Sexismus-Debatte: Moderatorin muss sich Jacke anziehen
Der Vorfall, der sich bereits im Mai dieses Jahres ereignet hat, wirkt nicht nur extrem bizarr, sondern löste auch eine hitzige Debatte über Sexismus aus.
"Wir bekommen viele E-Mails"
Das Video, welches seit Monaten im Netz kursiert, zeigt die Moderatorin Liberté Chan während einer Wetter-Moderation für den Sender KTLA. Mitten unter ihrer Wettervorhersage wird die Chan unterbrochen. Ihr Co-Moderator Chris Burrous streckt seinen Arm ins Bild und reicht ihr eine graue Strickweste. Als die Moderatorin nach dem Grund für die Unterbrechung fragt, antwortet Burrous: "Wir bekommen viele E-Mails" - und deutet damit an, dass das Kleid nicht gut beim Publikum ankommt.
Verdutzt streift Chan daraufhin die Weste über ihr schwarzes Trägerkleid und stellt fest: "Ich sehe jetzt wie eine Bibliothekarin aus." Ihr Kollege findet genau das wunderbar: "Das geht doch. Wie eine Bibliothekarin, die zu einer Cocktailparty gegangen ist. Jeder hat heute Morgen eine Meinung zu deinem Kleid." Dann erklärt Chan noch, dass sie bei der Anprobe vor der Sendung zwar ein anderes Kleid angehabt hätte, dieses jedoch "nicht funktioniert habe".
Hier der Video-Mitschnitt der Sendung zum Nachsehen:
Video löst Shitstorm aus
Ebenso schnell wie das Video der absurden Szene, verbreitete sich unter dem Hashtag #sweatergate auch Kritik an der Vorgehensweise des TV-Senders im Netz. Die New York Times widmete der Frage, ob es sich bei der plötzlichen Kleiderverordnung um Sexismus handle einen ausführlichen Artikel und ging im Zuge dessen auch der Frage nach, ob es ein TV-Sender überhaupt nötig habe, dem Publikum derart hörig zu sein und devot zu agieren. Die US-amerikanische Fernsehmoderatorin und ehemalige Miss America Gretchen Carlson nahm das "Sweatergate" zum Anlass ein Video zu veröffentlichen, in dem sie zahllose Seherkommentare zu ihrem Outfits vorlas. Damit bewies sie, wie vordergründig die Optik von Moderatorinnen wahrgenommen und behandelt wird.
Chan selbst äußerte sich kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Videos in einem Blogbeitrag zu dem Vorfall. Die Empörung darüber könne sie nicht verstehen. Es sei ihr nicht befohlen worden die Jacke anzuziehen, es sei lediglich eine Meinung geäußert worden. Für sie sei das alles halb so wild. Außerdem habe sie sich über die Jahre ein dickes Fell zugelegt. Man müsse die Aktion mit Humor nehmen. "Es war nie unsere Absicht, jemanden zu beleidigen, so Chan.
Auch Burrous nahm Stellung. Er zeigte sich dabei einsichtiger und versuchte zu beschwichtigen. Er verstehe, warum manche Leute die Sache in den falschen Hals bekommen hätten.
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