Sport/Wintersport

Luxus auf Skiern? So teuer ist der Winterurlaub in Österreich

Skifahren ist zu teuer, Skifahren ist Luxus, Skifahren ist nur noch leistbar für gut betuchte Touristen aus dem Ausland. Um fünf bis zehn Prozent sind die Lifttickets in der Saison 2023/24 teurer geworden, am Arlberg wurde bei der Tageskarte bereits die 75-Euro-Marke erreicht.

Das ist ein Teil der Wahrheit – und ein ganz bitterer für alle Skisportler.

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Zur Wahrheit gehört aber auch: Skifahren war immer schon kostspielig. Im Jahr 1985, also vor fast 40 Jahren, kostete die Tageskarte am Arlberg bereits 315 Schilling. Das wären umgerechnet 22,89 Euro gewesen. 260 Schilling (18,89 Euro) bezahlte man für das Ticket in Obertauern, 280 Schilling (20,34 Euro) in Kitzbühel.

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Teures Skivergnügen?

Ist der Wintersport also tatsächlich so viel teurer geworden, wie in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder beteuert wurde? Oder war der Skisport früher vielleicht sogar noch schwerer leistbar? Vor allem, wenn auch die Inflation mit einberechnet wird?

Der KURIER hat sich die Zahlen und Fakten angesehen. Und kommt zu teils überraschenden Erkenntnissen. Im Folgenden lesen Sie ...

  • ... über die Veränderung der Tageskartenpreise in den letzten 20 Jahren (im Vergleich zur Inflation)
  • ... über die heimischen Skigebiete im internationalen Vergleich
  • ... wie die Betreiber und Verantwortlichen die hohen Ticket-Preise rechtfertigen
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Die starke Erhöhung bei den Kartenpreisen ist nicht zu leugnen, aus Sicht der Betreiber aber gleich aus zweierlei Hinsicht logisch:

  1. Inflation. "Die Energiepreise sind eine Katastrophe für uns", sagte Werner Frießer, Geschäftsführer der Axamer Lizum in Tirol, zur APA. Statt früher 360.000 Euro würden mittlerweile Zahlungen von einer Million für den laufenden Betrieb anfallen. Zinsen für bereits getätigte Investitionen würden das Problem noch verstärken.

    Dazu käme auch die kollektivvertragliche Gehaltserhöhung von 10 Prozent für das Personal, erklärte Ski-Amadé-Präsident Daniel Berchthaller, der deshalb auch von einer "moderaten" Preissteigerung von (durchschnittlich) 8,5 Prozent spricht.

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  1. Qualität. "Wir sind als Wintersporttourismusland weltweit führend", sagte Jack Falkner, der Chef der Öztaler Bergbahnen, im Gespräch mit dem KURIER. “Wir haben Skihersteller, wir haben Unternehmen, wir haben enormes Knowhow, Liftanlagen, den Rennlauf. Das ist Weltklasse. Vielleicht herrscht ein Neid, dass die armen Schlucker aus den Tälern so selbstbewusst geworden sind. Ja, Gott sei Dank haben wir uns so entwickelt.”
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Der Chef der Gasteiner Bergbahnen, Andreas Innerhofer, erklärt, dass allein Ski Amadé heuer insgesamt 96 Millionen Euro investiert habe, davon 54 Millionen in den Bereich Seilbahnen, 20 Millionen in die Beschneiung und 20 Millionen in die Berg-Infrastruktur.

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Der KURIER hat die Skipass-Preise von fünf österreichischen Skigebieten in den vergangenen 20 Jahren recherchiert und die Entwicklung (auch inflationsbereinigt) analysiert. Fazit: Skifahren ist tatsächlich deutlich teurer geworden. Eine Tageskarte kostete im Jahr 2003 (im Durchschnitt der erhobenen Skigebiete) 36,1 Euro. Aus diesem Betrag wurden im Laufe der Jahre aufgrund der Inflation 58,6 Euro. Die Liftkarte kostet in dieser Saison (im Schnitt) allerdings 69,8 Euro.

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Doch aller Kosten zum Trotz: Der Wintersport boomt immer noch. Die Nächtigungszahlen gehen seit den 1970er-Jahren konstant in die Höhe – einzig unterbrochen durch die Corona-Jahre 2020 und 2021 (siehe Grafik). 

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Allerdings: In Tirol kommen nur noch 17 Prozent der Skifahrer aus dem Inland. "Wir müssen richtig aufpassen, dass wir bei den Einheimischen nicht austrocknen. Wir müssen alles unternehmen, damit wir die Kinder zum Skisport bringen", sagt Atomic-Chef Wolfgang Mayrhofer zum KURIER. Etwa durch gratis Liftkarten für Kinder oder bei Preisnachlässen bei Kinder-Skiern. Doch auch für Mayrhofer ist klar: "Skifahren ist ein Stück weit Richtung Premium gegangen, aber für die Gäste aus dem Ausland ist das nicht das Problem. Ich kenne auch die Preise in Aspen oder Vail, Skifahren kostet dort eine Lawine."

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Günstige Kilometer am Arlberg

Der KURIER hat Mayrhofers Behauptung überprüft. Tatsächlich liegen die Skigebiete in Nordamerika preislich klar an der Spitze. 

In Aspen sind für eine Tageskarte bis zu 232 Euro zu bezahlen. Die großen österreichischen Skigebiete liegen im weltweiten Vergleich im Mittelfeld. Um günstige 20 Euro kann man etwa in Marokko Ski fahren gehen. Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn man sich die Preise pro Pistenkilometer ansieht. 

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Hier finden sich Österreichs Aushängeschilder plötzlich sogar unter den preiswertesten Skigebieten wieder. Am Arlberg (302 Streckenkilometer) sind es so etwa 25 Cent pro Kilometer. Nur in Val-d'Isère (25 Cent) zahlt man weniger für einen Kilometer Piste. Weniger lohnt sich hingegen eine Reise ins chinesische Genting, wo man für lediglich 16 Streckenkilometer satte 92 Euro bezahlt (5,75 Euro pro Kilometer).

So viel kostet eine Woche Skiurlaub in den Osterferien für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern (Preisbeispiel subjektiv und nicht repräsentativ).

  • Skitickets (6 Tage): 954 Euro
  • Aparthotel 4* Familienzimmer mit Frühstück: 3.300 Euro
  • Verpflegung (Abendessen, mit Getränke, Kleinigkeiten in der Hütte: 960 Euro
  • Anreise mit dem Pkw aus Wien (Diesel): 80 Euro
  • Ski/Stöcke/Schuhe (Verleih)/Familie: 730 Euro
  • Gesamt (ohne Extras): 6.024 Euro
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