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Da "Trautmann" seinen Augen kaum: Schauspieler Wolfgang Böck wird 70

Auch eckige Charaktere feiern runde Geburtstage – so wie der Linzer „Ur-Wiener“ Wolfgang Böck. Heute, Samstag, wird der Serienheld (vom „Kaisermühlen Blues“ bis zum „Trautmann“) und langgediente Festspiel-Intendant (seit 2004 und vermutlich bis 2028 in Schloss Kobersdorf im Burgenland) 70.

Diesmal (4.–30. Juli) gibt er den Herrn von Rappelkopf in Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“. Das entspricht exakt diesem, von ihm selbst maßgeblich geprägten Fach: Der wirrköpfige Widerspruchsgeist hinter dem Antlitz der trügerischen Gemütlichkeit, die so blitzartig ins Gefährliche umschlägt wie ein heftiges Unwetter aus heiterem Himmel im Hochalpinen.

Vertieft man sich in Böcks Bio, Trautmann seinen Augen kaum: So „debütierte“ er als Schauspieler schon in der Buben-Volksschule „als blond gelockte Prinzessin – drei Jahre später war des Blond weg und 20 Jahre später die Haar’“.

Der Sohn eines Industriekaufmanns und einer Kindergärtnerin ging trotz der Infektion mit dem Theater-Virus – „irrtümlich“, wie er heute sagt – in die Höhere Lehranstalt für Maschinenbau: „Ohne Abschluss, als ich dahinterkam, dass man Motorrad so auch fahren kann“. Aus dieser Zeit rührt so manche Erinnerung an Erlebnisse mit der Exekutive: „Eigentlich a Wahnsinn“, so Böck, „dass i dann an Polizisten g’spielt hab’ und sogar Ehrenkiberer worden bin – als Biker waren die doch immer meine natürlichen Feinde ...“

Ein Strizzi als Inspektor

Entdeckt als „Serientäter“ in Uniform hat ihn vor gut 30 Jahren der große Anwalt kleiner Leute, Autor Ernst Hinterberger (gestorben 2012). Der sah ihn mit dem gebürtigen Innsbrucker Ur-Wiener Adi Hirschal (74) zur Seite, als sie die so hinreißenden wie hundsordinären „Strizzi“-Lieder im Rabenhof sangen.

Hinterberger, der „nie a Figur erfand, die Figuren fanden mich“, wusste binnen einer Zehntelsekunde: „Das is er, mein Trautmann!“ Erst schrieb er Böck als Partner der „Trafikantin Schimek“ in den „Kaisermühlen Blues“, danach zum hintergründigen Helden des eigenen Spin-offs.

Marianne Mendt (77), die Gitti Schimek von damals, erlebte Böck sieben Jahre lang als „einen der liebsten Kollegen meiner Fernsehgeschichte; die Leute haben mich auf der Straße angeredet und gebeten: ‚Ihr bleibts aber schon zamm’, gell?‘“

Adi Hirschal erkannte im Jubilar schnell den „mürrischen Bären mit goldenem Herzen“ und die kongeniale Ergänzung: „Er ist technikaffin, i bin a Anti-Schrauber.“

Böck fährt auf zwei Rädern Ducati, auf „vier Pfoten“ Jaguar, beides mehrfach im Stall. Ob ihm mit 70 was wehtut? „Ja“, gesteht er, „alles.“ In erster Linie zwickt’s den zweifachen ROMY-Gewinner aber im Rücken. Vielleicht schafft ein längst fälliges Ehrenkreuz Abhilfe? – Zum traditionellen Eisstockschießen mit engsten Weggefährten reicht’s noch.

Marianne Mendt spendet Trost: „Wir sind in an Alter, wo ma glaubt, es is’ alle drei Monat’ Weihnachten, so schnell geht’s dahin.“ Böcks Mama ist 95 – und sein großes Vorbild: „Wann immer i s’ frog, wie’s ihr geht, sagt s’: ‚Ich bin zufrieden.‘ Na, wos wü ma mehr?“