Zuckerbrot und Peitsche gegen das Rapid-Tief
Das Wichtigste ist jetzt die Ruhe zu bewahren", sagte Zoran Barisic nach der Heim-Blamage gegen Altach und stellte sich auch nach dem 0:1 gegen den Aufsteiger schützend vor seine Mannschaft. Die Spieler wären gut, betonte der Rapid-Trainer immer wieder, nur nach den Abgängen noch nicht gut genug eingespielt, um so einen defensiven Gegner auszuspielen. Nicht erfahren genug, um mit Tiefschlägen wie dem 0:1 aus dem einzigen Torschuss des Gegners im gesamten Spiel umgehen zu können. Oder einfach vom Glück verlassen wie Louis Schaub, der seit über zehn Monaten einem Tor nachläuft und zusehends verkrampft.
"Es wäre sicher falsch, jetzt die Peitsche rauszuholen", erklärte Barisic, obwohl der schlechteste Ligastart seit 1992/’93 für ein lautes Pfeifkonzert der 13.800 Besucher sorgte. Vor dem Play-off-Hinspiel in der Europa League in Finnland am Donnerstag setzt der Cheftrainer auf Zuckerbrot: "Wir werden die Burschen wieder aufrichten, damit sie mit breiter Brust nach Helsinki fliegen."
Während Barisic den Good Cop gibt, übernimmt Sportdirektor Andreas Müller die Rolle des Bad Cop – dieses Zusammenspiel funktioniert besser als die nicht zielführenden Kombinationen mit 70 Prozent Ballbesitz auf dem Rasen. Also packte der Deutsche die Peitsche aus: "Ich habe genauso wie die Fans im Finish gespürt, dass nicht alle die richtige Körpersprache hatten. Da hat der absolute Wille, der Mumm und der Glaube an die Wende gefehlt. Deshalb sind die Kritik und die Pfiffe berechtigt."
Das Wort Krise war für Müller "noch nicht angebracht", aber die Enttäuschung enorm: "Nur vier Tore in fünf Spielen. Nur fünf Punkte – das sind schon sieben weniger, als wir uns eigentlich erhofft haben."
Schlüsselspiele
Ausgerechnet vor dem wegweisenden Dreiakter Helsinki – Derby – Helsinki manövrierten sich die Hütteldorfer mit der ersten Niederlage nach genau einem halben Jahr gegen einen Gegner, der nicht Salzburg heißt (1:2 bei der Admira), in eine missliche Lage. "Gerade in unserer Situation wird Helsinki ein richtig schwerer Brocken", weiß Barisic.
"Wir haben gedacht, dass wir schon weiter wären", gestand Müller. Überrascht davon, dass nach der Auswechslung von Hofmann wegen Kreislaufproblemen sofort die Ordnung verloren ging.
"Es gibt im Mittelfeld auch andere Spieler mit ausreichend Erfahrung. Aber die haben ihre Rolle nicht wie gefordert übernommen", kritisierte Müller und meinte damit vor allem Thanos Petsos. Der fehlerhafte Grieche, vor einem Jahr als Neuzugang noch der beste Rapidler, kämpft schon länger mit seiner Form. Sein Bestwert von 118 Ballkontakten steht sinnbildlich für das aktuelle Probleme der Grünen: Ballbesitz schießt keine Tore.
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