Wirtschaft/Immo

Recycling am Bau: Neues Haus aus alten Baustoffen

Die silbergrauen, schulterlangen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, kam Dan Phillips vergangenen Samstag auf die Bühne. Im Rahmen der Veranstaltung TedxVienna, einer unabhängigen Organisation, die weltweit renommierte Wissenschaftler und Experten zu Vorträgen einlädt, präsentierte er seine Ideen zu recycelbaren Baustoffen. „Nicht mehr lange und wir werden uns einen neuen Planeten kaufen müssen, denn wir konsumieren mehr Rohstoffe, als die Erde produzieren kann – und noch schlimmer, wir verschwenden viele unserer Ressourcen“, sagt der Texaner am Beginn seines Vortrags.

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Um der Müllproduktion entgegenzuwirken, gründete er vor über zwanzig Jahren eine Baufirma, die Materialien wie Zahnpastaverpackungen, Straßenschilder, Aluminiumbleche und sogar Gürtelschnallen in den Hausbau integriert. „Ich arbeite mit den Prinzipien von Kunst und Design, um die Materialien zu mischen“, erzählt Phillips. Im Hintergrund zeigt er Bilder von seinen kreativen Werken. Darunter auch ein Gebäude in Form eines Cowboy-Stiefels. „Ich wollte immer ein Haus bauen, das aussieht wie ein Schuh“, sagt er – und das ist nicht das Verrückteste an seinem Entwurf. Der Bilder-Rundgang zeigt: Im Schlafzimmer sind Vinylplatten an der Decke, im Wohnzimmer sind es Spiegel und die Schubladen einer Kommode werden mit Gürtelschnallen geöffnet.

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Die Wiederverwendung von alten Baustoffen ist auch hierzulande nichts Neues – auch wenn die Materialien nicht immer so originell sind wie im Haus von Dan Phillips. „Die Recyclingquote ist in Österreich sehr hoch“, weiß Martin Car, Geschäftsführer des österreichischen Baustoff-Recycling-Verbands. Das liege an der Bausubstanz, denn ein Haus bestehe zu 96 Prozent aus mineralischen und somit wiederverwendbaren Baustoffen.

„Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass auf einer Baustelle dasselbe Material wieder verbaut wird. Die Baustoffe werden industriell gefertigt und als solche wieder verkauft“, erklärt Car. Ziegel, Putz und Mörtel können problemlos weiterverarbeitet werden. „Dafür werden diese Materialien meist granuliert, also gebrochen, und im Anschluss beispielsweise als Zuschlagstoffe in Leichtbeton verwendet“, so Car. Betonwände finden hingegen meist als hochwertiges Straßenbaumaterial im eigenen, aber auch im öffentlichen Bereich Verwendung. „Für Beton liegt die Recyclingquote bei über neunzig Prozent in Österreich. Außer Holland erreicht kein anderes europäisches Land diesen Wert“, erklärt Car.

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Aber zurück auf die Baustelle: Wer ein nahezu vollständig recycelbares Haus bauen will, kann bereits den Bodenaushub wiederverwenden. „Damit können Terrassen oder Gräben für Zuleitungen von Gas und Strom aufgeschüttet werden“, so Car. Auch Ferngasleitungen müssen gebettet werden – dafür rät Car zu Recycling-Sand. Zufahrtsstraßen können als Schotterwege angelegt werden und Betonstein oder Ziegel sind ein recycelbares Material für das Mauerwerk. Was die Wärmedämmung betrifft empfiehlt Car vom österreichischen Baustoff-Recycling Verband beispielsweise Steinwolle, oder eine vorgehängte Fassade, bei der die Luft zwischen den Mauern das Haus dämmt und ohne chemische Stoffe auskommt.

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„Problematisch wird es erst, wenn Verbundstoffe eingesetzt werden“, weiß Barbara Bauer vom österreichischen Institut für Baubiologie und -ökologie. Das sind Mischstoffe, die untrennbar miteinander verbunden und im Nachhinein in vielen Fällen nicht definiert werden können. „Ein Beispiel ist Fliesenkleber, der aus bis zu vierzig Prozent Kunststoff besteht. Dadurch ist beim Rückbau die Trennung zwischen verbrennbarem Kunststoff und der mineralischen Komponente nicht möglich und erschwert das Recycling“, so Bauer.

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Auch bei Holz könne dieses Problem auftreten. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der naturbelassen Vorteile bringt“, weiß Car. Ist es mit Öl imprägniert oder mit lindanhaltigem (auch für den Menschen giftiges Insektenbekämpfungsmittel) Holzschutzmittel bestrichen, kann es beim Abriss zu gefährlichem Abfall werden, der zu deponieren ist. Solange das Holz allerdings fest im Haus oder Terrasse verbaut ist, gehe keine Gefahr von den Stoffen aus.

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Die vermehrte Nachfrage nach recycelbaren Baustoffen steigt laut Car seit 1. Januar 2016. Grund dafür ist eine Gesetzesnovelle. „Seither muss vor dem Abriss eines Hauses eine Schadstofferkundung durchgeführt werden und alle Materialien, die nicht wiederverwertet werden können, müssen deponiert werden“, erklärt Bauer.

Recycling-Experte Car: „Hundert Prozent recycelbar zu bauen, ist derzeit zwar wirtschaftlich nicht realistisch, hochwertige und langlebige Baumaterialien zu verwenden allerdings schon.“