Wie Sexting die Beziehung belastet

Symbolbild

Intensives Sexting könnte darauf hindeuten, dass in der Beziehung Konflikte und Unsicherheit vorherrschen, meinen Autoren einer neuen Studie aus den USA.

Vor nicht ganz drei Jahren ließen Forscher mit einer neuen Erkenntnis zu Sexting aufhorchen: Paare, die sich Handynachrichten mit explizitem Inhalt schicken, sind glücklicher, hieß es damals in der Erhebung der Drexel University in Philadelphia. Nun wollen Wissenschafter der University of Alberta Gegenteiliges herausgefunden haben, zumindest was häufiges Sexten anbelangt.

Während Befragte, die hin und wieder intime Bilder, Videos oder Informationen mit dem Partner austauschen, tatsächlich von einem erfüllteren Sexleben und mehr Lustbefriedigung berichteten, zeigte sich bei Vielsextern ein anderes Bild. Sie waren unsicherer in ihrer Beziehung und gaben auch an, mehr Konflikte mit dem Partner auszutragen. Außerdem fühlten sich die betreffenden Probanden ihrer Beziehung weniger verpflichtet.

Für die Studie wurden insgesamt 615 Menschen befragt. Adam Galovan, Familienforscher des Department of Human Ecology der University of Alberta und Studienautor, sagte gegenüber dem Independent, dass der Grund dafür womöglich in einer sexuellen Fixierung liege. Sexter würden stark auf ihr Sexleben fokussiert sein und möglicherweise andere Beziehungsaspekte vernachlässigen, mutmaßt er.

Sexting ist auch in Österreich weitverbreitet.

Technologie bedroht Liebe

Wenig überraschendes Ergebnis der Studie: Vielsexter berichteten, dass Technologie in ihrer Beziehung einen hohen Stellenwert hat, also, dass die Interaktion mit dem Partner häufig via Smartphone abläuft. Diese Abhängigkeit von Technologie könnte ebenfalls Teil des Problems sein, wie Galovan betont. Anstatt echte Beziehungsarbeit zu leisten, würden Sexter sich auf sexualisierte Kommunikation via Handy verlassen. Gespräche und andere Formen der zwischenmenschlichen Interaktion kämen zu kurz. Das Bewusstsein dafür, wie viel Arbeit hinter einer glücklichen Beziehung steckt, gehe so zunehmend verloren, mahnt der Experte: "Die Leute wollen das Ziel erreichen - eine gute Beziehung - ohne die harte Arbeit des Redens, Zuhörens und Zeitinvestment zu leisten", sagt er. Dies sei nicht zuletzt ein Symptom einer Gesellschaft, die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung als wünschenswert erachtet.

Sein Lösungsansatz? Handy weglegen. "Man sollte einfach eine gute alte Unterhaltung führen (...) anstatt das mit Sexting abzukürzen, um die Qualität der Beziehung zu verbessern."

Welche Gefahren Sexting birgt, erklärt eine Expertin im Interview.

11.02.2018