Wirtschaft

Situation am Arbeitsmarkt entspannte sich im ersten Halbjahr

Auf dem Arbeitsmarkt stehen die Zeichen auf Erholung vom Coronaschock. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen hat heuer im ersten Halbjahr jedenfalls um fast ein Fünftel kräftig zugelegt. Mit 203.595 Stellenangeboten in 22 Printmedien und bei 35 Jobbörsen waren um 30.000 mehr Jobs ausgeschrieben als noch vor einem Jahr, wie das Online-Portal Stepstone am Mittwoch bekanntgab. Damit war das Arbeitsangebot auch um 3,5 Prozent größer als vor der Pandemie im ersten Halbjahr 2019.

Das Stellenangebot hat sich je nach Branche unterschiedlich stark entwickelt - während etwa um über 70 Prozent mehr Pflegekräfte gesucht waren als vor der Coronakrise, wurden im Einzelhandel um 30 Prozent weniger Mitarbeiter gesucht, wie aus dem "StepStone Fachkräfteatlas" hervorgeht.

Insgesamt sei die Nachfrage nach Fachkräften heuer nach einem guten ersten Quartal im zweiten Quartal 2021 nochmal deutlich gestiegen. "In einigen Branchen erleben wir aktuell einen regelrechten Jobboom", hielt Stepstone-Geschäftsführer Nikolai Dürhammer fest. Im vergangenen Winter seien viele Unternehmen zurückhaltend in Sachen Recruiting gewesen. "Jetzt suchen sie mit Blick auf den erhofften Nachkrisenboom händeringend nach guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern."

Heuer im zweiten Quartal intensiver gesucht als vor der Coronakrise im Vergleichszeitraum 2019 wurden etwa Ärztinnen und Ärzte (plus 12 Prozent), Expertinnen und Experten in den Bereichen Personalwesen (plus 18 Prozent), Naturwissenschaften (plus 34 Prozent) und Pflege (plus 73 Prozent). Die Nachfrage nach Pflegerinnen und Pflegern sowie nach Arzthelferinnen und -helfern hatte schon 2020 um 19 Prozent gegenüber dem Jahr davor angezogen. Im ersten Krisenjahr war das die einzige Berufsgruppe, die stärker nachgefragt wurde.

Etwas weniger Jobs als vor der Krise gibt es derzeit für Ingenieurinnen und Ingenieure (minus 3,7 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2020) und in den technischen Ausbildungsberufen (minus 5,6 Prozent). Eine Branche, die immer noch stagniere beziehungsweise sich sogar rückläufig entwickle, sei der Einzelhandel, so Stepstone.

Insgesamt wurden im zweiten Quartal 2021 österreichweit 111.000 Jobs ausgeschrieben. Die meisten Stellen gab es in Wien (31.400), Oberösterreich (21.600) und der Steiermark (14.000).

"Unabhängig davon, wie sich die Ausschreibungen auf einzelnen Jobplattformen entwickeln, sehen wir beim StepStone Fachkräfteatlas die gesamte Stellenmarktentwicklung in Österreich und hier zeigt sich: Der Einzelhandel ist am aktuellen Jobboom nicht beteiligt", so Stepstone-Pressesprecherin Corina Drucker. Insgesamt seien heuer im ersten Halbjahr im Einzelhandel um 4.600 Jobs weniger ausgeschrieben worden als im ersten Halbjahr 2020. "Im zweiten Quartal gab es etwas mehr Jobs als zu Jahresbeginn, aber unterm Strich zeigt sich: Während andere Branchen boomen liegen die Ausschreibungen im Einzelhandel 30 Prozent unter dem Vergleichszeitraum vor der Pandemie."