Sport/Wintersport

Nach Krisen-Saison: ÖSV-Star beendet unter Tränen die Karriere

Nach Nicole Schmidhofer und Tamara Tippler muss das Speed-Team der ÖSV-Frauen den nächsten empfindlichen Abgang hinnehmen. Tippler hatte aufgrund ihrer Schwangerschaft dem Skisport vorerst Lebewohl gesagt, Schmidhofer wenig später. Die Steirerin beendete mit 34 Jahren ihre Karriere. Und nun also Ramona Siebenhofer. 

Schon nach dem Saisonende hatte es Gerüchte um einen Rücktritt der Steirerin gegeben. Ende März sagte sie zur Kronen Zeitung: "Es steht im Raum, ja. Aber ich habe definitiv noch keine Entscheidung gefällt." Diese ist nun knapp zwei Monate später getroffen. Siebenhofer zieht einen Schlussstrich. Das gab die zweimalige Weltcupsiegerin am Freitag bekannt. "Ich freue mich jetzt auf einen neuen Lebensabschnitt", sagte Siebenhofer.

Tränen zum Abschied

Als Hauptgrund für ihren Schritt gab Siebenhofer unter Tränen an, dass sie nicht mehr die volle Motivation und Überzeugung für den Profisport habe. Das habe sie schon beim Weltcup-Finale im März in Soldeu gespürt. "Auch mit etwas Abstand muss ich sagen, dass ich nicht mehr bereit bin, mein ganzes Leben dem Skisport unterzuordnen", meinte Siebenhofer, die unter anderem ihrem Lebensgefährten, ihrem Onkel Werner, "der mein erster Trainer war", ihren Sponsoren sowie ihrem Verein USV Krakauebene explizit dankte.

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ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober sowie die Ex-Weltmeisterin und steirische Ski-Landespräsidentin Renate Götschl waren eigens wegen Siebenhofer nach Wien gefahren. Dort gab die 31-Jährige bei einem Abschiedsessen, zu dem Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) einlud, offiziell ihren Rücktritt bekannt. Als Innenminister wird Karner künftig der oberste Vorgesetzte von Siebenhofer sein.

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Von der Piste zur Polizei

Sie wechselt nämlich von der Piste hauptamtlich zur Polizei. Dienstort Murau. Raserei mit dem Auto wird Frau Inspektor Siebenhofer, die auf Skiern wiederholt schneller als 130 km/h gefahren war, nicht tolerieren.

"Sie wird für uns in der Polizei eine wichtige Ergänzung sein", betonte Karner in einer kurzen Ansprache. "Ramona hat über die Jahre eine wichtige Rolle im Damen-Team eingenommen", sagte Stadlober. "Sie wird ihren Weg weiter zielstrebig gehen - und wer weiß, wo dieser Weg noch hinführen wird."

Siebenhofer gab im Dezember 2009 ihr Weltcupdebüt, ihre beste Zeit erlebte sie in der Saison 2018/'19, als sie in Cortina d'Ampezzo einen Abfahrts-Doppelpack schürte und beide Rennen gewann. Insgesamt gelangen der Steirerin sieben Podestplätze. Bei der WM diesen Jahres verpasste sie in der Kombination als Vierte eine Medaille nur knapp.

Auf der Tofana in Cortina hatte die jetzige steirische Landespräsidentin Renate Götschl zehn Mal triumphiert. Letztere hätte sich Ex-Langzeit-ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel als seine Nachfolgerin gewünscht. Wer ab sofort die Ski-Damen coacht ist kein Quizrätsel. Der Bruder von Showmaster Armin Assinger, Ex-Gendarm und Abfahrer Roland Assinger, kehrte bekanntlich als Nachfolger des glücklosen Thomas Trinker nunmehr in Chefposition von der Schweiz zum ÖSV zurück.