Der zersägte Hundertwasser

Ein farbenfrohes Gemälde mit stilisierten Figuren, Vögeln und abstrakten Elementen in einer imaginären Landschaft.
Wie ein frühes Hauptwerk von Friedensreich Hundertwasser zersägt in New York landete – und von dort schwer wegkommt.

Sie ereignet sich nur selten, die Geschichte vom Meisterwerk, das aus dem Müll gefischt wird und seinen Finder reich macht. Und wenn, dann ist das betreffende Werk meist nicht 5 Meter mal 2,75 Meter groß.

Im Fall des New Yorker Unternehmers, der Friedensreich Hundertwassers frühes Wandgemälde „Paradies – Land der Menschen, Vögel und Schiffe“ (1950) sein Eigen nennt, steht allerdings nicht nur die Monumentalität des Bildes einem Happy End in Form eines Verkaufs im Weg. Denn zum einen ist das Bild äußerst fragil, jeder Transport ein Risiko.

Zum anderen legt der Besitzer, der „ Christian Easter“ genannt werden möchte (Name der Redaktion bekannt), ein Sendungsbewusstsein an den Tag, das jenem des Visionärs Hundertwasser zumindest ebenbürtig ist: Er möchte den Erlös des Bildes teils spenden und teils in den Bau schwimmender „Archen“ stecken, auf die Menschen sich vor Katastrophen retten können. Er braucht dafür Geld – und hält zehn Millionen US-Dollar für realistisch.

Das abstrakte Gemälde zeigt ein spiralförmiges Muster in Rot, Blau und Grün, das sich zu einem Quadrat in der Mitte windet.

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Das Gemälde „Stadt I“ von Gustav Klimt zeigt eine abstrakte Stadtlandschaft in verschiedenen Farben und Formen.

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Ein abstraktes Gemälde mit roten, blauen und grünen Farbtönen.

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Ein japanischer Holzschnitt zeigt eine Landschaft im strömenden Regen.

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Ein abstraktes Gemälde mit erdigen Farbtönen und organischen Formen.

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Eine Menschenmenge geht auf einer belebten Straße in Japan an Geschäften vorbei.

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Zwei Männer sitzen in einem Raum, einer auf einer Bank, der andere auf dem Boden.

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Ein abstraktes, rotes Flugobjekt mit Rotorblättern schwebt über einer dunklen Landschaft.

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Abstrakte Darstellung eines komplexen Netzwerks aus Linien und Formen auf farbigem Hintergrund.

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Ein abstraktes Gemälde mit blauen Linien und geometrischen Formen in Gelb, Rot und Braun.

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Ein frühes Paradies

Ein Mann betrachtet ein großes, gerahmtes Gemälde mit floralen Motiven.
Hundertwasser Wandgemälde das Paradies
Bei aller Exzentrik des Besitzers herrscht über den Status des Bildes kein Zweifel: Gegenüber dem KURIER bestätigten die Hundertwasser-Stiftung, der Belvedere-Kurator Harald Krejci sowie der Direktor des KunstHausWien, Franz Patay, dass es sich bei dem Gemälde tatsächlich um jenes Bild handelt, das Hundertwasser mit seinem Freund René Brô 1950 an die Wand eines ehemaligen Jagdpavillons im Pariser Vorort St. Mandé malte. Es ist eines von zwei Bildern, das die Künstler gemeinsam für die Besitzer des Baus, die Familie Dumage, schufen – das zweite, „Der wunderbare Fischfang“, ist heute im KunstHausWien zu sehen.

1964 wurde das Gebäude abgerissen, das „Paradies“ zersägt und eingelagert. Der aus Bad Vöslau stammende Joachim „Jean“ Aberbach, der vor den Nazis in die USA geflohen war und dort u. a. als Musikverleger mit Elvis Presley reich geworden war, ließ die Teile schließlich in einer Synagoge auf Long Island installieren. 2007 wurde auch diese abgerissen. Einer der dabei beauftragten Arbeiter war Christian Easter.

„Sie boten es gratis für jeden an, der es haben wollte“, sagt der nunmehrige Besitzer, der damals noch nichts von Hundertwasser wusste. „Ich erkannte gleich, dass es ein Museumsstück war.“

Inspiziert

Ein farbenfrohes Gemälde zeigt stilisierte Boote und Figuren auf blauem Wasser vor einer Stadtkulisse.
Seither haben einige Experten das Stück gesehen, Franz Patay vom KunstHausWien suchte selbst das Depot in New York auf. „Ich würde würde mich freuen, wenn man es restauriert und bei mir zeigen kann“, sagt er. Die Mittel dazu fehlen jedoch.

Auch Harald Krejci vom Belvedere hätte das Bild in seiner aktuellen Hundertwasser-Schau (noch bis 30.6.) gern gezeigt, ließ aber wieder von der Idee ab, nachdem er einen Überblick über den Restaurierungsaufwand bekommen hatte.

Für Reinigungen, Retuschen und die Übertragung des Bilds auf ein kompliziertes Tragegerüst seien mindestens 80.000 Euro nötig, erklärt Krejci und ergänzt: „Mich schreckte ab, dass das Bild nach der Ausstellung für immer an diesem Ort bleiben müsste. Denn die Kittungen und Retuschen der Fugen gehen beim Abtransport wieder verloren. Das Bild ist nach jedem Transport wieder ein Restaurierungsfall.“

Christian Easter ist dennoch zuversichtlich, das restaurierte Bild auf „Tour“ zu schicken und den Preis mit einer Filmdokumentation und einem Buch zugunsten seines Arche-Projekts weiter anheizen zu können. Andererseits, sagt er, habe ihm ein russischer Investor 1,5 Millionen US-Dollar angeboten – ein Offert, dessen Authentizität der KURIER nicht überprüfen konnte. Die Kunsthändlerin Sylvia Kovacek, die Easter ebenfalls wegen einer Schätzung kontaktiert hatte, sagt dazu nur: „Wenn mir jemand 1,5 Millionen bietet, würde ich’s verkaufen.“

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