Wirtschaft

Rückzahlung in Rubel: Was Russlands Anleihen-Coup bedeutet

Nach der Ankündigung, die Bezahlung der Erdgaslieferungen nur noch in der Landeswährung Rubel zu akzeptieren, ist es der zweite Währungscoup von Wladimir Putin: Auch die am 4. April fällig werdende Rückzahlung einer Fremdwährungsanleihe im Wert von zwei Milliarden Dollar (1,81 Mrd. Euro) soll in Rubel erfolgen.

Damit wolle man die Diskriminierung heimischer Gläubiger verhindern, stellte Russlands Finanzminister Anton Siluanow am Mittwoch klar. Die am 4. April fälligen Bonds stellen die größte Schuldentilgung in diesem Jahr dar. Wie groß dabei der Anteil ausländischer Gläubiger ist, ist unklar. 

Aber wie sieht es generell mit den russischen Fremdwährungsanleihen aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Wie hoch ist das Volumen russischer Fremdwährungsanleihen?

Derzeit sind russische Fremdwährungsanleihen im Gesamtvolumen von 40 Mrd. Dollar im Umlauf. Etwa die Hälfte davon wird von ausländischen Investoren gehalten. Erst in der Vorwoche wurden 117 Mio. Dollar fällig, die jedoch laut Auskunft des Finanzministeriums diese Woche am Dienstag überwiesen wurden. 

2. Dürfen Anleihen überhaupt in Rubel zurückgezahlt werden?

Die Modalitäten für Zins- und Rückzahlungen sind recht unterschiedlich: Nach der Annexion der Krim 2014 war Russland bereits vom Westen mit Sanktionen belegt worden. Daher gibt es bei allen seither ausgegebenen Schuldtiteln eine Klausel, denen zufolge Zahlungen in einer alternativen Währung geleistet werden können. Bei Papieren ab dem Emissionsjahr 2018 ist der Rubel als Alternativwährung festgeschrieben.

3. Kann Moskau überhaupt zahlen?

Die  westlichen Sanktionen wie das Einfrieren der Auslandguthaben der russischen Zentralbank erschweren es der Regierung in Moskau, die spärlichen Devisen an ausländische Investoren zu überweisen. Sollten ausländische Banken die Geldtransfers wegen der Sanktionen allerdings nicht ausführen, könnte Russland die Zahlungen zurückbuchen und die fälligen Beträge in Rubel auf spezielle Einlagenkonten einzahlen.

4. Können ausländische Investoren an ihr Geld kommen?

Die westlichen Sanktionen erschweren es nicht nur Russland, Geld ins Ausland zu transferieren, sondern auch ausländischen Investoren, dieses Geld im Empfang zu nehmen. Die US-Behörden gewähren zwar einige Ausnahmen, unter anderem für Zinszahlungen russischer Anleihen. Diese Regelung läuft aber am 25. Mai aus. Zwischen diesem Termin und dem Jahresende werden russische Zahlungen im Volumen von fast 2 Mrd. Dollar fällig.

5. Wenn Russland nicht zurückzahlt. Was wären die Konsequenzen eines Zahlungsausfalls?

Staaten, die ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen können, sind von den internationalen Finanzmärkten abgeschnitten. Bei Russland ist dies wegen der Sanktionen bereits jetzt der Fall. Wird ein Zahlungsausfall offiziell festgestellt, werden entsprechende Versicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), fällig. Der Bank JPMorgan zufolge müssten in diesem Fall insgesamt 6 Mrd. Dollar ausgezahlt werden. 

Russische Geschäftsbanken könnten in Schieflage geraten, weil Staatsanleihen Teil ihrer Kapitalpuffer sind. Für russische Unternehmen, die Fremdwährungsanleihen im Gesamtvolumen von fast 100 Mrd. Dollar ausgegeben haben, wird die Geldaufnahme im Ausland zusätzlich erschwert.

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