"Nuit debout": Wieder Randale in Paris
Am Rande der Proteste der Bewegung "Nuit debout" in Paris ist es am Donnerstagabend erneut zu Ausschreitungen gekommen. Hunderte Jugendliche seien durch die Straßen gezogen und hätten Schaufensterscheiben eingeschlagen und Geschäfte geplündert, teilte die Polizei mit. Rund 20 Menschen seien festgenommen worden. Auch am Place de la Republique selbst, dem eigentlichen Ort der Proteste, schleuderten Aktivisten Wurfgeschoße auf Polizisten. Die Polizei setzte dort Tränengas ein. Laut Polizeiangaben wurden vier Demonstranten verletzt. Bereits seit zwei Wochen treffen sich jeden Abend unter dem Motto "Nuit debout" ("Nacht im Stehen" oder "Die Nacht über wach"') hunderte Demonstranten auf dem Place de la Republique, um gegen eine geplante Reform des Arbeitsrechts und für mehr soziale Gerechtigkeit zu protestieren.
Untertags hatte der unter miserablen Umfragewerten leidende Präsident François Hollande noch seine Reformen verteidigt. Er habe das Land in den vergangenen vier Jahren modernisiert und dabei das Sozialmodell bewahrt, sagte Hollande am Donnerstagabend im Fernsehen. Er werde bis zu seinem letzten Tag im Amt an Reformen arbeiten. "Ja, es geht besser: es gibt mehr Wachstum, ein niedrigeres Defizit, weniger Steuern, höhere Margen für die Unternehmen, mehr Kaufkraft für die Arbeitnehmer. Deshalb werde ich bis zum Schluss weitermachen", sagte er im Sender France 2. Der Sozialist ist angesichts von schwachem Wirtschaftswachstum und Rekordarbeitslosigkeit so unbeliebt wie kein anderer Präsident vor ihm in der jüngeren französischen Geschichte. Drei Viertel der Franzosen wollen, dass Hollande auf eine Wiederkandidatur im Frühjahr 2017 verzichtet, wie eine am Donnerstag in der Tageszeitung "Le Parisien" veröffentlichte Umfrage ergab. Ob er noch einmal antreten will, hat Hollande noch nicht entschieden.
An seiner umstrittenen Arbeitsrechtsreform hält er fest. Im Zuge des parlamentarischen Verfahrens könne es aber "Korrekturen" geben, sagte er. Gleichzeitig zeigte er Verständnis für die Proteste vor allem junger Franzosen. "Auch ich war 20 Jahre alt und habe mich einer Bewegung angeschlossen, weil es Ungerechtigkeiten gab", sagte er. Es sei "legitim", dass sich die Jugendlichen zu Wort meldeten, sagte er mit Blick auf die Bewegung Nuit debout.
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