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Prozessauftakt am Donnerstag am Landesgericht Eisenstadt © Bild: /Theresa Gsellmann
Mordprozess
02.09.2016

Mordprozess ohne Mordverdächtigen

Hauptangeklagter im Spital. Zweitbeschuldigte wusste von Tat, hat aber "aus Angst" geschwiegen.

Er wird als aggressiv und gewaltbereit beschrieben, seine Größe und sein mächtiger Körperbau sollen es ihm leicht gemacht haben, sein Gegenüber einzuschüchtern. "Franz hat Augen, wenn er dich anschaut, scheißt dich an", versuchte Regina Z., Zweitangeklagte im Mordprozess, den Richtern und Schöffen einen Eindruck von ihrem Ex-Freund zu vermitteln.

Selbst konnten sich diese am Donnerstag kein Bild vom Hauptangeklagten Franz P. machen. Der 54-Jährige hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und liegt auf der Intensivstation. Dem Mann wird vorgeworfen, seine ehemalige Lebensgefährtin Ursula G. mit Unterstützung von Z. im September 2015 in Potzneusiedl kaltblütig ermordet zu haben. Seine Gewaltbereitschaft spiegelte sich auch in den Gutachten wieder: Beim Opfer wurden eine 17 Zentimeter lange Stichwunde in der Brust und mehrere Rissquetschwunden am Kopf, die von Schlägen mit einem Stahlrohr stammen sollen, festgestellt. P. bestritt immer jegliche Schuld.

"Ich tu’ mir nicht so leicht, der Prozess wirkt amputiert", sagte Staatsanwalt Roland Koch eingangs. Er hofft, dass sich der wegen Mordes Angeklagte "noch hier verantworten muss, aber es nicht auszuschließen, dass er vor einem höheren Richter stehen wird", sagte Koch. Das Verfahren gegen P. wurde vorerst ausgeschieden, falls es sein Gesundheitszustand zulässt, wird er am 14. September in den Prozess miteinbezogen.

Vorerst saß P.’s damalige Liebschaft am Donnerstag alleine reumütig vor den Richtern und beteuerte mit tränenerstickter Stimme die Tat nicht gemeinsam mit P. geplant, ihm aber sehr wohl bei der Durchführung geholfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft Regina Z. Beitragstäterschaft zu Mord sowie Hehlerei vor. Sie soll ihren damaligen Freund zum Tatort gebracht haben und gemeinsam mit ihm wieder zurück in ihre Wohnung nach Gerasdorf bei Wien gefahren sein. Das gibt sie zu.

Angst

Warum sie sich nicht an die Polizei gewandt hat, will Richter Wolfgang Rauter wissen. Sie hatte große Angst vor ihrem damaligen Freund und schlechte Erfahrungen mit der Polizei. Beamte hätten sie schon einmal im Stich gelassen und "geglaubt hätten sie mir sowieso nicht", versuchte sich Z. zu rechtfertigen. Außerdem habe sie bis zur letzten Sekunde gehofft, dass P. die Frau doch nicht umbringt.

Rauter wollte in dem Prozess erörtern, ob die Angeklagte wirklich aus Angst geschwiegen oder die Tat doch gemeinsam durchgeführt hatte, weil sie sich vermögensrechtliche Vorteile erhoffte. Finanzielle Hintergedanken bestreitet Z. "Ich hatte keine Schulden, wollte nur die Wohnung für meinen Sohn kaufen. Aber für 35.000 Euro bringt man ja niemanden um", versuchte Z. Richter und Schöffensenat weinend von ihrer Unschuld zu überzeugen. "Aber wenn sie ihm nicht geholfen hätten, könnte die Frau noch leben", redete der Staatsanwalt Z. ins Gewissen. Auch nach dem Hinweis, dass ein Geständnis als mildernd gerechnet werde, blieb die Zweitangeklagte bei ihrer Version.

Nach Anhörung der Zeugen und Gutachter wurde die Verhandlung auf den 14. September vertagt. Dann könnte es zumindest im Fall der Zweitangeklagten ein Urteil geben.

Tathergang

Bisher ist für die Justiz klar, dass zumindest für P. Geld das Motiv war. Er war verschuldet und hoffte auf Geld vom Hausverkauf seiner Ex. "Als er im Internet gesehen hat, dass das Haus unter dem Preis verkauft werden sollte, war er fuchsteufelswild,", erzählt Z. Er hat gesagt: "Die Oide wü’ ma alles wegnehmen. Die dra’ i ham, und du musst mein Alibi sein", schildert Z. "Ich war in Angst gefangen, hab gedacht, ich komme hier nicht raus", sagte sie. Sie fuhr P. in der Nacht auf den 7. September nach Potzneusiedl und wieder nach Hause. Über die Tat sei nie gesprochen worden. Einen Tag später wurden beide verhaftet.