Die Skistadt Wien - ein historischer Rückblick

Die Stadtadler fordern eine Sprungschanze für Wien, in Schönbrunn soll ein Weltcuprennen ausgetragen werden. Hat es alles schon gegeben.

Im Herbst 2013 tauchten erste Pläne auf, wonach in Wien auf dem Hügel vor der Gloriette in Schönbrunn bald ein Weltcup-Parallel-Riesentorlauf stattfinden könnte. Utopische Pläne? Was wenige wissen, die Stadt Wien kann auf eine lange Skitradition verweisen, sowohl nordisch, als auch alpin. Bereits im Jahre 1925 gab es zahlreiche "Skigebiete" in Wien: Auf der Himmelhofwiese in Hacking, Am Satzberg (13.), bei der Jubiläumswarte (16.), Heuberg, Schafberg sowie die Sophienalpe (17.), Michaelerberg (18.),  Hermannskogel, Kahlenberg und auch am Cobenzl. Apropos Cobenzl: Zwischen 1928 und 1943 gab es dort eine Sprungschanze. Im Jahr 1931  wurde eine internationale Skisprung-Konkurrenz veranstaltet, bei der fast 20.000 Zuschauer Sprünge bis zu 38 Metern zu sehen bekamen. Wien setzte aber auch im alpinen Bereich neue Maßstäbe: Am 26. November 1927 wurde mit dem "Eispalast" die erste Skihalle der Welt eröffnet. Untergebracht war die überdachte Attraktion in der aufgelassenen Bahnhofshalle des damaligen Nordwestbahnhofs. Dank Holzgerüst schaffte man das nötige Gefälle. Die Piste war 3000 Quadratmeter groß, eine Sprungschanze ermöglichte Weiten bis zu 20 Meter. Schlitten für die Rodelbahn konnten bereits mit einer elektrisch betriebenen Anlage hinaufgezogen werden. Skifahrer mussten zu Fuß den „Berg“ hinaufgehen. Der Kunstschnee wurde von einem englischen Chemiker aus Soda hergestellt. Die Halle wurde bei Einbruch der Dunkelheit sowie bei nebeligem Wetter auch bei Tag durch 25.000-Watt-Lampen beleuchtet. Geöffnet war die Anlage täglich von 10.00 bis 22.00 Uhr.
  Eine weitere Attraktion war die Sprungschanze am Himmelhof, die von 1948 bis 1980 in Betrieb war. Zwischen 1933 und 1949 gab es auch am Kasgraben eine Schanze, die sogenanne "Carsten-Dagfin-Schanze". Der Anlaufturm am Himmelhof war 10 Meter hoch, die Schanze selbst erlaubte Sprünge um die 40 Meter. In den 50er- und 60er Jahren war die Schanze von den schneereichen Wintern begünstigt. Der Besucherrekord wurde am 12. Jänner 1953 mit 20.000 Besuchern aufgestellt. Der Schanzenrekord lag bei 46 Metern. Er wurde allerdings erst 1978 aufgestellt. Im alpinen Bereich wurde die Hohe-Wand-Wiese zum Skigebiet der Wiener. Am 1. März 1966 eröffnete der damalige Bürgermeister Bruno Marek die neue Skipiste, die bereits damals über eine Schneekanone und eine Flutlichtanlage verfügte. Bald darauf gab es wieder eine Premiere: Bereits ein Jahr später wurde am 21. Februar 1967 der erste Parallelslalom der Skigeschichte in Wien ausgerichtet (Symbolbild). Über den Parallelslalom am 27. Jänner 1969 schrieb der KURIER: "10.000 Begeisterte harrten bis nahezu 22.30 Uhr nachts aus: Auf der Hohen-Wand-Wiese trug sich das größte skisportliche Ereignis zu, das Österreichs Bundeshauptstadt jemals erlebt hatte." (Symbolbild) 1986 schließlich wurde Wien zur Weltcupstadt: Am 6. Jänner 1986 fand ein Parallelslalom statt. Die gesamte Weltelite - allen voran Ingemar Stenmark (Bild) oder Marc Girardelli  - kam nach Wien und boten den mehr als 10.000 Zuschauern ein Flutlicht-Slalom Erlebnis, das in die Annalen der Wiener Sportgeschichte eingehen sollte. Den spannenden K.O.-Bewerb entschied der Italiener Ivano Edalini für sich. Zweiter wurde Markus Wasmeier (Bild). Dritter wurde Anton "Jimmy" Steiner. Vielleicht kommen die aktuellen Slalomstars bald wieder nach Schönbrunn und Wien wird erneut zum Weltcuport.
(Kurier) Erstellt am
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