Wirtschaft

Interio-Chefin Janet Kath: "Stationärer Einkauf ist sexy"

Janet Kath zeigt ihre Möbel und Accessoires liebend gerne her. Der KURIER begleitete sie in eine ihrer Filialen und sprach mit ihr, was nun anders laufen wird.

KURIER: Sie haben kürzlich auf Facebook quasi in die Welt hinausgerufen. „Es gibt uns noch, kommt und kauft bei uns.“ Haben Sie Angst, dass jeder denkt, es ist vorbei mit Interio?

Janet Kath: Natürlich ist das eine schwierige Phase. Wann immer in der Zeitung etwas von Insolvenz steht, entsteht der Eindruck, dass komplett zugesperrt wird. Aber wir schauen positiv in die Zukunft. Es ist gelungen, das Unternehmen wieder neu aufzustellen.

Interio ist 35 Jahre alt, Sie sind seit 24 Jahren Eigentümerin und nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten. Beim letzten Mal haben Sie die Einkaufsfläche in der SCS reduziert. Was ist diesmal die Strategie?

Der Handel ist im Wandel, wichtig ist die Digitalisierung. Wir haben bereits 2014 unseren Onlineshop eröffnet, der mittlerweile 25 Prozent des Umsatzes ausmacht. Das digitale Medium ist extrem wichtig für die Vorinformation bei den Möbeln. Aber die Geschäfte sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Aber es kauft doch gefühlt jeder bei Westwing ein, das keine stationären Geschäfte hat.

Es erstaunt mich, dass alle glauben, dass die Online-Händler so erfolgreich sind. Aber ich kenne keinen, der nur mit Online nachhaltig positive Ergebnisse im Möbelbereich schreibt. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es nur die Kombination ist. Es braucht schöne Filialen mit motivierten Mitarbeitern und tollen Präsentationen. Stationärer Einkauf ist sexy. Hier werden Menschen wertgeschätzt, und es gibt auch ein Service. Was gibt es Schöneres als sich in einem realen Geschäft inspirieren zu lassen? Wir haben dafür sogar in jeder Filiale einen Dekorateur angestellt. Interio bietet das alles. Leider ist uns Corona dazwischengekommen.

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Haben Sie von Corona nicht profitiert? Jeder richtete sich neu ein.

Dass zwei Jahre hintereinander ausgerechnet vor Weihnachten zugesperrt werden musste, hat uns sehr hart getroffen. Das Weihnachtsgeschäft ist für uns besonders wichtig.

Dafür gab es Umsatzersatz.

Wir haben nicht viel erhalten.

Polemisch gesprochen ist Interio eine Art Ikea für Wohlhabendere. Also in der gefährlichen Mitte zwischen High Class und Billigsdorfer. Dieses Segment stirbt auch im Modehandel gerade aus. Müssen Sie die Position ändern?

Nein, unsere Position ist unverändert „Design zum besten Preis“.

Kein Strategiewechsel?

Klar muss man was ändern, wenn man eine Insolvenz erlebt, was das Schlimmste ist, was einem passieren kann. Wir müssen unsere Serviceleistungen verbessern.

Behalten Sie alle Standorte?

Es wird sich bei den Standorten sicher einiges ändern, weil wir wissen, dass das erfolgreichste Konzept die Wohngalerie ist mit einer Größe von 1000 Quadratmetern.

Welche Ihrer Produkte gehen besonders gut?

Wir haben eine Stärke im Geschirrbereich, wo wir auch in Portugal laufend neue Kollektionen aus Steinzeug erstellen. Und ich glaube, wir haben die coolste Gartenmöbelkollektion. Auch die entwickeln wir selbst.

Der Preis bleibt unverändert eher im höheren Bereich?

Die Frage ist, womit man vergleicht. Wir haben die Qualität ganz hochwertiger Möbel und kaufen 80 Prozent unserer Ware in Europa ein.

Dennoch gibt es ständig Rabattschlachten im Handel. Macht man sich damit nicht auch selbst kaputt?

Im Moment ist es sehr schwer, Produkte ohne Rabatt zu verkaufen, das ist zur Kundengewohnheit geworden. Wir arbeiten mit den Lieferanten daran, alles zu optimieren, um gute Preise zu gestalten und die auch dem Konsumenten, der jetzt weniger Geld in der Tasche hat, weiterzugeben.

Sie sind Eigentümerin, haften mit Ihrem eigenen Vermögen. Wie schlecht schläft man da?

Klar macht man sich Gedanken. Aber ich habe irgendwann einmal zu mir gesagt: Die Angst hilft nicht und ist kein guter Partner. Ich schaue nur nach vorne.

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Auch Ihre Gläubiger verlieren jetzt viel Geld.

Ja, die, die jetzt viel Geld nachgelassen haben, haben aber auch schon viel Geld mit uns verdient, weil es uns schon so lange gibt. Wir machen jetzt gemeinsam zwei Schritte zurück, um wieder einen großen Schritt nach vorne tun zu können.

Sie sind es gewohnt, selbstständig zu arbeiten, hatten aber bis Ende März eine Insolvenzverwaltung an Ihrer Seite. Wie war das?

Ich hatte ein Top-Team und eine sehr engagierte Verwalterin, die mich wirklich sehr unterstützt hat, um auf den richtigen Weg zu kommen. Mir hat das gutgetan, ich habe dabei viel gelernt.

Und was machen Sie jetzt anders?

Ich habe mir vorgenommen, konsequenter zu sein. Manchmal muss man auch rechtzeitig ein Geschäft zusperren, wenn es sich nicht rechnet, so schwer es einem auch fällt.

Haben Sie Fehler gemacht?

Ja natürlich, und der Markt war natürlich schwer, außerdem sind die Kosten stark gestiegen. Wir haben seit 2020 eine Inflation von fast 26 Prozent. Das hat sich auch auf die Mieten ausgewirkt, dazwischen hatte sich auch der Strompreis verdreifacht. Während Corona haben sich die Transportkosten zeitweise verzehnfacht. Und natürlich sind die Menschen durch den Ukraine-Krieg verunsichert. Jetzt langsam kommt wieder Routine rein. Das Wichtigste ist, dass die Innenstädte belebt sind und dass man auch wieder Freude hat, sich selbst etwas zu leisten.

Die Innenstädte veröden aber zunehmend.

Ja, da gehört gegengesteuert. In der Mariahilfer Straße ist jedes fünfte Geschäft geschlossen. Wir brauchen ein Umdenken, dass zum Beispiel die Mieten wieder auf ein Niveau sinken, das es dem Handel ermöglicht, ein Geschäft zu machen. Die Politik muss den Mittelstand fördern und den neuen chinesischen Onlinehändlern, die auf den Markt drängen, einen Riegel vorschieben. Die zahlen hier ja fast keine Abgaben. Erst kürzlich hat mich eine Freundin angerufen, die sich im Internet eine Leuchte gekauft und nun 1000 Teile daheim liegen hatte, die sie nicht zusammenbauen konnte. Die Menschen vergessen, dass man Beratung und Service braucht. Wir wollen auch erklären, was der Unterschied zwischen einer Weihnachtskugel um zwei Euro und einer um 9.90 Euro ist.

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Was ist denn der Unterschied?

Dass wir sie in Tschechien nachhaltig produzieren: Sie werden noch von Mund geblasen und händisch dekoriert.

Haben Sie es manchmal bereut, sich selbstständig gemacht zu haben?

Nie!

Sie stiegen einst schon im Rewe-Konzern auf, wo Sie auch Ihren Ex-Mann, den Top-Manager Veit Schalle kennengelernt haben. Wie viel Anteil hatte er an Ihrer Karriere?

Er hatte sicher einen großen Anteil, vieles haben wir gemeinsam erreicht. Wir waren 30 Jahre zusammen. Ich war 21, als ich ihn kennengelernt habe.

Zur Person
Janet Kath hat sich von der Einkaufsassistentin bei Merkur hochgearbeitet und war schon mit 26 Prokuristin. Sie positionierte Bipa ab 1995 als Geschäftsführerin neu, entwickelte  die Marke  „Look bei Bipa“, erfand „Radio Max“ und die Frauenzeitschrift „Maxima“. Im Jahr 2000 machte sie sich selbstständig und kaufte das damalige Schweizer Unternehmen Interio.

Die Möbelkette
Interio hat sechs Filialen in Wien, Linz, Graz und Klagenfurt mit insgesamt 90 Mitarbeitern. Zu Jahresbeginn schlitterte das Unternehmen  in die Insolvenz. Es wird nun mit Sanierungsplan, dem die Gläubiger Ende März zugestimmt haben,  fortgeführt.   
 

Wie richten Sie sich selbst ein?

Ich liebe die Interio-Ware und habe jedes Jahr einen neuen Weihnachtsbaum. Darüber freut sich auch meine Familie immer sehr.

Wie geht es mit dem Unternehmen weiter?

Ich werde 60, da macht man sich schon Gedanken, wer es weiterführen wird.

Gibt es in der Familie jemanden, der es übernehmen könnte?

Ich habe seit acht Jahren einen neuen Lebenspartner, der auch Händler in der Schweiz ist. Ziel ist es, das Unternehmen in seine Beteiligungsfirma einzubringen.