Kim Jong-un ließ mächtigen Onkel verhaften

Jang Song Thaek, einst Mentor seines Neffen, soll "kriminelle" Handlungen" begangen haben.

Jetzt gibt es die Bestätigung durch das Regime in Pjöngjang: Der in Ungnade gefallene Onkel des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, Jang Song-thaek, ist festgenommen worden. In den Nachrichten habe das nordkoreanische Staatsfernsehen gezeigt, wie der einst einflussreiche Jang nach der Teilnahme an einer Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei am Sonntag von zwei Soldaten abgeführt wurde.

TV-Übertragung

Zuvor war mitgeteilt worden, dass er aus allen Ämtern entlassen wurde. In einer Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA hieß es, Jang Song Thaek sei wegen "krimineller" Handlungen und "konterrevolutionärer" Umtriebe seiner Posten enthoben worden. "Jang Song Thaek und seine Gefolgsleute haben kriminelle Handlungen begangen, die die Vorstellungskraft übersteigen, und sie haben unserer Partei und der Revolution enorme Schäden zugefügt", heißt es in dem Bericht.

Es sei äußerst ungewöhnlich, dass Nordkorea im Zuge der Entmachtung hochrangiger Funktionäre auch deren Festnahme zeige, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS am Montag. Nach Meinung von Beobachtern soll die Veröffentlichung der Bilder als Warnung nach innen dienen. Die nordkoreanischen Medien hatten zuvor gemeldet, dass Jang krimineller und konterrevolutionärer Machenschaften sowie eines ausschweifenden Lebensstils bezichtigt werde.

Graue Eminenz

Der Onkel des rund 30-jährigen Kim Jong-un galt lange Zeit als graue Eminenz des kommunistischen Regimes. Das Politbüro hatte den Angaben zufolge beschlossen, Jang von allen Ämtern zu entfernen und ihn von der Partei auszuschließen. Jang, der als Mentor von Kim Jong-un galt, war unter anderem Vizechef der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission.

Die Entmachtung wurde als größte Umwälzung in der nordkoreanischen Führung seit dem Tod von Kims Vater Ende 2011 gewertet. Beobachter mutmaßten damals, dass der noch junge neue Machthaber zunächst unter Jangs Aufsicht stehen solle. Jang führte in den vergangenen Jahren unter anderem die Verhandlungen mit dem traditionellen Verbündeten China.

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