Reiter: "Koller ist die perfekte Lösung"
Stefan Reiter ist der Mann hinter dem Rieder Fußballwunder. Im KURIER-Interview spricht der 50-jährige Manager aus dem Innviertel Klartext.
KURIER: Sie haben nach dem Cupsieg sieben Stammspieler verloren und Rapid im Cup trotzdem wieder rausgeworfen. Am Samstag kann Ried Rapid in der Tabelle überholen, obwohl das Budget nur einen Bruchteil ausmacht. Wie schafft das Ried?
Stefan Reiter: Bis auf Glasner, Royer und Mader waren alle Abgänge eingeplant, um Platz zu schaffen für aufstrebende Spieler wie Reifeltshammer. Generell erkundigen wir uns über alle Spieler zwischen 18 und 25 Jahren. Wir beobachten die Amateurteams der Großen genau, weil dort die Besten zu holen sind. Alle Jungen sind anders als noch vor zehn Jahren sehr gut ausgebildet. Es würde bei Salzburg, Austria, Rapid und Sturm mit den Jungen auch funktionieren, wenn man es kann und wirklich will. Der Unterschied ist: Wir trauen uns auch, sie spielen zu lassen.
Wie suchen Sie die Neuen konkret aus?
Wenn einer bei den Verhandlungen sagt, ich möchte in zehn Jahren auch noch da spielen, ehrt ihn das. Aber ich weiß, dass es nix wird. Die wichtigen Parameter sind der Wille und die Perspektive des Spielers. Er muss sagen, dass er in zwei Jahren zu einem Großen in Österreich will. Und bei Rapid müsste den Spielern vorgegeben werden, dass sie ins Team und in zwei Jahren nach Deutschland verkauft werden wollen. Sonst kann er ja gleich in Ried bleiben.
Ried hat vor drei Jahren als Erster verstärkt auf Spanier gesetzt. Warum?
Junuzovic, Stankovic und Hölzl waren damals unsere Wunschspieler. Aber bei Österreichern mit Erfahrung und Qualität zwischen 23 und 28 Jahren können wir finanziell nicht mithalten.
Wie sind Sie auf die unbekannten Spanier gekommen?
Mit osteuropäischen Legionären hatten wir schlechte Erfahrungen. In der dritten deutschen Liga gäbe es viel Qualität, aber die schauen auf Österreich herab. Unser Co-Trainer Gerhard Schweitzer bekam dann bei seiner Hospitation in Valencia den Tipp, Spiele der dritten Liga zu beobachten. Es war mehr als beeindruckt von der gebotenen Qualität.
Wie hätten Sie Paul Gludovatz, der als Teamchef gehandelt wurde, ersetzt?
Wir hatten einen klaren Plan B: Schweitzer und Angerschmid, die ja viel mehr tun als Hütchen aufzustellen, wären aufgerückt.
Wie erklären Sie die Spitzen von Gludovatz gegen "Facebook-Trainer" und seine "zu niedrigen Gehaltsvorstellungen" nach der Teamchef-Entscheidung?
Gludovatz will immer lustig und ironisch sein. Das wird, wie bei diesen Äußerungen, oft falsch verstanden. Paul weiß aber auch, dass er da nicht gut rüberkommt.
Was halten Sie vom neuen Teamchef
Marcel Koller?
Marcel Koller ist für mich die perfekte Lösung, obwohl ich selbst nicht auf ihn gekommen wäre. Jetzt, wo ich mich genau über ihn informiert habe, sage ich: Genau so einen Trainer will ich in der heutigen Zeit haben.
Passt Gludovatz also nicht mehr perfekt nach Ried?
Es ist ja schon ein paar Jahre her, dass wir Paul ausgesucht haben (lacht). Es ist klar: So einen wie Gludovatz gibt es sonst nicht, aber Typen wie Koller verkörpern schon auch einen anderen Zugang zum Fußball.
Stimmen Sie Gludovatz zu, dass Ried letzte Saison Meister hätte werden können, wenn im Winter zwei Neue gekommen wären?
Ja, wir hatten als Herbstmeister eine historische Chance, aber kein Geld für Verstärkungen. Mit so viel Risiko investieren darf man nur, wenn es gegen den Abstieg geht. Weil wir nach einem Abstieg wahrscheinlich ganz pleite wären.
Nachdem Sie vor einem Jahr dem Rapidler Vennegoor vorwarfen, er hätte Lexa absichtlich verletzt, meinte Peter Pacult, "Reiter hat zu viel Rieder Weißbier erwischt". Hat es seither eine Aussprache gegeben?
Nein, aber ich schätze Pacult trotzdem. Er hat da nur etwas vertauscht: Als wir in Ried zusammengesessen sind, hatte er einige Weißbier getrunken und ich keines.
Haben Sie in Ried bei Ihren Entscheidungen freie Hand?
Ich habe mein Budget und meine Linie, da gibt es keine Kompromisse. Es ist klar, dass der Trainer mit neuen Spielern auch zufrieden sein muss. Aber wenn das Präsidium sagt, den nehmen wir nicht, weil er die falsche Augenfarbe hat, bin ich weg.
Hatten Sie Angebote von Liga-Konkurrenten?
Ja, immer wieder. Aber ich bin ein echter Rieder und habe in der Nähe des Stadions ein Haus gebaut. Das Konzept seit dem Wiederaufstieg ist ja meines, da hängt man dann dran. Wobei mich so ein Wechsel manchmal schon reizen würde.
Wann denn genau?
Wenn ich höre 'Naja, in Ried kann er das halt machen'. Warum gerade in Ried? Wenn wir das Budget der
Großklubs hätten, wäre Ried zu 100 Prozent Meister. Das ist für mich ganz klar.
Wie lange sind Sie in Ried vertraglich gebunden?
Gar nicht. Wenn ich einen Blödsinn mache, bin ich mit meinem ASVG-Vertrag am nächsten Tag weg. Es ist für mich moralisch nicht vertretbar, wenn Manager zwei Jahre lang nachgezahlt werden müssen.
-
Hauptartikel
-
Hintergrund
-
Kommentar
Kommentare