Wirtschaft/Karriere

Gehalt und Karriere: Was welcher Titel bringt

Österreich ist Weltmeister! Nicht im Fußball oder Tennis, dafür aber bei der Zahl der unterschiedlichen akademischen Titel. Ob Magister der Künste (Mag.art), Bakkalaurea der Philosophie (Bakk. Phil), Master of Laws (LL. M.), Diplomingenieur (Dipl.-Ing.) oder Doktorin der gesamten Heilkunde (Dr. med. univ.) – sie alle stehen hierzulande für ein vermeintlich besseres Milieu und für Status.

Die Titel-Illusion

„Mit dem Bachelor-Master-System der Bologna-Reform wurde die Titelsucht der Österreicher zwar ein wenig eingeschränkt, auch weil der akademische Grad nach dem Namen gesprochen wird. Die Illusion, dass jemand mit einem akademischen Titel über symbolisches Kapital verfügt oder mehr kann, besteht aber noch immer“, sagt Cornelia Zinn-Zinnenburg, Geschäftsführerin von Kienbaum Österreich.

Die Illusion, mehr zu können ist das eine, doch was bringt ein Titel für Karrierelaufbahn und Gehalt wirklich? Fakt ist: In gewissen Bereichen ist ein abgeschlossenes Studium unumgänglich, bei Ärzten oder Anwälten etwa. Auch in den Naturwissenschaften ist ein Doktor eher Standard als die Ausnahme.

Unternehmen legen Latte hoch

Doch  in vielen anderen Bereichen wird ein „abgeschlossenes Studium“ und „einschlägige Berufserfahrung“ oft ebenfalls vorausgesetzt, zumindest wenn es nach der Mehrheit der Jobanzeigen geht. „Unternehmen, die MitarbeiterInnen suchen, legen die Latte natürlich gerne so hoch wie möglich, selbst wenn hinsichtlich der fachlichen Kompetenz auch beispielsweise eine Matura ausreichen würde“, sagt Hermann Pavelka-Denk, Chef des gleichnamigen Personalberatungsunternehmens. Und in der Praxis mache dies auch oft den Unterschied. „Bringen zwei Bewerber grundsätzlich dieselben Qualitäten mit, entscheiden sich Unternehmen oft für den mit dem Titel.“

"Wer will, kann alles schaffen"

Kienbaum-Geschäftsführerin Zinn-Zinnenburg sieht Verallgemeinerungen diesbezüglich schwierig. Jedes Unternehmen und jeder Bewerber sei anders und  Weiterbildungen oft mindestens genauso wichtig, vor allem dann, wenn es um den Aufstieg auf der Karriereleiter geht. „Wenn man wirklich will, kann man es sehr wohl vom Lehrling in die Führungsetage schaffen. Denn  beim Aufstieg zählen Wille, Einsatz und Führungsqualitäten mehr als der Nachweis über ein abgeschlossenes Studium.“

Das gelte  auch für das Gehalt. „Meiner Erfahrung nach, kommt es hier mehr auf die Branche und Position sowie profilierende Praxis und nachweisliche Erfolge als ausschließlich auf den akademischen Grad an.“

Akademiker verdienen mehr

Eine etwas andere Sprache sprechen  die Zahlen.  Wie der Stepstone-Gehaltsreport  jedes Jahr aufs Neue beweist, macht sich ein Titel  durchaus bezahlt. 2020 etwa verdienten Personen, die ihre Ausbildung an einer Universität abgeschlossen haben rund 14.000 Euro brutto mehr im Jahr als jene ohne akademischen Abschluss. Und nicht alle höheren Abschlüsse zählen  gleich viel: Durchgängig sind Abschlüsse von Universitäten besser bezahlt als jene von Fachhochschulen.  

Und welcher Titel zahlt sich aus?

Zwischen den Abschlüssen gibt es allerdings deutliche Unterschiede. Wie das  Forum Personal des Österreichischen  Produktivitäts- und Wirtschaftslichkeits-Zentrum (ÖPWZ) zeigt, verdienen Master-Absolventen  schon beim Berufseinstieg um rund 300 Euro mehr als ihre Bachelor-Kollegen. Mit steigender Berufserfahrung wird der Abstand  deutlicher und liegt zwischen 400 bis 700 Euro.

Master der Technik haben Nase vorn

Auch der Studienbereich spielt eine Rolle. Während Master-Abschlüsse in der Wirtschaft beim Berufseinstieg im Durchschnitt rund 36.800 Euro brutto im Jahr Wert sind, verdienen Absolventen der Sozialwissenschaften im Vergleich rund 29,700 Euro. Nach drei bis fünf Berufsjahren geht die Schere  weiter auf, Wirtschafts-Absolventen bekommen  rund 43.400 Euro brutto jährlich, Master in der Sozialwissenschaft dagegen nur rund 34.300. Den besten Verdienst haben übrigens Uni-Absolventen (Master) in der Technik, mit durchschnittlich 42.700 Euro brutto jährlich beim Einstieg und 49.500 nach drei bis fünf Jahren.