Turbulenzen bei Privatbanken
Diskret – so geht es in der Welt der Private Banker zu. Ihnen ist die Diskretion derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie auch über Turbulenzen und Umbrüche in ihrer Branche nur hinter vorgehaltener Hand reden. Der KURIER hat dennoch einige Neuigkeiten erfahren: Bei der Semper Constantia Privatbank ändert sich der Eigentümerkreis. Und die Österreich-Tochter der Schweizer Bank Vontobel steht zum Verkauf.
Die Semper Constantia Privatbank gehört – noch – einigen Investoren rund um den Bautycoon Hans Peter Haselsteiner, den Chemie-Industriellen Alain de Krassny und den Sanierer Erhard Grossnigg. Alain de Krassny will aussteigen und seinen Anteil verkaufen. Die Zielstruktur: 60 Prozent sollen Haselsteiner und Grossnigg halten, 40 Prozent fünf weitere Industrielle. Das alles wurde am Freitag der Finanzmarktaufsicht (FMA) bekannt gegeben. Von deren Zustimmung hängt es ab, ob die Anteile auch wirklich den Besitzer wechseln können. Auf das warten unter anderen bereits: Der Rankweiler Industrielle Roman Rauch, der schon einen kleinen Anteil an Semper hält, der Siemens-Boss Peter Löscher und der Industrielle Peter Planegger.
Vontobel
Vor allem die großen Banken in Europa sind gerade gezwungen, ihr Eigenkapital zu erhöhen. Unrentables wird abgestoßen. Das soll auch mit ein Grund sein, warum die Schweizer Bank Vontobel einen Abnehmer für ihr Österreich-Geschäft sucht. In der Branche wird erzählt, dass man hier noch nie Gewinne erzielen konnte. Als Kaufinteressenten werden genannt: Julius Bär, die Liechtensteinische Landesbank, Valartis sowie die Semper Constantia. "Das will ich nicht ausschließen", gibt sich Semper-Vorstand Helmut Urban sehr diskret.
Vontobel-Manager Marcel Landesmann, verantwortlich für das Private Banking der Schweizer in Wien, wird dann nicht mehr mit an Bord sein. Er wechselt zum Bankhaus Gutmann. Auch in Salzburg soll der Bank Vontobel ein wichtiger Manager abhandenkommen.
"Ja, Landesmann ist ab September bei uns", bestätigt Matthias Albert, Partner und Vorstandsmitglied der Bank Gutmann. Wird reiche Kundschaft vielleicht ebenfalls die Bank wechseln? "Die haben meist mehrere Bankbeziehungen. Aber wenn man sich in Bewegung setzt, werden sich das vielleicht auch ein paar Kunden überlegen", so Albert. Die österreichische Vontobel kaufen will Gutmann (verwaltet Kundengelder in Höhe von 14,4 Milliarden Euro) jedenfalls nicht. "Es bringt uns keinen Nutzen, eine Bank zu kaufen. Eine Bank kauft, wer noch keine hat."
Von den in der Schweiz gebunkerten österreichischen Vermögen erwartet sich die Branche nicht allzu viel. Es wäre zwar nicht abschätzbar, was da wirklich nach Österreich zurückfließe. Enorm werden die Beträge allerdings nicht sein, ist zu hören.
Geldflüsse
Den Druck auf die Margen in der Branche werden auch üppige Geldflüsse aus der Schweiz nicht lindern können. In Zeiten mit Turbulenzen an den Aktienbörsen und minimalen Erträgen bei sicheren Staatsanleihen wird der Druck eher noch zunehmen und die Konsolidierung der Branche vorantreiben.
Neben der Vermögensverwaltung zählen auch Stiftungsgründungen oder Immobilienservices zu den Geschäftsfeldern der Privatbanken. Ein Veranlagungsvermögen von mindestens 100.000 Euro ist meist Voraussetzung, um Private Banking-Kunde zu werden.
Fekter pocht auf das Bankgeheimnis
Seit Monaten blockieren Österreich und Luxemburg die Verhandlungen der EU mit Drittstaaten zur Zinsbesteuerung. Sie befürchten, dass mit einer Erweiterung der Zinsbesteuerung von Ausländern auch der automatische Austausch von Bankdaten kommt – und damit das Aus für das Bankgeheimnis. Bislang hat die Blockade funktioniert – doch der Druck steigt. Beim Rat der Finanzminister am Dienstag stand das Thema wieder auf der Tagesordnung, EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta soll dabei laut geworden sein – genützt hat es ihm nichts.
"Wir können nicht akzeptieren, dass es zu einem automatischen Datenaustausch kommt", sagte Finanzministerin Maria Fekter nach dem Rat. "Wir pochen aufs Bankgeheimnis."
Die Kritik, Österreich sei nach wie vor eine Oase für Steuersünder und Geldwäscher, wies Fekter strikt zurück und verwies auf die Zusammenarbeit mit der Schweiz: "Hier haben wir ein Abkommen, wo unter Beibehaltung des Bankgeheimnisses eine effiziente Besteuerung der Zinsen ermöglicht wird." Ähnliches würde sie sich für ganz Europa wünschen.
Bislang hebt Österreich von ausländischen Sparern eine Quellensteuer auf die Zinsen ein – und überweist diese (abzüglich einer Bearbeitungsgebühr) an den Heimatstaat. Die Richtlinie zur Zinsbesteuerung soll im Juni auf die Agenda beim Rat der Regierungschefs. Dann liegt es an Kanzler Faymann, das Bankgeheimnis zu verteidigen.
Geeinigt haben sich die EU-Finanzminister auf neue Eigenkapitalvorschriften für Banken. Demnach können die Mitgliedstaaten je nach Einschätzung der Marktrisiken von ihren Banken ein höheres Eigenkapital verlangen als die Mindestvorgaben vorsehen. Die nationalen Eigenkapitalaufschläge dürfen bis zu fünf Prozent betragen. Othmar Karas, Vizepräsident des EU-Parlaments hält die nationalen Spielräume für zu groß.
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