Wiener Hausärzte werden wieder wichtig

Ein Arzt spricht mit einem Patienten, der seine Hand an die Stirn hält.
Nach monatelanger Auseinandersetzung einigen sich Stadt, Ärzte und Krankenkasse auf neues Versorgungsmodell.

Das Chaos in den Spitalsambulanzen während der Grippewelle hat den dringenden Bedarf nach Verbesserungen in der Primärversorgung einmal mehr verdeutlicht. 300 Kassen-Planstellen fehlen allein in Wien, meint man bei der Ärztekammer. Seit gestern, Dienstag, fühlt man sich jedoch „im Rathaus gehört“. Denn zumindest für den niedergelassenen Bereich konnten Stadt, Ärzte und Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) nun eine Einigung erzielen. Die allgemeinmedizinische und fachärztliche Versorgung wird auf neue Füße gestellt. Bis Ende März soll ein Modell erarbeitet werden, bis Sommer ein Gesamtkonzept vorliegen.

Es geht um längere Öffnungszeiten durch mehr Kooperation: Dafür will die Stadt Hausärzte aufwerten. Die können künftig zusätzliche Leistungen erbringen und auch mehr verdienen.

Einer wesentlicher Punkt des neuen Wiener Modells: Niedergelassene Allgemeinmediziner sollen künftig vermehrt zusammenarbeiten, Ärzte-Netzwerke forciert werden. Dafür wird die Möglichkeit geschaffen, dass Vertragsgruppenpraxen in das Modell von Primärversorgungszentren nach dem Vorbild in Mariahilf – ein zweites Zentrum beim Donauspital startet im Herbst – wechseln können.

Netzwerke forcieren

Außerdem wird ein Pilotprojekt für ein Einzelordinationsnetzwerk konzipiert. Teilnehmende Hausärzte bleiben also in ihrer jetzigen Ordination, organisieren sich aber als eine Art dezentrale Gruppenpraxis in der Größenordnung von mindestens drei oder vier Medizinern.

Eine Frau spricht in ein Mikrofon vor einem roten Hintergrund.
Kurier-Tag 2015, Kurier Tag 2015, Lesertag 2015, Leser-Tag 2015, Leser Tag 2015, Tag der offenen Tür 2015
Der Vorteil aus Patientensicht: Medizinische Versorgung in Wohnortnähe. Und die Öffnungszeiten können auf Tagesrandzeiten – also etwa auf den Abend – ausgedehnt werden. Hier sei durchaus angedacht, entsprechende Vorgaben zu machen, sagt ein Sprecher von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ( SPÖ). Die konkrete Lösung ist aber noch offen. Sie könnte sich aber an den 50 Wochenstunden, wie bei den Zentren Mariahilf und Donaustadt, orientieren.

Zudem werden Physiotherapeuten, Ernährungsberater oder Psychotherapeuten ebenfalls in das dezentrale Netzwerk integriert. Verpflichtende Ordinationszeiten am Wochenende dürfte es weiterhin nicht geben. Die Akutversorgung an den Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht erfolgt verstärkt über den Ärztefunkdienst.
Die Angebotspalette der Hausärzte soll ebenfalls erweitert werden. So könnten auch Tätigkeiten durchgeführt werden, für die es derzeit eventuell noch einen Facharzt braucht. Hier sind allerdings noch Verhandlungen nötig.

Freude bei der Ärztekammer

Fest steht bereits, dass die Allgemeinmediziner, die an das System andocken, mehr verdienen werden.

Ein Mann mit Brille gestikuliert vor Mikrofonen.
Der Vizepraesident der oesterreichischen Aerztekammer und Obmann Bundeskurie Niedergelassene Aerzte, Johannes Steinhart, spricht am Mittwoch (21.11.12) in Wien bei einer Pressekonferenz zur geplanten Gesundheitsreform der Bundesregierung. Im Gesundheitswesen sollen 3,4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016 eingespart werden. Foto: Hans Punz/dapd
Das freut die Ärztekammer, die sich prinzipiell mit der Einigung zufrieden zeigt. Neben der Abgeltung des höheren Arbeitsaufwands der Ärzte hat für Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassener Ärzte und Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, die Einhaltung des Zeitplans oberste Priorität.

Dieser sieht vor, dass es auch eine Neuaufstellung des niedergelassenen Fachärztebereichs geben wird. Hier sollen bis Ende Juni Ergebnisse vorliegen.
Anders als bei den Hausärzten sind im Bereich der niedergelassenen Kinderfachärzte auch Wochenenddienste geplant. Diese waren zuletzt infolge von überfüllten Spitalsambulanzen von mehreren Seiten gefordert worden. „Die Behandlung von akuten Fällen an den Wochenenden und Feiertagen soll in Zukunft in größeren Gruppenpraxen im niedergelassenen Bereich erfolgen“, stellt WGKK-Obfrau Ingrid Reischl klar.

Offen sind auch noch die Finanzierung bzw. die Gesamtkosten des Gesamtpakets.

Kommentare