Rihanna live in Wien: Weitgehend blutleer
Schon im Vorfeld des Wien-Konzertes gab es viel Kritik an Rihannas „Anti“-Show. Zu sparsam, hieß es, sei die. Zu kurz, zu gleichgültig dargeboten. Tatsächlich war auch das Konzert Dienstagabend in der Stadthalle über weite Strecken leblos und blutleer. Auch wenn die 28-Jährige betonte, welchen Spaß ihr der Auftritt machte, hatte man - zumindest für die ersten 70 Minuten - nie das Gefühl, dass sie mit ganzem Herzen und vollem Einsatz bei der Sache ist.
Das Programm war vorwiegend aus den Songs des jüngsten, weniger poppigen „Anti“-Albums zusammengesetzt. Hits wie „Umbrella“, die manche vielleicht lieber gehört hätten, quetschte Rihanna in die Zwischenräume, raffte sie wie eine Art Pflichtübung zu Medleys zusammen.
Auch die Vorab-Kritik an der optischen Ausgestaltung war berechtigt. Schon klar: Das Motto „Anti“ fordert einen anderen Zugang - einen Gegenentwurf zu dem Wettrüsten der Kolleginnen, die sich im Auftürmen von Theaterkulissen und dem Wagen von immer waghalsigeren Akrobatik-Stunts duellieren.
Rihanna fand diesen Zugang in einer spartanischen Bühne, die überall mit weißem Tuch umspannt war. Dazu gab es erstmal eine halbe Stunde lang nur weißes Licht, erst später punktweise psychedelisches Bunt. Ein paar Showgags sollten diese Sterilität brechen. Etwa eine durchsichtige Schwebe-Brücke, oder aufblasbare Gebilde, die wie monströse weiße Insekten-Puppen aussahen. Dazu am Schluss eine Wand aus Schaum am Bühnenhintergrund. Alles sehr trashig. Anti eben. Aber ohne Zusammenhang und/oder Bezug zu den Songs billig anstatt cool. Und kein bisschen dazu angetan, das Feeling der Songs zu intensivieren.
Lustlos
Aber gut, viel zu intensivieren war da ohnehin nicht. Es gab viel rhythmisches Gestampfe, wenige tolle Pop-Melodien und eine Sängerin, die zwar eine prächtige, charakterstarke Stimme hat, sie aber vielfach lustlos einsetzt. Häufig verließ sich Rihanna auf Einspielungen, doppelte nur gelegentlich mit Live-Gesang, was von der Konserve zu hören war. Lieber wackelte und wedelte sie mit den Armen. Und noch lieber mit dem Hinterteil. Ihrem plump-suggestiven Tanzstil mangelt es nach wie vor an Eleganz und Grazie.
So wurde das „Anti“-Konzert in der Stadthalle erst gegen Schluss gut, als zuerst drei Tänzer eine sensationelle Einlage lieferten und Rihanna endlich richtig zu singen begann. Beim akustischen „FourFiveSeconds“, bei „Diamonds“ und zwei bluesigen, souligen Songs vom „Anti“-Album zeigte sie dann doch noch, wie viel Seele und Herz sie in ihre Stimme legen kann, wenn sie sich mal vom Disco-Einheitsbrei frei macht. Leider viel zu spät.
KURIER-Wertung:
Kommentare