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Sägeindustrie: Wie konstruktive Bretter die Bauwelt verändern

Die viergeschossige Wohnanlage am Wiener Mühlweg, das acht Stockwerke hohe „Bridgeport House“ in London oder das fünfgeschossige Mehrfamilienhaus „Woodcube“ in Hamburg – Bauten aus hochwertigem Holz liegen im Trend. Das wohl herausragendste Projekt wird derzeit in der Wiener Seestadt Aspern vom Immobilieninvestor Günter Kerbler hochgezogen: das 24-stöckige und 84 Meter hohe „Holzhochhaus Wien“, kurz Hoho Wien genannt. Die Baukosten für diesen Hybridbau, dessen Holzanteil 75 Prozent beträgt, werden mit rund 65 Millionen Euro beziffert.

Der Baustoff Holz hat viele Vorteile: hohe Tragkraft, geringes Eigengewicht und gute Elastizität. Außerdem ist bei Holz die Kohlendioxid-Bilanz deutlich besser als bei der Herstellung von Stahl und Zement.

Dazu muss man wissen, dass der neue Trend zum Holz im Wohn- und Bürobau ohne den Hochleistungsbaustoff Cross Laminated Timber (CLT), sprich Kreuzlagenholz bzw. Brettsperrholz, nicht möglich wäre. Decken, Wände, Dachelemente und ganze Gebäudehüllen können mit diesem statisch belastbaren Baumaterial errichtet werden. Zugleich hat dieses technisch getrocknete und verklebte Holz eine hohe Formstabilität, weil die Längs- und Querlamellen kreuzweise angeordneten werden.

Österreich ist ein wesentlicher Brettsperrholz-Produzent, diese Produkte mit höherer Wertschöpfung beginnen bereits Früchte zu tragen“, sagt Erich Wiesner, Chef des Fachverbands der Holzindustrie und des Holzbauunternehmens Wiehag. Brettsperrholz oder Kreuzlagenholz wird von den österreichischen Sägeunternehmen hergestellt – 99 Prozent aus Fichten (und auch Tannen).

„Man hat in den vergangenen 15 Jahren in diese Wertschöpfung viel investiert“, sagt Rainer Handl vom Fachverband der Holzindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich. „Vor zehn Jahren lag die Produktion von Kreuzlagenholz in Mitteleuropa bei rund 200.000 Kubikmetern, im nächsten Jahr werden wir bei weit mehr als einer Million Kubikmeter liegen.“

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Bedeutende Betriebe

Die führenden CLT-Produzenten hierzulande sind Mayr-Melnhof MM Holz, Binder Holz, Stora Enso, KLH (Johann Offner Gruppe) und Hasslacher.

„Diese fünf Unternehmen machen derzeit 90 Prozent der Gesamtproduktion“, sagt Handl. Österreich ist nach wie vor ein Land der Sägewerke. Insgesamt 1019 Betriebe mit rund 6000 Mitarbeitern gibt es in Österreich. Die 40 größten Sägewerke (500 Mitarbeiter) erzeugen fast 90 Prozent des Nadelschnittholzes.

„Die restlichen zehn Prozent teilen sich auf Klein- und Mittelbetriebe auf, die speziell für die regionale Wertschöpfung wichtig sind und in strukturschwachen Regionen eine große Bedeutung haben“, erklärt Herbert Jöbstl, Vorsitzender der österreichischen Sägeindustrie.

Holzeinschlag

Im Vorjahr wurden in Österreich 17,64 Millionen Festmeter Holz geerntet. Zugleich wurden in Österreich 16,2 Millionen Festmeter Sägerundholz eingeschnitten, davon wurden 5,9 Millionen Festmeter Nadelsägerundholz importiert – vor allem aus grenznahen Regionen.

„Die Importe stammen aus den Einzugsgebieten Deutschland, Böhmen, Mähren, Nordungarn und im Süden aus Slowenien“, sagt Handl. „In diesen natürlichen Einzugsgebieten gibt es eben große Sägewerke in Österreich.“ Dazu kommt die von Jahr zu Jahr steigende Schadholzmenge. (Käfer, Sturm). Allein im Vorjahr kamen eine Million Festmeter Schadholz dazu. Im vergangenen Herbst wurde sogar die Importe reduziert, um den heimische Schadholzberg verarbeiten zu können. Generell geht die Sägeindustrie aber davon aus, dass der Holzeinschlag in Österreich noch deutlich erhöht werden kann. „Das Potenzial im heimischen Wald ist größer“, sagt Jöbstl. „Unser Ziel sind 22 bis 24 Millionen Festmeter im Jahr.“

Doch bis es tatsächlich so weit ist, müssen noch einige Probleme beseitigt werden. Viele Waldbesitzer betreiben eigentlich gar keine Land- und Forstwirtschaft. Ihnen gehört der Wald einfach nur.

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Massiver Käferbefall

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„Wir haben immer Waldbesitzer, die nicht wissen, dass man einen Wald regelmäßig pflegen und bewirtschaften muss“, sagt WKO-Experte Handl. „Viele wissen gar nicht, dass ihr Wald durch Käferbefall gerade eingeht. Dadurch wird ein Vermögen, das über Generationen aufgebaut wurde, vernichtet.“

In manchen Regionen wie im Waldviertel und in Oberösterreich ist der Käferbefall heuer besonders stark, sodass der schnelle Abtransport gar nicht bewältigt werden kann. Es fehlen die Arbeitskräfte und Lkw-Fahrer. Dabei sollte das sogenannte Käferholz so schnell wie möglich aus dem Wald abtransportiert werden, um die weitere Verbreitung der Käfer auf gesunde Bäume zu verhindern.

„Es fällt in einzelnen Regionen sehr viel Käferholz an. Wenn viel mehr anfällt, fehlen die entsprechenden Logistik-Kapazitäten“, sagt Jöbstl. „Im Waldviertel und in Oberösterreich trat das Käferproblem heuer schon sehr früh auf, eine zweite Welle wird in den nächsten Wochen kommen.“

Rund zwei Drittel des heimischen Nadelschnittholzes geht in den Export. Wert: rund 1,4 Milliarden Euro. Hauptmarkt mit 48 Prozent ist Italien, gefolgt von Deutschland (17 Prozent) und in die Levante (13 Prozent). Vor allem die Nachfrage nach Verpackungsholz ist besonders hoch. Erstmals konnte die Nachfrage aus Italien von Österreich nicht nicht mehr zur Gänze bedient werden.

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Laubschnittholz

Italien ist unser wichtigster Handelspartner, aber Deutschland wird immer wichtiger vor allem bei den Weiterverarbeitungsprodukten“, sagt Jöbstl. Das ist u. a. auf die Wohnbauinitiativen in Deutschland zurückzuführen.

Im Vergleich zum Nadelholz ist die Menge an Laubschnittholz überschaubar. Im vergangenen Jahr wurden 172.000 Kubikmeter Laubholzbretter geschnitten, das sind fast 20.000 Kubikmeter mehr als 2016.