Politik/Ausland

Kurz bei Söder: „Nicht jedes Telefonat war ein Honeymoon-Telefonat“

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder ist selten um bildhafte Sprache verlegen. So ließ er auch am Dienstag zu Beginn der Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz wissen, dass nicht jedes Gespräch während der Pandemie ein "Honeymoon-Telefonat" gewesen sei.

Und so besprachen die beiden die Coronapolitik mal nicht über den Hörer, sondern direkt in München (wo Kurz auch den "Friedenspreis für Medien" vom Weimer-Verlag verliehen bekam). Sowohl Bayern als auch Österreich seien von der Pandemie "stark betroffen" gewesen und "mussten mit Herausforderungen umgehen, die vorher keiner hatte schultern müssen", erklärte Söder.

Dazu gehörten auch die Verstimmungen zwischen den beiden Ländern, die es zuvor schon wegen des Transitstreits zwischen Tirol und Bayern gab. Dass in der Pandemie "Ischgl" zum Brennpunkt wurde, bayerische Ski-Urlauber infiziert zurückkamen, heizte den Konflikt weiter an. Verschärfte Einreisebestimmungen und unterschiedliche Auffassungen zum Pandemiemanagement taten ihr Übriges dazu.

Kleiner Grenzverkehr wieder möglich

Abgesehen von Einblicken in ihren Beziehungsstatus hatten die beiden auch Neues zu verkünden: Der kleine Grenzverkehr zwischen Bayern und Österreich ist ab Mittwoch wieder möglich. Damit könnten sich Freunde und Verwandte grenzübergreifend wieder treffen, Einkäufe im Nachbarland seien ebenfalls möglich. Den Tourismus wollen beide ebenfalls öffnen – in Österreich ist es am 19. Mai soweit. Die Quarantänebestimmungen werden abgeschafft, erklärte Kurz. Jeder, der aus einem Nicht-Risikogebiet kommt, kann dann normal einreisen. Die Strategie lautet: "Geimpft – genesen – getestet."

Söder: "Wir sind zurückhaltender"

Für Bayern, wo ab dem 21. Mai touristische Angebote öffnen sollen, gilt Anderes, hakte Söder ein. Getestet sei nicht das Gleiche wie geimpft oder genesen. "Wir sind da zurückhaltender", sagte er und erwähnte Innenminister Horst Seehofer (CSU) als Beispiel, der trotz Test und Corona-Impfung positiv auf das Virus getestet wurde. Zudem betonte er, dass in Deutschland weiter die Bundesnotbremse gilt: Sollte in einer Region die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 steigen, werden Maßnahmen gesetzt.

Am Ende kam sie dann doch, die Frage, ob sich Kurz über Söder als Kanzlerkandidaten gefreut hätte. Der Gast aus Österreich gab sich diplomatisch – er glaube, dass eine starke CDU/CSU Deutschland guttut, aber auch für Europa wichtig sei. Und: "Wer Kanzlerkandidat ist, ist eine Entscheidung, die in Deutschland getroffen werden muss", so Kurz. Für Söder hätte die Antwort "schon ein bisschen euphorischer sein können, aber passt schon".