Politik/Inland

50.000 Kindergartenkinder mehr könnten betreut werden

Für die Opposition war sie ein "Schmäh (SPÖ), für die Regierung ein "großer Wurf". Die Rede ist von der Kindergartenmilliarde, die im Juli 2022 im Nationalrat beschlossen wurde.  Mit einer neuen 15a-Vereinbarung zu den Kindergärten wird der Bund den Ländern in den fünf Kindergartenjahren 2022/23 bis 2026/27 pro Jahr 200 Millionen Euro für frühe Sprachförderung und Ausbau des Angebots (jeweils mit 52,5 Prozent Co-Finanzierung des Landes) sowie das Gratis-Pflichtkindergartenjahr zur Verfügung stellen. 

Der Mangel in der Elementarpädagogik ist immer noch groß. Die Probleme reichen von Personalengpässen bis Öffnungszeiten, die eine Vereinbarung von Beruf und Familie stark erschweren - meist sind Frauen davon betroffen. Diese dürften auch durch die 15a Vereinbarung noch nicht gelöst werden. Sie hat ja eigentlich auch zum Ziel, das Kindergartenangebot zu erweitern und die Vereinbarkeit dadurch zu verbessern. Aktuelle Daten der Statistik Austria deuten allerdings darauf hin, dass sich bundesweit die Kindergartenplätze, die mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind, reduzieren. Das wiederum ist auf den grassierenden Personalmangel in den Einrichtungen zurückzuführen, wodurch die Öffnungszeiten gekürzt werden müssten, erklären Experten. 

Neue Studie zeigt Potenzial von 50.000 Betreuungsplätzen mehr

Die Ergebnisse einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria zeigt Effizienzpotenziale auf, wodurch auch bei der bestehen 15a-Vereinbarung 50.000 Kinder mehr betreut werden könnten und bundesweit knapp 10.000 Öffnungsstunden zusätzlich zu gewinnen wären. Dafür sollten sich Gemeinden, sie sind für die Elementarpädagogik mitverantwortlich, an einer Referenzgemeinde orientieren. Das bedeutet, dass sich Kindergärten jene Einrichtung in ihrer Region zum Vorbild nehmen sollten, die den besten Budget-Öffnungszeiten-Kinderbetreuungsschlüssel haben. 

Es könnten, so EcoAustria, mehr Kinder betreut werden und die Öffnungszeiten erweitert werden, wenn sich kleinere Einrichtungen mit wenigen Kindern und Personal oder kürzeren Öffnungszeiten zu größeren Einrichtungen zusammenschließen würden. Die Qualität der Elementarpädagogik würde sich verbessern, heißt es in der Studie, da eine zusammengeschlossene Einrichtung "längere Öffnungszeiten, kleinere Gruppen, bessere Infrastruktur und pädagogische Konzepte bieten könnte oder mit höher qualifiziertem Betreuungspersonal in kostengünstiger Weise optimiert werden", lautet es in einer Aussendung der EcoAustria. 

Die Direktorin der EcoAustria, Monika Köppl-Turyna, empfiehlt Anreize für derartigen Kooperationen zwischen Gemeinden zu schaffen und sie sollten im Finanzausgleich 2023 verhandelt werden. „Von diesen Kooperationen können alle Partner profitieren. Anstelle der aktuell maßgeblichen Bevölkerungsgröße wäre allerdings eine stärkere Leistungsorientierung vorzusehen. So könnte die Finanzierung etwa an Öffnungszeiten oder Schließtagen festgemacht werden“, erklärt sie.