Letztes Update am 08.07.2012, 21:21
Unwetter am Schwarzen Meer: 170 Tote.
Sieben Meter hohe Wellen in der russischen Urlaubsregion Krasnodar. Viele Opfer wurden im Schlaf überrascht. Die Behörden hätten zu spät reagiert, wird kritisiert.
Katastrophe im Feriengebiet: Bei den schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten in der südrussischen Urlaubsregion Krasnodar am Schwarzen Meer sind mehr als 140 Menschen ums Leben gekommen.
Russlands Präsident Wladimir Putin ist zu einer Krisensitzung im Katastrophengebiet eingetroffen. Er hat Ermittlungen angekündigt. Es werde untersucht, ob die Behörden die Bevölkerung früh genug gewarnt hätten, so der Politiker.
Eine Bewohnerin der Stadt Krimsk sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Behörden hätten keine Warnung ausgegeben, das Unglück sei völlig überraschend gekommen. "Das Wasser stieg sehr schnell, die Erdgeschosse wurden in fünf bis zehn Minuten überflutet, das Wasser riss Bordsteinkanten weg und sogar Stücke vom Asphalt", berichtete sie.
Nach fast zweitägigem Dauerregen überflutete Hochwasser etwa 5000 Häuser, rund 22.000 Menschen waren ohne Strom.
Mehr als 1500 Rettungskräfte waren im Dauereinsatz. Die Polizei verstärkte die Präsenz in der Region, um Plünderungen zu verhindern.
In mehreren Städten wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Bahngleise und Straßen seien unterspült oder von Schlamm überdeckt und unpassierbar, hieß es. Die Armee stellte Speziallastwagen und Hebekräne bereit.
Augenzeugen berichteten von rund sieben Meter hohen Wellen. Zahlreiche Bewohner überraschte das Unwetter im Schlaf. Vor allem für ältere Menschen gab es kein Entrinnen aus ihren Häusern, sie ertranken nachts qualvoll in den heranrollenden Fluten.
Sirenen blieben stumm, Radiodurchsagen gab es nicht, klagen Überlebende. "Viele haben trotz dringender Warnungen ihr Haus nicht verlassen", sagte hingegen ein Sprecher der Rettungskräfte.
Der schlimme Verdacht: Die Behörden hätten die Schleusen eines nahen Stausees geöffnet und das Hochwasser damit mitverursacht. Ermittler räumen zwar ein, dass Wasser abgelassen wurde. Dies sei aber nicht der Grund für die Überschwemmungen gewesen, sagen sie.
Das russische Staatsfernsehen zeigte, wie Bewohner sich in höhere Stockwerke flüchteten oder mit Schlauchbooten aus überschwemmten Häusern gerettet wurden. Zahlreiche Menschen harrten auf Dächern oder Bäumen aus.
Mehrere Autos wurden von den Fluten fortgerissen. Den Angaben zufolge fiel innerhalb weniger Stunden so viel Regen wie sonst im Monatsdurchschnitt.
Zudem hätten Sturzbäche aus dem angrenzenden Kaukasusgebirge das Gebiet überschwemmt. Experten schätzten den Sachschaden auf umgerechnet 250 Millionen Euro.
Die Region Krasnodar ist vergleichsweise wohlhabend und lebt von Landwirtschaft und Tourismus.
Mehrere Leichen mussten am Sonntag von Sicherheitskräften entfernt werden.
Die wirklichen Probleme würden erst beginnen, wenn das Wasser abgelaufen sei, kommentierte der Radiosender Echo Moskwy. "Dann stehen die Menschen vor ihren zerstörten Häusern und verwüsteten Feldern."
(APA/sho, mn, la)
Erstellt am 07.07.2012, 21:19