flimmern und via Satellit weltweit zu empfangen sein. 300 Millionen potenzielle Zuschauer würden somit die Möglichkeit haben, die Serie zu sehen.   ...

Zum Durchklicken: Arabische Telenovela und Bollywood im Alpenraum Zu Drehbeginn am Mittwoch gewährte das aus lediglich zehn Personen bestehende Produktionsteam den Medien einen Blick hinter die Kulissen. Als Hauptdarsteller und "filmisches Liebespaar" agieren zwei junge Schauspieler aus dem Oman, Bothaina Al ra'esi und Ibrahim Al Zidjali. Regie führt Eyad El Khzouz, einer der Top 5-Regisseure und Produzenten im gesamten arabischen Raum, wie Ariane Metzner von der Filmproduktionsfirma "Couchkino" bei einem Setbesuch erzählte. "Couchkino" betreut die Dreharbeiten vor Ort im Auftrag von "Cine Tirol" und der Tourismusregion Seefeld, die beide das Projekt unterstützen. Dass Filmarbeiten in diesem Ausmaß in einer derartig kurzen Zeit realisiert werden, sei absolut ungewöhnlich, meinte Metzner. "Das arabische Team verwendet die modernsten Kameras weltweit. Sie sind außerdem sehr organisiert, sehr schnell und unkompliziert", betonte die Filmproduzentin am ersten Drehtag. Selbst vom aufkommenden Regen ließen sich die an ein milderes Klima gewöhnten Protagonisten nicht die Laune verderben. Auch wenn an diesem Tag sogar kurzfristig ein Hagelschauer eine geplante Szene an einem wildromantischen Tiroler Bergsee zunichte machte. Die am Set anwesenden Tourismusverantwortlichen zeigten sich erfreut, dass Seefeld im heurigen Juli als Drehort auserwählt wurde und unterstrichen die positiven Effekte. "Für uns ist das ein absoluter Glückstreffer. Vor allem wegen des großen Echos, den diese neue Serie bereits jetzt im arabischen Raum hervorruft. Es sollen dort allein an die 130 Medienvertreter bei der Vorstellung der Serie gewesen sein", frohlockte Markus Tschoner, der Direktor des Tourismusverbandes Seefeld. Er hoffe jedenfalls auf einen positiven Effekt der Fernsehbilder aus Tirol und eine starke Steigerung der derzeit rund 10.000 Nächtigungen von Urlaubern aus diesem Teil der Welt in Seefeld und von 49.000 in ganz Tirol. Die indische Filmindustrie hat Tirol schon länger als Filmschauplatz entdeckt. Bollywood dreht seine schwülstigen Liebesdramen mittlerweile bevorzugt im Alpenraum. Bereits 2005 dienten die Tiroler Berge als Kulisse für rund fünfzehn Bollywood-Epen. In den Alpen werden sogenannte Traumsequenzen gedreht. Die Berge stehen in Indien für das irdische Paradies. Sie dürfen in keinem indischen Film bei einer der unvermeidlichen eindrucksvoll choreografierten Tanzszenen fehlen. Früher wurden diese Szenen in Kaschmir gedreht. Der nordindische Himalaya eignet sich wegen der politischen Spannungen aber nicht mehr für Dreharbeiten. Als alternative Drehorte werden gern Neuseeland, die USA oder die Schweiz gewählt.

Bild: Indische Delegation in der Schweiz In einigen Projekten geben die Tiroler Alpen die Kulisse für das nordindische Kaschmir ab, in anderen Filmen werden auch Tiroler Fremdenverkehrsattraktionen gezeigt, ... ... wie die Innsbrucker Innenstadt mit dem Goldenen Dachl. Fest steht, dass eilige indische Europatouristen oft einen Ort in Tirol in ihre Route einplanen: Wattens mit seiner Swarovski-Glitzerwelt "Kristallwelten". Die Schweiz war das erste Ziel Bollywoods in den Alpen. Kein Wunder, dass der indische Staatspräsident da der Bergregion einen Besuch abstattete. Aber es konnte nicht lange ein Geheimnis bleiben, dass der Faktor Bergidylle ein Wirtschaftsfaktor in Asien ist. Auch Österreich spielt diesen Trumpf längst aus.

Indiens Präsident Abdul Kalam (l.) und sein Schweizer Pendant Samuel Schmid (Mitte) 2005 im Berner Oberland Auch die Bundesländer Salzburg und die Steiermark wollen am Kuchen mitschneiden. So bildete der Dachsteingletscher 2009 die Kulisse für Filmszenen der Bollywood-Produktion "Kick" und weitere Musikvideos. Wenn die manchmal in Indien wie Götter verehrten Filmstars in den Bergen tanzen, zieht das indische Touristen an. Die Kinobesucher versuchen, auf den Spuren ihrer Helden zu wandeln und das "divine feeling" zu bekommen. Das Phänomen wurde etwa in der Schweizer Doku "Bollywood im Alpenrausch" beschrieben (siehe Link unten). Bollywood-Stars wie Amitabh Bachchan oder ... ... Amir Khaan regen die Inder dazu an, die Filmkulissen auch in natura zu besuchen. Allein zwischen den Jahren 2000 und 2004 hätten sich die Nächtigungen indischer Gäste in Tirol um 100 Prozent gesteigert. Die österreichische Filmindustrie will aber auch den umgekehrten Weg versuchen: Austria goes Bollywood. So verhandelte im Vorjahr Produzent und WEGA-Chef Veit Heiduschka mit indischen Partnern wegen der geplanten Koproduktion "Waltz on the Raga". Dabei sollen die so unterschiedlichen Filmkulturen beider Länder unter einen Hut gebracht werden.

Bild: Dreharbeiten für einen Bollywood-Film in Innsbruck ORF und Sat.1 setzten schon diesen Februar auf alpine Exotik: In "Bollywood lässt Alpen glühen" mit Alexandra Neldel ... ... und Andreas Kiendl (links) wurde die alpine Welt mit der indischen Bollywood-Ästhetik verbunden. Die "Culture Clash"-Thematik als TV-Romanze zu präsentieren, ist nur einer der vielen Übungen in der Disziplin "Bollywood lässt Kassen glühen". Fortsetzung garantiert ...
(KURIER.at,apa / tem) Erstellt am
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