Politik/Inland

VdB will’s jetzt erst recht wissen

"Mehr denn je." Mit diesem Slogan wirbt Hofburg-Kandidat Alexander Van der Bellen in seiner aktuellen Kampagne um Wählerstimmen. Und dieser Werbespruch passt derzeit auch hervorragend zur Stimmung im Wahlkampf-Team des Ex-Grünen-Chefs, sagt sein Wahlkampf-Manager Lothar Lockl im KURIER-Gespräch. Man könne auch sagen, das Motto laute: "Jetzt erst recht."

Dass nun erst am 4. Dezember statt am 2. Oktober gewählt wird, sei zwar bedauerlich und ärgerlich, aber sachlich richtig, befinden Van der Bellen und Lockl. Aufgrund der Panne mit dem Klebestreifen der Wahlkarten hätte die Wahl am 2. Oktober nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden können. Es wäre unerträglich gewesen, wenn sich Wähler nicht sicher sein hätten können, dass ihre Wahlkartenstimme auch gültig im Wahllokal ankomme. "Insofern führt kein Weg an dieser Verschiebung vorbei", sagt der Präsidentschaftsanwärter.

Appell an Unterstützer

Und so starte man jetzt eben "in den vierten Wahlkampf". Van der Bellen erklärt, er sei davon ausgegangen, dass er am 2. Oktober gewonnen hätte. Nun sollte das eben zwei Monate später gelingen. "Lassen wir uns nicht entmutigen, krempeln wir die Ärmel hoch. Gemeinsam werden wir die Wahl auch am 4. Dezember gewinnen", lautete der Appell an die Unterstützer.

Auf die müssen Van der Bellen & Co weiterhin hoffen. Denn nicht nur um Wählerstimmen muss geworben werden, auch monetäre Hilfe ist dringend vonnöten. Die Grünen haben nicht so große finanzielle Ressourcen wie die Blauen.

"Wir hoffen sehr, dass es noch einmal die Bereitschaft gibt, uns zu unterstützen. Wir sind massiv darauf angewiesen, dass uns Leute etwas spenden", gibt Lothar Lockl offen zu. Im laufenden Wahlkampf konnten binnen acht Wochen rund 1,1 Millionen Euro lukriert werden – "drei Mal so viel wie im ersten Wahlkampf", berichtet der Wahlkampf-Leiter.

Keine Werbe-Pause

Wird Van der Bellen nun eine Pause einlegen – angesichts der Tatsache, dass es eine zweimonatige Verlängerung des Wahlkampfes gibt?

Mitnichten, heißt es in seinem Team. "Der Wahlkampf wird weitergehen. Wir werden sicher keine Pause einlegen. Wir werden sehr viele Termine absolvieren, etwa solche wie am vergangenen Wochenende", kündigt Lockl an. Da war Van der Bellen auf dem Feuerwehr-Fest am Wiener Hof und beim Erntedank-Fest im Augarten auf Wahlwerbe-Tour.

Verschoben werden lediglich einige TV-Auftritte sowie die Diskussion von Van der Bellen mit KURIER-Lesern und Chefredakteur Helmut Brandstätter (neuer Termin ist noch offen).

Punkten will der 72-jährige Wirtschaftsprofessor auch in den noch verbleibenden 80 Tagen mit dem Thema "Öxit". Er hält seinem FPÖ-Kontrahenten Norbert Hofer ja vor, dass er bzw. dessen Partei mit dem EU-Austritt Österreichs liebäugle, was für die heimische Wirtschaft äußerst gefährlich wäre. Die Blauen streiten neuerdings daher ab, dass sie einen EU-Austritt forcieren bzw. je forciert haben.

Briefwahl thematisieren

Lockl sieht aber auch noch ein anderes Thema, das sein Chef nun aufs Tapet bringen wird – die Briefwahl. Hofer hat ja vorgeschlagen, man solle bei der Stichwahl auf die Briefwahl "verzichten". Das würde dazu führen, dass viele Bürger (z.B. Krankenschwestern, Ärzte, Bus-Chauffeure etc.) nicht von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen könnten. Van der Bellen: "Das wäre eine willkürliche Einschränkung des Wahlrechts."

Und diese würde nur dem FPÖ-Kandidaten nutzen. Hofer lag bei der Stichwahl ohne Wahlkarten in Front. Van der Bellen gewann am Ende, weil er bei von den Wahlkarten-Wählern wesentlich mehr Zuspruch bekommen hatte als sein Widersacher.

Wem die Verschiebung der Stichwahl eher nutzen wird, will "VdB" nicht abschätzen. Das sei eine "müßige Frage". Lockl meint, die FPÖ müsse sich "zumindest den Vorwurf gefallen lassen", dass sie "indirekt mitverantwortlich" ist, dass der Wahlkampf nun so lange dauert. Die Freiheitlichen haben ja die Stichwahl beim Verfassungsgerichtshof beeinsprucht – und so eine Wiederholung erwirkt.

Hinweis: Lesen Sie hier, wie Norbert Hofer mit der Verschiebung umgeht.

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