Chronik/Niederösterreich

Alarmierende Fallzahl bei Masern: Land NÖ schickt Impfbus auf Tour

Während es im gesamten Vorjahr in  Niederösterreich nur sechs Masernfälle gegeben hat, sind heuer bereits bis Mitte April 149 Fälle der gefährlichen Viruserkrankung registriert worden. Das ist mit ein Grund, warum Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) ab kommenden Montag eine Woche lang den NÖ Impfbus mit genügend Masernimpfserum durchs gesamte Bundesland schickt.

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Die von der Weltgesundheitsagentur WHO initiierte Europäische Impfwoche bietet den offiziellen Anlass für die Sonderaktion. Hinter den Kulissen bereitet den Gesundheitsbehörden der Anstieg der Masernfälle Sorgen. Bei derzeit österreichweit  391 registrierten  Fällen liegt NÖ mit seinen Fallzahlen unter den am stärkten belasteten Bundesländern.

Kostenlos und unbürokratisch

Mit der kostenlosen mobilen und unbürokratischen Impfaktion in zehn Städten, aufgeteilt auf alle fünf Gesundheitsregionen, wolle man „aufgrund der alarmierenden Zahlen“ gegensteuern,  sagte Königsberger-Ludwig. „Die Durchimpfungsrate gegen Masern ist in den letzten Jahren kontinuierlich nach unten gegangen. 

Für die Herdenimmunität sind 95 Prozent notwendig, in Österreich halten wir bei alarmierenden 72 Prozent“, erklärte die Landesrätin weiters. Gerade bei der hochinfektiösen und oft mit schweren Symptomen und auch Krankenhausaufenthalten verbundenen Masernerkrankung wolle man das Bewusstsein in der Bevölkerung extra schärfen, so  Königsberger-Ludwig.  

Das Schließen von Impflücken sei gesundheitspolitisch enorm wichtig, „um die Rückkehr von hochgradig infektiösen Krankheiten  hintanzuhalten“.

Niederösterreichs neue Sanitätsdirektorin Regina Klenk verwies darauf, dass ein Masernfall 100 ungeschützte Nicht-Immunisierte anstecken könne. Erst  zwei Wochen nach einer Tröpfcheninfektion durch Husten oder Schnupfen treten die ersten Symptome, wie Halsschmerzen, Husten oder hohes Fieber auf. 

Erst danach  zeigt sich der  typische Masernausschlag. „Vier Tage vor und bis vier Tage nach dem Ausschlag ist man aber hochinfektiös“, erklärte Klenk zu der heimtückischen Erkrankung.  

Der einzige Schutz sei die Impfung, die unbedingt in zwei Dosen verabreicht werden müsse. Geimpft werden könne ab dem neunten Lebensmonat, Auffrischungen seien nach drei Monaten vorgesehen, schilderte die Sanitätsdirektorin. Klenk: „Es kann aber jede Altersgruppe nachgeimpft werden, es gibt keine Überimpfung.“

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Immunisierung vor allem für Familien mit Babys wichtig

Impfreaktionen, wie Rötungen und Jucken seien normal und sogar erwünscht, so die Ärztin.  Schwere meldepflichtige Impfschäden sind bislang nicht bekannt, versicherte sie gegenüber dem KURIER.

Klenk und Landesrätin Königsberger-Ludwig betonten, dass es vor allem für Familien wichtig sei, immunisiert zu sein. Babys im ersten Lebensjahr seien ungeschützt. Bei einem von 600 Erkrankungsfällen komme es zur gefürchteten unheilbaren SSPE - einer Art Gehirnzersetzung. Diese Verschärfung führt zum Tod. 

Unterwegs ist der Impfbus in NÖ nächste Woche. Am Montag hält er  an zentraler Stelle am Vormittag in Zwettl und am Nachmittag in Waidhofen/Thaya. Dienstag stehen Hollabrunn und Gänserndorf  jeweils bei den Bezirkshauptmannschaften am Programm.  

Mittwoch wird in Wr. Neustadt und Schwechat geimpft und am Donnerstag in Amstetten und Wieselburg. Am Freitag geht es zum Abschluss nach Lilienfeld und nach St. Pölten ins Regierungsviertel beim Klangturm.