Aufsichtsräte: Neubesetzungen in den staatsnahen Firmen
Bundesimmobiliengesellschaft BIG war immer schon Ziel politischer Wünsche
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) lässt seine oberösterreichischen Freunde nicht verkommen. Selbst wenn dafür eine der renommiertesten Wirtschaftsfrauen des Landes ihren Platz räumen muss.
Bei der staatlichen Bundesimmobiliengesellschaft BIG, einem der größten heimischen Immo-Konzerne, wurde das Mandat von Christine Catasta als Aufsichtsratsvorsitzende nicht mehr verlängert, der KURIER berichtete. Obwohl die BIG zur Staatsholding ÖBAG gehört und deren Noch-Allein-Vorständin Edith Hlawati Wert darauf legt, politischen Einfluss draußen zu halten, was schwer genug ist, beanspruchte die ÖVP den Posten.
Klaus Kumpfmüller, Chef der Hypo Oberösterreich
Hattmannsdorfer „beförderte“ Ende vergangener Woche Klaus Kumpfmüller, derzeit Chef der Hypo – erraten – Oberösterreich, vom Vize zum neuen Vorsitzenden. Kumpfmüller, ehemals im Kabinett der ÖVP-Ministerin Maria Fekter (auch Oberösterreicherin), gilt freilich als versierter Finanzexperte.
Christina Haslauer mit Ehemann
Ebenfalls aufgestiegen ist Christina Haslauer, Anwältin und dritte Ehefrau des ehemaligen Salzburger ÖVP-Landeshauptmannes Wilfried Haslauer. Sie übersiedelt von der Wohnbau-Tochter ARE in die BIG hinauf.
Bei der ARE wurde Vorsitzender Markus Neurauter, vielfacher Manager bei Benkos Signa, verabschiedet. In der BIG läuft das Mandat der ÖBB-Immobilien-Managerin Claudia Brey aus. Neu ins Gremium kommen der Industriemanager Andreas Ludwig sowie die Immo-Experten Daniel Riedl (Vonovia) und Caroline Mock, Vorstandsvorsitzende der VIG AM Real Estate.
Heinrich Schaller, Ex-Chef der Raiffeisen Landesbank OÖ
In den Aufsichtsrat der mehrheitlich staatlichen Post soll laut Tagesordnung der Hauptversammlung am 15. April mit Heinrich Schaller ebenfalls ein Oberösterreicher bestellt werden. Der Banker war etliche Jahre Chef der Raiffeisen Landesbank OÖ.
In den Aufsichtsrat des mehrheitlich staatlichen Verbund-Konzerns soll mit der Hauptversammlung Sabine Stock einziehen, Vorständen des ÖBB-Personenverkehrs.
Eine interessante Neu-Besetzung gibt es neben dem Wechsel an der Spitze noch bei den teilstaatlichen Casinos Austria. Die Republik hält an der Glücksspielgruppe ein Drittel. Wie berichtet, tauschte Hlawati den Vorsitzenden, den ehemaligen Siemens-Österreich-Boss Wolfgang Hesoun , gegen den gegangenen CEO der UniCredit Bank Austria, Robert Zadrazil.
Neu in den Aufsichtsrat zieht auf einem Ticket der Staatsholding aber auch die Juristin Katja Tautscher ein, die man zum Spitzenmanagement der OMV direkt unter dem Konzern-Vorstand zählen darf. Sie leitet seit 2022 die Rechtsabteilung des teilstaatlichen Öl-, Gas- und Chemiekonzerns.
Hang zum Glücksspiel
Tautscher gehört zu den Vertrauten von Noch-OMV-Boss Alfred Stern. Sie ist einer der Projekt-Verantwortlichen für den neuen Mega-Konzern Borouge Group International (BGI) und in dieser Funktion bis zum bevorstehenden Closing des Deals als Übergangs-Vorständin eingetragen.
Tautscher sitzt außerdem im Supervisory Board der Inspired Entertaiment Inc, einem an der New Yorker Nasdaq notierten Glücksspielkonzern. Die Gruppe mit Lizenzen in UK und Malta für Europa ist Zulieferer für Casinos, Wetten und Lotterien und entwickelt Online-Spiele.
Stellt sich die Frage, ob dies mit ihrem neuen Job im Aufsichtsrat der Casinos vereinbar ist. In der ÖBAG jedenfalls sieht man kein Unvereinbarkeits-Problem, Inspired sei nicht in Österreich tätig. Fragt sich nur, ob Tautscher überhaupt genügend Kapazität für das neue Mandat hat, die Casinos sind ebenso wie die OMV in einer sehr schwierigen Phase.
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