Chronik/Österreich

Ivica-Osim-Platz für Graz: "Ein Vorbild weit über den Fußball hinaus"

Punkt eins der Tagesordnung in der jüngsten Sitzung des Grazer Gemeinderats war unstrittig. Einstimmig votierten die Fraktionen dafür, das Areal vor dem Fußballstadion mit einem neuen Namen zu versehen: Es wird nach dem Erfolgstrainer des SK Sturm benannt, Ivica Osim. "Er hat Respekt und Zusammenhalt eingefordert und auch selbst gelebt", begründete Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). "Osim ist ein Vorbild geworden, weit über den Fußball hinaus."

Ab Juli wird das bisher bloß als Stadionplatz bezeichnete Areal Ivica-Osim-Platz heißen. Die Stadtregierung hofft, dass der Platz zu einem "Ort der Begegnung" werde: "Es wird ein Ort sein, an dem Fußballgeschichte und Freude am Spiel gefeiert werden", hieß es in dem Gemeinderatsantrag. "An dem nach der Fußballlegende benannten Platz können Fußballbegeisterte, Fans, Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen, um die Erinnerungen an die herausragende Persönlichkeit zu teilen und zu ehren."

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Osim war von Juli 1994 bis September 2002 Trainer des SK Sturm. Unter seiner Ägide wurde der Verein Meister und qualifizierte sich dreimal für die Champions League. 2009 wurde er – aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Vereins – bei einer Feier zum "Trainer des Jahrhunderts" gewählt. Osim starb im Mai 2022 wenige Tage vor seinem 81. Geburtstag.

Teamgeist und Respekt

"Mit der Benennung dieses Platzes möchten wir aber nicht nur die sportlichen Erfolge von Ivica Osim würdigen, sondern auch sein humanitäres Engagement und seinen positiven Einfluss“, überlegte Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). Der ehemalige Trainer sei ein "Vorbild für Teamgeist und Respekt – Werte, die wir als Stadt Graz hochhalten“. SPÖ-Klubobmann Michael Ehmann zeigte sich auch von Osims persönlichen Lebensweg beeindruckt: "Er hat als großartiger Mensch beeindruckt, der aufgrund seiner Erfahrung im Jugoslawienkrieg immer vermittelt hat, das es neben Sport und Spaß etwas viel Wichtigeres gibt, ein friedvolles Miteinander.“

Ob auch die ursprünglich geplante Umbenennung eines Teils der Conrad-von-Hötzendorf-Straße kommen wird – sie schließt beim Stadion an – ist allerdings weiter ungewiss: Aus dem Rathaus kamen diesbezüglich keine Signale, Priorität habe diese Umbenennung nicht.

Der Name der langen Einfallstraße in die Stadt ist seit geraumer Zeit Gegenstand von Debatten: Eine Kommission aus Historikerinnen und Historikern stufte die Benennung nach dem 1852 geborenen General Hötzendorf 2018 als problematisch ein.

Nach moderner Geschichtsforschung gilt er als antisemitischer Kriegstreiber. Ihm wird auch eine Teilschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges zugewiesen.