Leben

Mit Keimkraft der schnellste Mann am Meer

Gemessen an den Goldmedaillen, WM- und EM-Titeln und internationalen Erfolgen, könnte man ihn mit Marcel Hirscher, Lewis Hamilton oder Dominic Thiem vergleichen. Was die Popularität seines Sports anbelangt, hinkt Kevin Reiterer aber deutlich diesen Vorbildern hinterher.

Spätestens seit vergangenem Sonntag gilt der 29-jährige Niederösterreicher aus Bad Fischau-Brunn bei Wiener Neustadt als der erfolgreichste Sportler seines Faches. Nach seinem Europameister- und Weltmeistertitel 2021 hat er als erster Jetski-Fahrer in einer Saison den Hattrick geschafft und auch den prestigeträchtigen King’s Cup im Golf von Thailand für sich entschieden.

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Mit dem kleinen Start-up-Unternehmen „Nuea“ (Nutrition Earth, Ernährung aus der Erde) arbeitet der Ausnahmeathlet nun an seiner Profession – nämlich an gesunder und nachhaltiger pflanzlicher Ernährung mit speziell gekeimten Lebensmitteln. Vorbilder aus dem Spitzensport gibt es dafür genug. Der streitbare Novak Djokovic, Formel-1-Star Lewis Hamilton oder Wimbledon-Siegerin Venus Williams verzichten zur Gänze auf tierische Produkte auf ihrem Speiseplan.

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Bilderbuch-Karriere

Kevin Reiterer war sechs Jahre alt, als er zum ersten Mal auf dem Jetski seines Vaters stand. „Und dann kam der Tag, als ich besser wurde als er. Da hat er das Rennenfahren an den Nagel gehängt und gemeint, er wird jetzt mein Betreuer, Mechaniker und Manager und wir fokussieren uns auf meine Karriere“, so der Sportwissenschaftler.

Mit 17 Jahren wurde er jüngster Weltmeister in der Geschichte des Jetski-Sports. Vielleicht war es der frühe Verlust des Vaters, der ihn noch zielstrebiger und fokussierter auf die Karriere werden ließ. Es folgten zig WM- und EM-Titel, leben kann man aber selbst als Weltbester nicht von dem Sport.

Die aktuelle Nummer 1 der Tennis-Welt ist 150 Millionen US-Dollar schwer, die Nummer 1 der Jetski-Welt riskiert für Ruhm und Ehre sein Leben bei Tempo 130 auf dem Wasser. Bei einer seiner vielen Reisen zu den Rennschauplätzen dieser Welt ist auch die Idee zu „Nuea“ (www.nuea.at) entstanden. „Ich ernähre mich seit einigen Jahren pflanzlich, was sich extrem gut auf meine Leistungsfähigkeit und Regeneration ausgewirkt hat. Allerdings war das in gewissen Ländern gar nicht so einfach, da in vielen Lebensmitteln tierische Produkte enthalten sind, von denen man es nicht erwartet“, schildert der 29-Jährige.

Biologische Nahrungsmittel aus Österreich

Er befasste sich viel mit dem Thema biologischer Nahrungsmittel und fand in seiner Mutter, einer veganen Köchin und angehenden Ernährungsberaterin, den perfekten Coach. Ihr kürzlich gegründetes Start-up liefert biologische Lebensmittel wie Erbsen, Hirse, Buchweizen, Haferflocken oder Reis, die durch einen speziell überwachten Prozess gekeimt und schonend luftgetrocknet werden. „Durch die Keimkraft kommt es auf natürliche Weise zur vermehrten Bildung von Vitaminen und Nährstoffen“, erklärt Reiterer.

Die Vorteile seien eine bessere Verdaulichkeit, eine höhere Menge an Antioxidantien, höherer Nährstoffgehalt und mehr Enzyme. Seine Mutter, Marita Gersthofer, liefert zu den Produkten die passenden Rezeptideen.

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Yoga

„Damit hat sich auch das heikle Ernährungsthema auf meinen Reisen erübrigt. Dank der Haltbarkeit der gekeimten Lebensmittel kann mir nicht einmal mehr ein mehrwöchiger China-Aufenthalt den Magen verderben“, so der Sportler.

Wie lange er noch im Höllentempo über die Weltmeere reiten will? „Solange es Spaß macht und mein Körper mitspielt“. Ein neues Steckenpferd hat er bereits: Zuletzt hat der Sportwissenschafter die Ausbildung zum Yoga-Lehrer gemacht und das Physiotherapie- und Yoga-Studio „Evolve“ in der Wiener Neustädter Innenstadt gegründet.