Chronik/Niederösterreich

Die Wacht in der Nacht: Wenn Österreichs Nachtwächter zusammenkommen

Einst gingen sie durch die Straßen und Gassen und sorgten für Ruhe und Ordnung – und dafür, dass kein Feuer ausbricht: die Nachtwächter. „In früheren Zeiten waren sie eine Art Feuerpolizei. Der Nachtwächter schaute, dass nirgends offenes Feuer ist – die Brandgefahr war hoch, die Häuser mit Stroh und Schindeln eingedeckt“, erzählt Ernest Zederbauer, der Nachtwächter von Weitra (Bezirk Gmünd).

Wäre er es nicht heute, sondern im Mittelalter gewesen, dann wäre er auch dafür verantwortlich gewesen, dass die Stadttore abgesperrt sind. Er konnte „liederliche Frauenzimmer und Trunkenbolde eine Nacht in den Kotter sperren“.

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Obwohl das alles heute nicht mehr Aufgabe eines Nachtwächters ist, ist es laut dem 74-jährigen Zederbauer keineswegs ein aussterbender Beruf. Heute sind die Nachtwächterinnen und Nachtwächter touristisch tätig und führen durch ihre Heimatstädte. „Wir haben im Jahr 2000 angefangen, da waren wir die ersten in Niederösterreich“, erzählt Zederbauer. 2003 gab es dann die ersten Nachtwächterführungen in Waidhofen an der Ybbs. Heute gibt es Männer und Frauen, die in die Wächterkluft steigen, in vielen Städten.

Sogar eine österreichische Gilde gibt es. Einmal jährlich versammelt sie sich in einer Stadt.

Gildentreffen

Am kommenden Wochenende findet das Nachtwächter-Treffen in Weitra statt. Rund 25 Personen werden erwartet, etwa aus Retz, Steyr, Wels oder Klagenfurt; zwei kommen aus Deutschland. Der Austausch zwischen den Nachtwächtern sei sehr wichtig und durch die Bemühungen der letzten Jahre, wachse die Zahl stetig, so Zederbauer.

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Beim Treffen stellt jeder Nachtwächter „seine“ Stadt vor – und seine Tracht (am 9. Oktober um 13.30 Uhr vor dem Rathaus, anschließend gibt es einen Umzug durch die Altstadt). Und die heurigen Gastgeber sind aus diesem Anlass zu einer Schneiderin gegangen.

„Bisher hatten wir Kleidung an, die wir aus einem Kostümfundus gekauft haben“, erklärt Zederbauer – im Wesentlichen einen schwarzen Mantel, eine Art Cape, und einen Hut. „Sie waren sehr einfach gekleidet und gehörten zur untersten Schicht.“ Zu ihrer typischen Ausrüstung gehörten eine Hellebarde oder eine ähnliche Stangenwaffe, eine Laterne und ein Horn.

Abendrundgänge

Von Weitra selbst sei nicht bekannt, dass die Stadt eine Person als Nachtwächter beschäftigt hätte. „Familien haben sich selbst organisiert, die Männer haben sich abgewechselt“, erzählt der Stadtgeschichteexperte, der von Mai bis September an Freitagen und Samstagen Interessierte bei seinen Abendrundgängen mitnimmt ins mittelalterliche Weitra – und vom „Nachtwächterlied“ erzählt, so wie seine Kolleginnen in den anderen Städten: „Menschenwachen kann nichts nützen, Gott muss wachen, Gott muss schützen. Herr, durch Deine Güt’ und Macht schenk uns eine gute Nacht!

Nachtwächter
Im Mittelalter sorgte der Nachtwächter in Städten für Recht und Ordnung – und warnte die Bewohner, wenn Gefahr in Verzug war. Der Beruf war nicht sehr angesehen.

Lied
Vielerorts informierte der  Nachtwächter über die Zeit, indem er zu jeder Stunde das „Nachtwächterlied“ anstimmte, gleichzeitig zeigte er an, dass er seinen Dienst verrichtete. Heute sind Stadtführer in mehreren Städten als „Nachtwächter“ unterwegs und erzählen von dieser Zeit.