Letztes Update am 26.06.2012, 14:24
Europas Kiffer bauen selbst an.
Die EU-Drogenbeobachtungsstelle hat eruiert, dass bereits 78 Millionen EU-Bürger Cannabis konsumiert haben – und vornehmlich selbst anbauen.
Heute ist Welt-Drogentag – für die Europäische Drogenbeobachtungsstelle Anlass, sich genauer anzusehen, wie es sich mit dem Cannabis-Konsum in Europa verhält.
Eines scheint dabei ziemlich deutlich geworden zu sein: "Home grown is best", laute das Mantra von Europas Kiffern - "Importsubstitution" nennt sich dies dann im Fachjargon...
...daheim angebaut werde derzeit nämlich deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren – denn Europas Kiffer setzten zunehmend auf Cannabis-Eigenanbau.
Auch statistisches Material wurde zutage gefördert: So hat man herausgefunden, dass mehr als 78 Millionen Europäer (zwischen 15 und 64 Jahren) Cannabis mindestens einmal in ihrem Leben ausprobiert haben.
Etwa neun Millionen junge Europäer (zwischen 15 und 34 Jahren) haben Cannabis zudem im letzten Monat konsumiert. "Damit besteht ein beträchtlicher Markt, der sich zudem kräftig entwickelt", heißt es im Report der Lissaboner Institution.
Und der Markt wird nicht nur größer, er verändert sich auch zusehends: "Der Marktanteil von Cannabiskraut wächst europaweit, während der Anteil von Cannabisharz zurückgeht", zeigt die Analyse.
Dem Bericht zufolge unterscheidet sich der aktuelle europäische Cannabismarkt hinsichtlich Volumen und Komplexität zudem erheblich von jenem der 60er-Jahre.
Damals sei die Einfuhr hauptsächlich durch "Amateure und Enthusiasten" erfolgt - jetzt hätten die enormen Profite dazu geführt, dass die internationale Drogenmafia eingestiegen ist und das oft mit dem Kokainschmuggel verbindet.
"Eine der wichtigsten Entwicklungen des modernen Cannabismarktes ist einfach sein Größenwachstum", erläuterte EBDD-Direktor Wolfgang Götz. Cannabis könne man fast überall kaufen, 700 Tonnen würden in Europa pro Jahr beschlagnahmt.
Die beiden wichtigsten Produkte, die aus illegal angebautem Cannabis hergestellt werden, seien Cannabiskraut – vulgo Marihuana - und Cannabisharz, landläufig als Haschisch bekannt.
Diese ließen sich aber in zahlreiche Unterkategorien mit wechselnden Zusammensetzungen und Wirkungen aufgliedern. Zur Komplexität des heutigen Cannabismarktes stellt der Bericht trocken fest: "Es ist, als ob man den Alkoholkonsum untersucht, ohne zu unterscheiden, ob Bier, Wein oder Whisky getrunken wird."
Weiter heißt es: In Europa werde der lokale Anbau von Cannabiskraut nur durch den Zugang zu Strom und Wasser begrenzt. Häufig würden dabei auch noch ausgeklügelte Techniken zum Einsatz kommen – Hydrokultur wird dabei etwa explizit genannt...
Nach der Analyse für die 30 Länder, die der EBDD ihre Daten übermittelt haben, wird der Cannabiskonsum jetzt in zwei Dritteln Europas durch Krautprodukte dominiert - und im restlichen Drittel durch importiertes Harz. In zehn dieser Länder (Bulgarien, Tschechische Republik, Griechenland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Polen, Slowenien, Slowakei und Kroatien) wird Cannabis sogar zu 90 Prozent oder mehr als Kraut konsumiert.
Belgien, Dänemark, Niederlande, Finnland und Großbritannien hätten in den beiden Jahrzehnten einen steilen Anstieg im Volumen der inländischen Produktion von Cannabiskraut zu verzeichnen.
Warum dies so ist, lassen die Experten allerdings offen: Ob es sich um Resultat aus der Wirtschaftskrise – schließlich boomt ja auch bei anderen Produkten der Eigenanbau -, oder schlicht um eine Fokussierung auf bessere Qualität handelt, wurde nicht erhoben.
Aber, man darf laut Drogenbeobachtungsstelle beruhigt sein – denn die Behörde würden ja nicht untätig zusehen. "An Gegenmaßnahmen stehen viele Mittel inklusive nachrichtendienstlicher Methoden zur Verfügung", so die Experten.
(apa/ep)
Erstellt am 26.06.2012, 14:18