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Wo in Europa und andernorts die meisten Ameisen leben

Ameisen sind Überlebenskünstler. Sie kommen genauso zwischen städtischen Gehwegplatten vor wie in tiefen Wäldern; einzig die Polgebiete sind frei von den Krabblern. Forschende haben nun herausgefunden, wo es vermutlich noch unbekannte Ameisenarten zu entdecken gibt. Ihre Ergebnisse erläutern sie im Fachmagazin "Science Advances".

Zu mehr als 14.000 bekannten Ameisenarten hat das Team um Evan Economo und Jamie Kass vom Okinawa Institute of Science and Technology in Onna Vorkommen und Verbreitung in einer Weltkarte zusammengetragen. Sie nutzten dafür Informationen aus 1,8 Millionen Quellen aus rund zehn Jahren. Insgesamt könnte es doppelt so viele Spezies geben wie bisher bekannt, denn Ameisen seien in manchen Weltregionen nicht gut untersucht.

Neue Spezies in den Anden vermutet

Mit einem Computermodell haben die japanischen Wissenschaftler errechnet, in welchen dieser Gegenden es wahrscheinlich eine große biologische Vielfalt bei Ameisen gibt. "Dies gibt uns eine Art 'Schatzkarte', die uns zeigen kann, wo wir als nächstes nach neuen Arten mit begrenztem Verbreitungsgebiet suchen sollten", so Economo. Viele bisher unbekannte Arten könnte es demnach etwa in den tropischen Anden, im Westghats-Gebirge in Indien und in großen Teilen Südostasiens geben.

Wertvolle Lebewesen

Ameisen sind wichtig für das Funktionieren von Ökosystemen, unter anderem, weil sie für das Belüften des Bodens sorgen, Kadaver beseitigen und Samen verbreiten. Schätzungen zufolge könnte die Biomasse aller Ameisen auf der Erde ähnlich groß sein wie die aller Menschen.

Bereinigte Daten

"Einige Gebiete der Welt, von denen wir erwartet hatten, dass sie Zentren der Vielfalt sind, tauchten nicht auf unserer Karte auf", beschreibt Kass ein Problem. Grund dafür war, dass für einige Regionen das Vorkommen von Ameisen noch nicht gut erforscht ist. Die dadurch entstehende Verzerrung im globalen Bild rechnete das Team nun heraus. Die entstandenen Karten zeigen unter anderem, wo auf der Welt gesichert oder wahrscheinlich besonders viele oder besonders wenige Ameisenarten vorkommen.

Reges Leben in Mittelamerika und Australien

Überdurchschnittlich viele Spezies gibt es demnach in Mittelamerika, Brasilien (Amazonasgebiet und Atlantischer Regenwald), Australien, Madagaskar und Neuguinea. Teile von Zentralafrika und Südostasien (zwischen China und Australien) sind schon als Biodiversitätszentren für Ameisen bekannt, die Vielfalt könnte aber nach Einschätzung der Forscher bei besserer Untersuchung noch größer werden.

Europas Hotspot liegt am Mittelmeer

Der einzige Hotspot in Europa ist der Mittelmeerraum. Hier gibt es auch die womöglich größte Ameisenkolonie der Welt, die sich über tausende Kilometer von Italien bis nach Spanien erstreckt. Sie besteht aus mehreren Millionen Nestern mit insgesamt mehreren Milliarden Argentinischen Ameisen (Linepithema humile) - eine aus Südamerika in etliche Weltregionen eingeschleppte Art.

Selten alleine bedroht

Den Forschenden zufolge soll die Karte dabei nützen, Ameisen und allgemein wirbellose Landtiere stärker in Überlegungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt etwa durch Schutzgebiete einzubeziehen. Solche Gebiete orientieren sich bisher hauptsächlich an Wirbeltieren, vor allem Säugetieren und Vögeln.

Die Experten stellten fest, dass sich die Zentren seltener Ameisenarten zu etwa 78 Prozent mit den Zentren seltener Wirbeltierarten überlappen. "Dies stärkt das Vertrauen, dass die Erhaltung von Gebieten, die für Kleinwirbeltiere wichtig sind, auch wirbellosen Tieren zugute kommt."

Mehr Schutz gefordert

Aktuell seien allerdings nur rund 15 Prozent der wichtigsten Zentren seltener Ameisenarten rechtlich geschützt, etwa durch einen Nationalpark oder ein Reservat. "Wir haben eindeutig viel zu tun, um diese kritischen Bereiche zu schützen", so Economo.