Letztes Update am 05.07.2012, 11:41
Trotz Protesten: Japan fährt AKW wieder hoch.
Am Donnerstag wurde der erste Reaktor seit dem GAU in Fukushima wieder hochgefahren. Weitere folgen. Das japanische Volk stellt sich gegen die Regierung.
Erstmals seit der Katastrophe in Fukushima (Aufnahme: Fukushima Daiichi, Juni 2012) vor gut 15 Monaten produziert Japan wieder Atomstrom.
Der Reaktor 3 im Atomkraftwerk Oi (Bild) hat am Donnerstag wieder mit der Erzeugung von Strom begonnen,...
... gab der Betreiberkonzern Kansai Electric bekannt.
Es ist das erste Mal seit der Atomkatastrophe infolge des Erdbebens und Tsunamis vom März 2011, dass Japan wieder einen Reaktor hochgefahren hat. (Bild: Fischerboote in der Zone rund um Fukushima, ein Jahr nach dem GAU)
Bis zum GAU in Fukushima deckten AKW in Japan rund 30 Prozent des Strombedarfs.
(Bild: Vorher-Nachher-Bilder des AKW Fukushima.)
Ende Mai wurde der letzte der 50 Atomreaktoren in Japan für Sicherheitsprüfungen heruntergefahren. Zuletzt waren also alle 50 Meiler abgeschaltet.
Seitdem bezog Japan gar keinen Strom mehr aus Atomkraft. Seinen Energiebedarf deckte das Land über Thermalkraftwerke.
Gegen die Entscheidung der Regierung, Atomkraft wieder zu nutzen,...
... war es zu für Japan beispiellosen Anti-Atom-Demonstrationen gekommen.
Am Freitag hatten mehr als 150.000 Menschen auf den Straßens Tokios...
... gegen die Entscheidung von Ministerpräsident Toshihiko Noda demonstriert.
Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren zunächst ab.
Doch angesichts der wiederholten Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor drohenden Stromausfällen in der Industrieregion Osaka (Bild) gaben sie ihren Widerstand auf.
Regierungschef Noda entschied daraufhin,...
... die Reaktoren 3 und 4 im Kraftwerk Oi nach Sicherheitsüberprüfungen wieder anzufahren.
Das Wiederanfahren des 1,18 Millionen-Kilowatt-Reaktors Nummer 3 wird den im Hochsommer bei Kansai Electric erwarteten Strommangel in der Region um die Industriestadt Osaka von 14,9 Prozent auf 9,2 Prozent verringern.
(Bild: Reaktor Drei (r. ) und Vier im AKW Oi.)
Kritiker warnen jedoch vor der Gefahr erneuter schwerer Erdbeben.
Zudem seien die Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi bis heute nicht unter Kontrolle.
Die Regierung sei in der Lage, eine nochmalige Katastrophe wie in Fukushima zu verhindern, versicherte indes Regierungschef Noda.
Kritiker bezweifeln das jedoch.
(apa, dpa/sho)
Erstellt am 02.07.2012, 12:17