Leben/Reise

Canyons, Jurten und Nomaden-Kost: Abenteuer in Kasachstan

Geschickt rollen Dinara und Zhanara den Teig aus, falten ihn und schneiden ihn in kleine Stücke. Heute gibt es Teigtaschen, gefüllt mit Gemüse und faschiertem Rindfleisch – eine typische Spezialität in Kasachstan. Das gemeinsame Essen findet in einer Jurte statt, dem traditionellen Wohnzelt der Nomaden, mit musikalischer Begleitung durch Freunde. So sehen viele Abende auf Reisen durch das zentralasiatische Land aus. Untertags fährt man mit dem Geländewagen durch die schier endlose Steppe, vorbei an Pferde- und Schafherden, die schneebedeckten Gebirgszüge des Tian Shan in der Ferne.

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Doch Kasachstan hat nicht nur kargen Boden zu bieten. In den verschiedenen Nationalparks rund um Almaty kann man durch Canyons wandern, an unberührten Bergseen und Almwiesen verweilen oder Sanddünen erklimmen. Nur selten kommen Reisende an Ortschaften vorbei. Zum Beispiel am Dorf Satty, wo Dinara und Zhanara mit ihren Ehemännern – zwei Brüdern – und ihren Kindern leben.

Vielfalt

In der Jurte ist es angenehm warm. Die Wandgitter und Dachverstrebungen bestehen aus Holz, darüber ist ein Filzschutz gezogen, nur oben bleibt ein rundes Loch, das als Rauchfang dient. In früheren Zeiten stand in der Mitte ein kleiner Herd oder es gab eine Feuerstelle. Heute baumelt über den Köpfen der Gäste eine Glühbirne. Die Gastgeberinnen leben längst im Haus nebenan. Das Zelt haben sie im Garten für Besucher und Besucherinnen aufgestellt.

Vor rund 90 Jahren zwang die sowjetische Regierung die Nomadenvölker Kasachstans dazu, ihr Wanderleben aufzugeben und sesshaft zu werden. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 wächst das Interesse an der Tradition wieder. Und langsam auch jenes europäischer Reisender an der kulturellen und landschaftlichen Vielfalt. Bis heute lebt Kasachstan hauptsächlich von der Öl- und Gasindustrie. Seit ein paar Jahren positioniert es sich als Reiseziel, inklusive Lockerung der Visaregelungen. Der Tourismus macht nur 1,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt aus, laut den ehrgeizigen Regierungsplänen sollen es bis zum Jahr 2025 sechs Prozent werden.

Zurück in die Jurte: Hier sitzt man auf Pölstern und Teppichen auf dem Boden. Jene Gäste, die sich nur zaghaft am „Dastarkhan“ – dem reich gedeckten Tisch – bedienen, weil man vor Essen gar nicht mehr weiß, wohin damit, werden motiviert: Mit freundlichem Lächeln beladen die Gastgeberinnen ungefragt den Teller. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich mit einem „Spasibo!“ (dt.: Danke!) geschlagen zu geben.

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Außergewöhnliche Getränke

Dazu trinkt man „Kumys“, im Birkenfass fermentierte (vergorene) Stuten- und Kamelmilch – ein Rezept der nomadischen Lebensweise, wo Haltbarkeit besonders wichtig war. Roher Kamelmilch wird gesundheitlicher Nutzen nachgesagt, deshalb trinken sie die Einheimischen als Mittel gegen alle möglichen Krankheiten. Es fällt schwer, den sauren Geschmack zu beschreiben. Was gibt es Schöneres auf Reisen, als undefinierbare Dinge zu verkosten, die man noch nie zuvor gesehen oder gerochen hat.

Mit etwas Glück findet sich darunter auch selbst gemachte Marmelade aus wilden Heidelbeeren. „Nach einem Aufenthalt in Kasachstan muss man mindestens vier Kilo schwerer nach Hause fahren“, scherzt Reiseführer Sergey Sakharov von Global Air, einer lokalen Reiseagentur, die eng mit den Familien zusammenarbeitet. Zurzeit werden zwei neue Häuser nebenan gebaut, bald schon sollen hier Gäste nach dem Essen übernachten können.

Bilder: Köstlichkeiten aus Kasachstan

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Zum Abschluss kommt, was kommen muss: Wodka! Zufrieden schlummert man auf der Fahrt zur Unterkunft vor sich hin. Bevor alle ins Bett fallen, gibt Reiseleiter Sergey noch einen Tipp: „Wir haben morgen eine Fahrt zu den schönen Kolsai-Seen vor uns. Sie sollten sich psychisch auf ein Abenteuer einstellen.“ Was er damit meint, zeigt der folgende Tag recht schnell.

Eine Reise nach Kasachstan bedeutet, ausgetretene Pfade zu verlassen. Wortwörtlich. Und so wird man ordentlich durchgerüttelt. „Very good“, kommentiert Fahrer Alexander, während er über einen Hügel saust, der auch als Schanze durchgehen würde. Es sind einige der wenigen englischen Wörter, die der pensionierte Nationalparkhüter spricht, dann plappert er wieder auf Russisch weiter.

Ein Adler segelt über das Fahrzeug hinweg. Es wird nicht der letzte sein, denn in der Region sind viele Greifvögel beheimatet und auch sie sind eine Attraktion für Touristen.

Sie haben hier den Blick über diese immense Weite, die das Land so reizvoll macht.

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Info

Anreise
Von Wien mit Turkish Airlines via Istanbul nach Almaty. turkishairlines.at

Beste Reisezeit
Mai bis September, wobei es im Sommer heiß wird. Im Frühling blühen wilde Tulpen

Einwohner
Auf einer Fläche von mehr als einem Viertel Europas leben 19 Millionen Menschen

Angebot
Eurotours bietet 9 Tage „Land und Leute“ an (25.8.–2.9., 29.8.–6.9., 1.–9.9. und 8.–16.9.2019) um 1.749 €/P. im DZ  und 1.949 €/P. im EZ, u.a. inkl. Flug ab/bis Wien.
Buchung: Tel. 01 /38 600 hofer-reisen.at