Stadt Wien: Dubioser Garagen-Verkauf
Die Ausgangslage? War durchaus angenehm. Wer einen Geschäftsanteil veräußern möchte und über mehrere potente Interessenten verfügt, der lehnt sich in der Regel entspannt zurück und verkauft am Ende an den Bestbieter.
Es geht aber auch anders, wie die Wiener Stadtwerke Holding AG beim Verkauf der WIPARK-Garagen in Ungarn unter Beweis stellte. Die insgesamt vier Garagen gingen 2010 an die Wiener Immobilieninvestmentfirma List, die 3,2 Millionen geboten hatte. Dabei hätte die Wien-Holding mehr als das Doppelte herausholen können. Dies geht aus Unterlagen hervor, die dem KURIER vorliegen. Dennoch wurden höhere Angebote ausgeschlagen und womöglich Millionen liegen gelassen.
Warum? Eine Frage, die auch den Steuerzahler interessieren dürfte.
Vorgeschichte
Im April 2009 erwerben die Wiener Stadtwerke über ihre Tochter Städtische Parkraummanagement GmbH die WIPARK Garagen AG mit Sitz in Wien. 10.600 Stellplätze an 30 Standorten allein in Österreich. Kaufpreis des Gesamtpakets (inklusive Ungarn): Rund 120 Millionen Euro. Bald darauf soll die ungarische Beteiligung abgestoßen werden, um die österreichischen Liegenschaften zu finanzieren.
Laut Aufsichtsratsprotokoll vom September 2009 sind diverse österreichische sowie internationale Investoren an der Budapest-Beteiligung interessiert. Tenor: Es werde intensiv verhandelt. Tatsächlich bleiben am Ende drei ernst zu nehmende Bieter übrig.
In der Aufsichtsratssitzung vom 17. Juni 2010 wird schriftlich festgehalten: Die Wiener Firma List offeriert "3,2 Millionen" Euro für die Garagen in Budapest; das Konsortium rund um die Erste wirft "3,5 Millionen" in die Waagschale. Und der ungarische Immobilienkonzern First Fund ist bereit, "7 Millionen" auf den Tisch zu legen (siehe Faksimile).
Den Zuschlag erhält dennoch List-Immobilien. Dem Vernehmen nach lag der tatsächliche Kaufpreis dann sogar deutlich unter dem offiziellen Angebot – bei nur 2,7 Millionen Euro.
Die Ungarn von First Fund bleiben auf der Strecke, obwohl sie ohne Wenn und Aber mehr als das Doppelte geboten haben.
Erklärungsversuche
Fest steht: Eine Beteiligungsmanagerin der Wiener Stadtwerke deutete in einer Aufsichtsratssitzung vom März 2010 vage an, "dass seitens des ungarischen Vertreters diverse Kommunikationsschwierigkeiten aufgetreten sind".
Feststeht aber auch, dass im Juni 2010 die drei Offerte vorlagen. Die Ungarn wollten sieben Millionen Euro zahlen. Ohne weitere Verhandlungen.
Warum verzichtete die Stadt Wien auf Millionen? Was sagt Stadtwerke-Generaldirektorin Gabriele Payr dazu, die als Aufsichtsratschefin letztlich auch den WIPARK-Verkauf abgenickt hat? Payr ließ sich trotz wiederholter Anfrage nicht zu einer Stellungnahme bewegen. Immerhin meldete sich Tage nach der ersten Anfrage ein unruhig wirkender Konzernsprecher. Er meinte: "Die Ungarn waren nicht seriös genug. Ihr Angebot war unverbindlich." Worin genau sich dieses Unseriöse der Ungarn äußerte, das konnte bzw. wollte der Sprecher nicht konkret erklären.
Immerhin gab er zu, dass der Verkaufspreis an List dann doch noch um einiges unter dem Angebotswert lag. "Unter drei Millionen Euro. Aber für uns war es trotzdem ein gutes Geschäft."
Verflechtungen
Interessant erscheinen jedenfalls die personellen Verflechtungen. Als Leiter der WIPARK-Garagen fungiert Werner Böhm. Er war einst Vizedirektor bei Wiener Wohnen, damit der engste Mitarbeiter von Gabriele Payr – die heutige Holding-Generaldirektorin war von 2000 bis 2003 die Herrin im Hause Wiener Wohnen.
Böhm, aktuell übrigens auch Geschäftsführer der Städtischen Parkraummanagement GmbH, war als Wiener-Wohnen-Vize auch zuständig für Projekte der List-Group, die am Immobilien- und Garagensektor in Wien kräftig mitmischt.
Könnten diese Vernetzungen der Grund für ein Schnäppchen sein, das die Wiener Firma List mit den ungarischen WIPARK-Garagen machen durfte?
Generaldirektorin Payr verweigerte auch dazu jeden Kommentar. Ihr Sprecher meinte knapp: "Nein, personelle Verflechtungen spielten absolut keine Rolle."
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