Chronik/Wien

Schießerei in Bim: Mafiakrieg oder Familienfehde?

In Wien kennt mittlerweile jeder das Fahndungsbild mit dem Gesicht jenes Mannes, der am Pfingstsonntag einen 28-Jährigen beim Aussteigen aus der Bim der Linie 49 in Rudolfsheim-Fünfhaus erschossen hat (der KURIER hat berichtet). Konkrete Hinweise seien bei der Polizei aber noch nicht eingegangen, heißt es dort. "Derzeit werden die Spuren ausgewertet und das Umfeld befragt. Die Identität des Schützen steht noch nicht fest", sagt ein Sprecher der Wiener Polizei.

Die Befragung des überlebenden Opfers, der 25-jährige Bruder des Toten, ergaben mögliche Hinweise auf eine Familienfehde als Motiv (mehr dazu hier). Der Täter soll gezielt nach Wien gefahren sein, um sein Opfer zu töten. Ermittler vermuten aber darüber hinaus mafiöse Zusammenhänge.

Der Hintergrund: Während des Kosovo-Krieges wurde Wien als Finanzierungsbasis von Kosovaren genutzt. Jetzt dient der Kosovo als Depotland für jenes Heroin, das aus Afghanistan nach Europa geschmuggelt wird.

Nach Polizeischätzungen gehen pro Monat etwa vier Tonnen Heroin über die Grenze. Parallel dazu haben sich international strukturierte Schlepperbanden entwickelt. Im März konnten die Behörden eine Organisation zerschlagen, die in den Monaten zuvor eine regelrechte Ausreisewelle im Kosovo provoziert hatte.

Nach Erkenntnissen der Polizei sind die Geschleppten wiederum aufgrund ihre prekären Lebenssituation geeignete Ansprechpartner für die Suchtgift-Mafia. Und was noch polizeibekannt ist: Die Gewaltbereitschaft in kosovoalbanischen OK-Gruppen ist sehr hoch.