Müller: "Red Bull nimmt uns jetzt mehr als ernst"

Porträt eines Mannes mittleren Alters mit grauen Haaren und Bart vor einem grünen Hintergrund.
Der Rapid-Sportdirektor spricht über die Saisonziele, Konkurrent Salzburg und Transfers.

Nach seinem Urlaub hat sich Andreas Müller der Einserfrage gestellt: Mit dem Verkauf von Marko Maric und der Verpflichtung von Richard Strebinger soll Kontinuität im Tor einziehen – und außerdem wurde noch ein kleiner Gewinn erzielt. Die großen Ziele und Herausforderungen in der kommenden Saison erklärt der Rapid-Sportdirektor im KURIER-Gespräch.

Der 52-jährige Deutsche über ...

... die offiziellen Saisonziele: „Erstens in eine Europacup-Gruppenphase kommen. Dafür haben wir auch den Kader verbreitert. Zweitens der Einzug ins Cupfinale. Und drittens mehr Punkte machen als die 67 in der vergangenen Saison. 2014 gab es 62. Bis zum Sommer 2016 ist die nächste Steigerung drinnen.“

... das Fehlen des Zieles „ Meistertitel“: „Ich warne vor übertriebener Euphorie. Fast immer werden die Klubs mit dem meisten Geld Meister. Und das ist in Österreich mit großem Abstand Salzburg. Es wäre Humbug, jetzt eine Kampfansage rauszuhauen. Aber wenn wir uns weiter steigern und es reicht für den Titel, ist das natürlich perfekt.“

... den Kampf um den Verbleib von Beric und Schobesberger: „Wenn Leistungen so explodieren, ist es üblich, Vertragsverlängerungen mit einer Aufbesserung anzubieten. Wir wollen beide belohnen, die genauen wirtschaftlichen Möglichkeiten ergeben sich aber erst, wenn wir es in eine Europacup-Gruppenphase schaffen. Ansonsten gilt: Wir verkaufen sie nur, wenn wir mit Geld erschlagen werden.“

... den Transfer von Amateurspieler Philipp Lienhart um 800.000 Euro zu Real Madrid: „Wir haben die verspätet gezogene Kaufoption von Real akzeptiert. Was soll ich denn einem Jungen, den Real will, sonst noch sagen? Offiziell wird es, wenn er diese Woche den Vertrag in Madrid unterschreibt. Der Transfer ist eine Auszeichnung für Rapid und all unsere Trainer, die ihn ausgebildet haben.“

... den Wechsel von Nachwuchs-Talent Sobczyk zu Liefering: „Das tut weh. Er ist 18, war schon als Einserstürmer bei Rapid II eingeplant und hat ein sehr wertschätzendes Vertragsangebot abgelehnt. Sein Transfer bestätigt: Red Bull nimmt uns jetzt mehr als ernst. Gerade bei unseren größten Talenten sind sie sehr aktiv dahinter her.“

... die Schwächung nach dem Abgang von Rapid-II-Stützen wie Haring, Weinwurm oder Schoissengeyr: "Wir haben entschieden, dass Rapid II noch stärker als Ausbildungsmannschaft für unsere Profis fungieren soll. Für Leistungsträger wie Weinwurm oder Schoissengeyr war bei den Profis kein Platz, sie sind aber in einem Alter, wo sie den nächsten Schritt machen wollten. Haring wollten wir gerne als Führungsfigur bei Rapid II halten, er sieht sich aber selbst als Bundesliga-Spieler. Wir werden also mit einem verjüngten Team starten, bei dem sich andere Talente entfalten und Verantwortung übernehmen können. Zusätzlich soll es aber noch ein, zwei Verstärkungen geben."

... den vergrößerten Profi-Kader: „Wenn wir unsere Ziele erreichen, haben wir mindestens 50 Spiele. Dann werden alle ihre Einsätze bekommen. Aber es wird mehr Unzufriedene geben als bisher. Ich sehe es als eine Hauptaufgabe der Trainer, dass der Teamspirit so außergewöhnlich bleibt. Diesen Zusammenhalt werden wir brauchen.“

... unzufriedene Reservisten wie Schimpelsberger und Wydra: „Bei Wydra hat es sich bei den Interessenten nicht so entwickelt, wie er und sein Manager das erhofft haben. Auch Schimpelsberger sagen wir nicht: ’Du musst weg’. Jeder kann noch beweisen, dass es ein Fehler ist, nicht aufgestellt zu werden. Oder etwas anderes suchen. Was ich gar nicht mag, ist das Jammern. Beim täglichen Quälen trennt sich die Spreu vom Weizen.“

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