Chronik/Wien

Der Kaiserin schöne Kleider: Neues Buch über Sisis Garderobe

Als Jugendliche mit „keinem hübschen Zug“ wurde Sisi einst bezeichnet – von ihrer eigenen Mutter. Ein Urteil, das wenige Jahre später wohl niemand mehr so gefällt hat. Die Schönheit der Kaiserin ist schließlich bis heute legendär – und auch der Kult, den sie selbst um ihr Aussehen betrieb.

Sie mit einem Modepüppchen gleichzusetzen, wird ihr aber trotzdem nicht gerecht. Das zeigt das neue Buch „Oh, wie schön sie ist“, das den Charakter der Kaiserin anhand ihrer Mode beleuchtet.

Sisis wachsendes Selbstbewusstsein, ihre Emanzipation und schließlich ihre Trauer nach dem Tod von Kronprinz Rudolf spiegeln sich in ihrer Garderobe wider. Sisi setzte die Macht ihrer Schönheit und ihre Mode außerdem ganz bewusst für politische Interessen ein,urteilt Autorin Katrin Unterreiner. Die Sisi-Kennerin schrieb nicht nur viele Bücher über die Habsburger, sondern war auch lange wissenschaftliche Leiterin beim Schloss Schönbrunn.

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Unterreiner räumt in ihrem Buch auch mit Irrtümern auf. Die Kaiserin sei etwa „definitiv nicht magersüchtig“ gewesen, so Unterreiner. Ihr straffes Sportprogramm hätte sie sonst nicht durchgestanden. Trotzdem sei sie von ihrem Aussehen besessen gewesen. Das zeigten die stundenlangen Friseureinheiten – oder dass sie sich ab Anfang 30 nicht mehr fotografieren ließ.

Der Titel des Buches geht übrigens auf eine wahre Begebenheit zurück. „Oh, wie schön sie ist!“, rief der Schah von Persien 1872 beim Anblick Sisis aus – offensichtlich von Begeisterung übermannt. Es war nämlich gegen jegliche Etikette.

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Franz Joseph als Randfigur

Die Garderobe der Kaiserin trug etwa wesentlich dazu bei, das zerrüttete Verhältnis der Ungarn mit dem österreichischen Kaiserhaus zu entspannen. Bei einem Ball entschied sich Sisi für ein weißes Kleid, das mit roten Blumen und grünen Blättern geschmückt war – also in den ungarischen Nationalfarben.

Sie „eroberte damit die Herzen der patriotischen Ungarn im Sturm“, so Unterreiner. Und mehr noch: „Franz Joseph wurde zur Randfigur, war aber so intelligent, zu verstehen, dass der Charme seiner Frau für die Rettung der Beziehung zu Ungarn entscheidend war.

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