Sport/Fußball

Nach Fußball-Eklat: "Präsident von Nationalspielern ist nicht Erdogan"

Einen Tag vor der WM-Nominierung sorgen zwei deutsche Teamspieler für Wirbel. Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben nämlich am Wochenende in London den umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen - und dabei ihre Sympathien für den konservativen Politiker nicht verheimlicht.

Erdogan weilt derzeit in Englands Hauptstadt. Am Dienstag wird er von Queen Elizabeth II und der Premierministerin Theresa May empfangen. In der Türkei lässt er am 24. Juni vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abhalten.

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Vor dem Treffen mit den beiden Damen fand Erdogan Zeit für ein Treffen mit den beiden türkischstämmigen Kickern, die im Ruhrgebiet auf die Welt gekommen sind und sich für das deutsche Nationalteam entschieden haben. und überreichten dem 64-Jährigen dabei Trikots ihrer Klubs Arsenal bzw. Manchester City.

Erdogans Partei AKP veröffentlichte Fotos des Treffens im Hotel Four Seasons, an dem auch der deutsch-türkische Profi Cenk Tosun vom FC Everton teilnahm, am Montag auf Twitter. Auf Gündogans Trikot mit der Nummer acht stand: "Mit großem Respekt für meinen hochgeschätzten Präsidenten." Tosun, der sich für die türkische Nationalmannschaft entschieden hat, schrieb auf sein Dress keine Widmung.

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Sportpolitisch pikant ist der Auftritt, da die Türkei einziger Konkurrent des Deutschen Fußball-Bundes um die Ausrichtung der EM 2024 ist, die im September von der UEFA vergeben wird. Beide Profis sind fixe Kandidaten für den deutschen WM-Kader, den Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag (12.30 Uhr) in Dortmund verkündet. Özil und Gündogan gelten als gesetzt, stehen jetzt aber in der Kritik. Stimmen werden laut, dass Löw die beiden Stars nicht nach Russland nehmen soll. Die Debatte kommt für den Weltmeister zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. 

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Mitglieder der rechten Partei Alternative für Deutschland (AfD), die Zuwanderung skeptisch gegenüber steht, äußerten sich auf Twitter ebenfalls zu den Bildern der Nationalspieler. Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bundestagsfraktion, empfahl Gündogan "für seinen Präsidenten kicken zu gehen", der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christian Blex sieht in dem Auftritt "ein Foul an der Integration." Die AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Alice Weidel schlug in die gleiche Kerbe: "Der aktuelle Skandal um zwei Nationalspieler ist ein trauriges Beispiel dafür, wie gering die Identifikation der türkischstämmigen Jugend in Deutschland mit der Wahlheimat ihrer Eltern ist.

Auf Twitter meldete sich auch DFB-Präsident Reinhard Grindel zu Wort: "Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden. Der Integrationsarbeit haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen." 

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Der grüne Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir fand noch deutlichere Worte und rügte das Treffen: "Der Bundespräsident eines DFB-Spieler heißt Steinmeier, die Kanzlerin Merkel und das Parlament heißt Bundestag. Es ist geschmacklos und peinlich, wenn Fußball-Millionäre sich für die Wahlkampagne eines unter Druck stehenden autoritären Herrschers einspannen lassen und ihm Huldigungsgesten entgegenbringen.“ Die CSU twitterte: "Wer das Trikot der Nationalmannschaft trägt, sollte sich zu den Werten unseres Landes bekennen und nicht Wahlkampf für Despoten machen, die die Pressefreiheit und Menschenrechte einschränken." Gündogan verteidigte das Treffen und wies Kritik zurück. "Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen", teilte der Spieler des englischen Meisters Manchester City mit. "Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst", sagte er weiter: "Fußball ist unser Leben und nicht die Politik."

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