Meister Sturm fehlt die Klasse
Meister Sturm Graz fehlt zumindest auf europäischer Ebene die nötige individuelle Klasse. Das ist am im vierten Gruppenspiel der Europa League wieder einmal deutlich geworden. Während der RSC Anderlecht seine Chancen beim 3:0-Heimsieg eiskalt ausnützte, ließen die Grazer die nötige Effizienz vermissen und machten neuerlich entscheidende Fehler.
Zudem kassierten die Schützlinge von Chefcoach
Franco Foda wie schon im "Hinspiel" (0:2) eine Gelb-Rote Karte, da war in der Schlussphase kein Aufbäumen mehr möglich.
Das Abenteuer Europa League dürfte für die Grazer damit wie schon 2009, wo man mit vier Punkten den letzten Platz belegt hatte, nach der Gruppenphase zu Ende gehen, obwohl die Spieler selbst den Bewerb noch nicht ganz abgeschrieben haben. "Wenn wir gegen Lok etwa 3:1 gewinnen und auch Athen besiegen und Lok auch gegen Anderlecht verliert, sind wir durch", rechnete Ferdinand Feldhofer vor.
Aufgrund der bestehenden theoretischen Möglichkeit werde man weiterhin alles geben. "Wir haben nun ein K.o.-Spiel in Moskau vor uns und wissen, was wir zu tun haben", meinte der Innenverteidiger. "Wir müssen nach vorne schauen und aus den nächsten beiden Spielen das Beste machen", fügte Roman Kienast hinzu. Das unterstrich "Oldie" Mario Haas. "So lange es möglich ist, musst du immer an den Aufstieg glauben, sonst brauchst du gar nicht zu spielen", sagte der Stürmer-Routinier.
"Das 0:1 war sehr blöd"
Die Grazer hatten in die Partie im Constant-Vanden-Stock-Stadion gut hineingefunden. Sie haben sich im Gegensatz zum schwachen Meisterschaftsspiel gegen Rapid am Samstag (2:3) nicht nur auf eine gesicherte Defensive beschränkt, selbst etwas zugetraut und durch Wolf, der stümperhaft an Anderlecht-Goalie Proto scheiterte, auch die beste Möglichkeit vorgefunden. "Es ist sehr schade, dass wir solche Chancen liegengelassen haben", ärgerte sich Feldhofer. Und Haas ergänzte: "International musst du solche Chancen nützen, das war von uns zu wenig."
Fast im Gegenzug gingen die kaltschnäuzigen Hausherren in Führung. RSC-Topstürmer Suarez hatte sich auf der rechten Seite durchgetankt und Gillet ideal bedient. "Das 0:1 war sehr blöd, weil wir besprochen haben, dass sie genau so spielen", erklärte Kienast. Die Grazer zeigten sich davon nur kurz beeindruckt, hielten bis zum Ausschluss von Feldhofer in der 58. Minute gut mit. "Dann war die Partie gelaufen, konnte ich nichts mehr für das Offensivspiel machen", analysierte Foda.
Bis zu diesem Zeitpunkt habe seine Truppe eine sehr zufriedenstellende Leistung abgeliefert. "Wir haben früh attackiert, den Gegner unter Druck gesetzt und vor der Pause auch mehr Chancen gehabt. In der Defensive waren wir sehr stabil, haben abgesehen vom Gegentreffer das Spiel gut kontrolliert", resümierte der Deutsche. Umso bitterer sei die Niederlage. "
Anderlecht ist von der Klasse her weit über uns zu stellen. Wir haben unsere zwei, drei sehr guten Chancen nicht genutzt, da kannst du gegen so eine Mannschaft nicht gewinnen", war sich Sturms Trainer bewusst.
Linke Alternative
Trotz der dritten Niederlage im vierten Gruppenspiel gab es abgesehen von der teilweise guten Leistung weitere positive Aspekte. Christian Klem präsentiert sich immer mehr als Alternative auf der linken Außenverteidigerposition zu dem derzeit verletzten Georgier Giorgi Pochadse. "Klem hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Da zeichnet sich ab, dass wir wieder einen Spieler für diese Position gefunden haben", lobte Foda den 20-Jährigen.
Im Zentrum gab Matthias Koch, der danach "fix und fertig" war, ein vielversprechendes Comeback nach mehr als dreimonatiger Verletzungspause. "Koch und Weber waren sehr stabil in beiden Richtungen", sagte Foda über das Mittelfeld-Duo. Ein besonderes Lob muss man den mehr als 1.000 Sturm-Fans machen, die selbst bei einem aussichtslosen Spielstand ihre Mannschaft lautstark anfeuerten und größtenteils mehr Stimmung machten als die RSC-Anhänger. "Die Fans waren ein Traum", sagte
Haas.
Für die Grazer geht es nun am 1. Dezember (18.00 Uhr) in Moskau um alles oder nichts, ehe zum Abschluss am 14. Dezember noch das Heimspiel gegen das punktlose Schlusslicht AEK Athen auf dem Programm steht. Vorerst gilt die volle Konzentration wieder der Meisterschaft. "Das Leben geht weiter, am Sonntag wartet auf uns mit Kapfenberg die nächste schwierige Aufgabe", sagte Foda im Hinblick auf das Bundesliga-Heimderby der 14. Runde.
Schulter-Luxation bei Hölzl
Vor allem, da die Verletztenliste mit Andreas Hölzl, der schon nach wenigen Minuten mit der dritten Schulter-Luxation seiner Karriere ausschied, wieder größer wurde. "Das ist sehr bitter für uns und zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison", ärgerte sich Foda.
Belgiens Rekordmeister steht schon fix in der Runde der letzten 32, will die ausstehenden Spiele aber nicht auf die leichte Schulter nehmen. "Es ist für uns wichtig, Gruppenerster zu werden, um in der nächsten Runde vielleicht einen leichteren Gegner zu bekommen", betonte Anderlecht-Trainer Ariel Jacobs.
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