Chronik/Österreich

Landwirt als neuer Einsiedler: „Abgeschiedenheit fasziniert mich“

„Ich flüchte nicht oder laufe auch nicht vor etwas davon. Im Herbst meines Lebens möchte ich mich ausprobieren im Loslassen“, so Alois Penninger (63) über seine Beweggründe.

Er war einer von elf Interessenten, die auf die ungewöhnliche Stellenanzeige reagierten: Die Einsiedelei ist eine der wenigen noch immer bewohnten Klausen in ganz Europa. Ein Nachfolger wurde gesucht. Wichtige Voraussetzung: Der Eremit darf vor einem kargen Leben nicht zurückschrecken, soll andererseits aber auch das Gespräch mit Wanderern suchen. Von Einheimischen bis zu Touristen nehmen traditionell viele Gäste auf seiner Terrasse mit herrlichem Blick über das Tal Platz.

Die spirituellen Gedanken des früheren Landwirts aus Niederbayern überzeugten auch Pfarrer Alois Moser und den Saalfeldener Bürgermeister Erich Rohrmoser.

Alle Inhalte anzeigen

Ein Landwirt übernimmt

Nach 36 Jahren als Landwirt eines Schweinemastbetriebes mit 2.000 Tieren bricht für den verheirateten Mann und zweifachen Vater ein neues Kapitel an. Den Hof in Fürstenzell übergab er schon vor fünf Jahren an seinen Sohn, der wie der Vater innovative Wege einschlägt und sogar schon als „Landwirt des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Die Aussicht auf ein Leben ohne jeglichen Luxus und einen beschwerlichern Alltag schreckt den Vater nicht. Zufällig las er in einer Bezirkszeitung in seiner Heimat über die ungewöhnliche Stellenausschreibung. Penninger: „Es hat mich sofort angesprochen.“

„Ich weiß nicht, inwieweit mich meine kindliche Faszination von der Abgeschiedenheit und vom Alleinsein zu der Bewerbung bewogen hat“, denkt er laut über seine Motive nach. Robinson Crusoe gehörte jedenfalls damals zu seinem „Kopf-Kino“ beim Einschlafen, später faszinierte ihn der Film „Cast Away“ mit Tom Hanks. Und auch die aktuellen Vorkommnisse auf der Welt rund um Krieg und Hunger bewegen ihn: „Menschen müssen aufgrund von Krieg von zu Hause gehen. Ich fühle mich mit diesen Schicksalen in geistiger Solidarität verbunden.“

Als zweiter Ausländer nach dem Belgier Stan Vanuytrecht sieht er sich nicht: Österreich war für ihn immer unmittelbare Nachbarschaft. „Nach Schärding sind es für uns nur zwölf Kilometer.“ Er fuhr auch schon früher über die Grenze, um einen Trachten-Janker zu kaufen, zu tanken oder um Freunde zu besuchen. Auch Salzburg war da nie aus der Welt.

Erste Vorstellung bei Georgifeier

Wann er die Klause beziehen wird, steht noch nicht genau fest. Arbeiten der Bergputzer am Weg zur Einsiedelei haben sich verzögert. Bei der Georgifeier am Sonntag (9.30 Uhr) auf der Jahnwiese im Tal wird er sich erstmals der Bevölkerung vorstellen und auch seiner Frau seine neue Bestimmung zeigen. „Ich habe meine Tasche schon gepackt, kann jederzeit starten“, sagt er lachend, einer der zu neuen Zielen aufbrechen will.