Letztes Update am 11.06.2012, 21:00
"My dress is not a yes": Slutmob in Wien.
"achtung°liebe" Wien, ein Sexualaufklärungsprojekt für Jugendliche, setzte am Stephansplatz ein Zeichen: Gegen sexualisierte Gewalt und für mehr Respekt.
Kein Opfer sexueller Belästigung ist "selbst schuld". Die Aussage eines amerikanischen Polizisten aus dem Jahr 2011, Frauen sollten sich nicht kleiden wie Prostituierte, um nicht Opfer von sexueller Gewalt zu werden, inspirierte Aktivistinnen des Aufklärungsprojekts "achtung°liebe" zu einem "Slutmob", der Montag Nachmittag am Wiener Stephansplatz stattfand.
Gegen 16 Uhr versammelten sich die Aktivisten, zuerst noch in schwarze Mäntel und Tücher gehüllt, vor dem Stephansdom.
Auf ein Zeichen hin ließen sie die Hüllen fallen und zeigten sich der Zuschauermenge teils fast nackt, teils in aufreizenden Outfits.
Die Aktion solle zeigen, dass sich junge Frauen, aber auch Männer, anziehen können wie sie wollen, ohne sich dabei selbst zum Opfer zu machen, so die Flashmob-Organisatoren.
Durch Plakate mit Sprüchen wie "I am allowed to say no" und mit dem im Chor gerufenen Satz "my dress is not a yes” zogen die "Slutmob"-Teilnehmer sämtliche Blicke auf sich.
"Auch wenn nicht so viele Teilnehmer da waren wie erwartet, haben wir unser Ziel – Aufmerksamkeit für unser Anliegen zu kreieren – definitiv erreicht", gibt sich Organisatorin Selva Wagner zufrieden.
Facebook-Kommentare zur Veranstaltung wie "Selbst schuld, wenn sie kurzen Rock und bauchfrei herumläuft...oder hat ein Mann jemals eine Frau vergewaltigt, die mit einem Kopftuch oder bedeckt herumläuft?" sind Selva Wagner zwar ein Dorn im Auge, "aber sie zeigen auch, wie wichtig es ist, dieses Thema an die Öffentlichkeit zu bringen". Ihre High-Heels wird sie auf keinen Fall zum "Selbstschutz" ausziehen.
(kurier/Marlene Kladnik)
Erstellt am 11.06.2012, 20:15