Leben/Reise

Lobau: Der Dschungel am Rande der Großstadt

Jetzt, im Winter, ist die Lobau am schönsten, schwärmt Forstamtsdirektor Andreas Januskovecz: „Wenn die Bäume kein Laub tragen, hat man ganz andere Sichtachsen. Das Totholz wird sichtbar, und man kann beobachten, was sich dort entwickelt. Noch schöner ist es, wenn Schnee liegt und alles weiß ist – dann wird der Blick noch weiter.“

Wiens oberster Förster ist nicht der Einzige, den der Auwald im Osten Wiens fasziniert. Der Nationalpark wird als Ausflugsziel immer beliebter – und in Corona-Zeiten geradezu gestürmt. „Wenn die Menschen ihren Hausverstand benutzen, ist das auch kein Problem“, meint Januskovecz. Heißt: Keinen Mist zurücklassen, nicht lärmen, auf den Wegen bleiben und die Hunde an der Leine lassen. Wer das beherzigt, der wird manchmal damit belohnt, dass er hier Wildtieren wie Rehen, Füchsen oder Dachsen begegnet: „Die Tiere wissen ganz genau, dass Menschen, die auf dem Weg bleiben und ihren Hund an der Leine haben, keine Gefahr darstellen.“

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Das Faszinierende an der Lobau: Weil hier fast nur Laubbäume wachsen, ändert sie ihr Bild von Jahreszeit zu Jahreszeit. Sieht man jetzt kaum Grün, ändert sich das schlagartig, sobald die Temperaturen etwas wärmer werden: Knoblauch, Frühlingsknotenblumen und Gräser schießen aus dem Boden und verleihen ihr einen grünen Schleier. „Innerhalb von wenigen Tagen sprießt alles, und die Au riecht dann auch frischer“, erzählt der Förster.

Der Frühling lässt nicht nur die Pflanzen sprießen – auch die Tiere werden dann aktiv, allen voran die Reptilien und Amphibien, von denen es in der feuchten Au sehr viele gibt. Wer Schlangen beobachten möchte, der hat besonders gute Chancen, weil sich die Tiere häufig aus ihren Verstecken wagen, um die Wärme der ersten Sonnenstrahlen zu tanken. Doch Vorsicht: „Die Sandviper ist zwar sehr selten, kommt aber in der Lobau vor – und die ist sehr giftig. Deshalb gilt: Abstand von jeder Schlange halten.“

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Am wenigsten mag Andreas Januskovecz den Sommer in der Lobau: „Da schwitzt man einfach zu sehr.“ Abkühlung verschaffen dann die Wildbadeplätze wie die Dechant- oder Panozzalacke. Doch auch außerhalb des Wassers hat die Lobau in der heißen Jahreszeit ihren Reiz: „Auf der einen Seite haben wir hier die Heißlände – da fühlen sie sich wie in der afrikanischen Savanne. Hier blühen seltene Orchideen und mit viel Geduld entdeckt man die Gottesanbeterin. Auf der anderen Seite haben sie im dichten, feuchten Auwald das Gefühl, im Amazonas zu leben. Nervende Gelsen inklusive.“

Wieder einen ganz anderen Eindruck haben die Besucher im Herbst: „Das Laub erstrahlt in unterschiedlichen Schattierungen von Gelb über Orange bis hin zu sattem Rot“, weiß Januskovecz. Selbst wenn der Himmel grau ist, sorgt das bunte Laub dafür, dass die Spaziergänger nicht in eine Herbstdepression verfallen.

Essen: „Zum Knusperhäuschen“ bei der Panozzalacke, Uferhaus Staudigl in Groß-Enzersdorf
Informieren: Im Nationalparkhaus am Dechantweg 8 erfährt man viel über die Au, ein Abenteuerspielplatz sowie eine Picknickmöglichkeit sind gleich daneben, Infos unter donauauen.at
Öffis: Mit den Linien 92B und 93A zum Dechantweg,  92 B zur Panozzalacke, 88 B zur Esslinger Furt 

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