Chronik/Niederösterreich

Demenz und Gebrechlichkeit ausgenutzt: Pflegerin bestahl betagte Klienten

3.000 bis 4.000 Euro Monatseinkommen. Netto. Der Ehemann verdiente mehr als 2.000 Euro monatlich. Geldsorgen plagten das Ehepaar wahrlich keine. Und doch konnte die 24-Jährige der Versuchung nicht widerstehen: als Pflegerin in mehreren Haushalten im südlichen Niederösterreich griff die Bosnierin von März 2022 bis Juni 2023 zu, wenn sie Wertsachen entdeckte.

Mehr als 125.000 Euro betrage der Schaden, sagt die Staatsanwältin. Das Ehepaar habe sich durch den illegalen „Zusatzverdienst“ Urlaube und eine generelle Aufwertung seines Lebensstils finanziert. 

Wohnung durchsucht

Besonders verwerflich: alle Geschädigten sind über 80 Jahre alt, körperlich gebrechlich und leiden teilweise an Demenz. Diese Einschränkungen habe die 24-Jährige ausgenutzt, um die Wohnungen zu durchsuchen und Wertvolles an sich zu bringen, lautet der Vorwurf. In einem Fall sei man während eines Krankenhausaufenthaltes einer Klientin mit dem Schlüssel, den diese der Frau anvertraut hatte, in deren leere Wohnung spaziert, um diese in Ruhe nach Wertgegenständen zu durchsuchen.

Ehemann als Hehler

Vom Ehemann der Pflegerin wurde die Beute jeweils bei Juwelieren zu Geld gemacht. Das gibt der als Hehler angeklagte Mann auch offen zu. Die dabei erzielte Summe sei jedoch von der Staatsanwaltschaft viel zu hoch angesetzt worden, behauptet er. Maximal 30.000 bis 40.000 Euro habe man insgesamt kassiert. Was für die rechtliche Beurteilung des Falles allerdings keinen Unterschied macht – erst bei einer Schadenssumme jenseits von 300.000 Euro würde sich der mögliche Strafrahmen erhöhen.

Auch seine Ehefrau bestätigt, dass die Beute deutlich geringer ausgefallen sei, als angeklagt. Da in der fraglichen Zeit neben ihr auch andere Pfleger in den betroffenen Haushalten beschäftigt gewesen seien, bestehe die Möglichkeit, dass auch sie der Versuchung erlegen sein könnten. 

Taten nicht geplant

Sie habe nach den Wertgegenständen nicht aktiv gesucht, habe die Taten nicht im Voraus geplant, beteuert sie. Es sei ein Zufall gewesen, der dazu geführt habe. Gelegenheit macht Diebe. Erst im Juni dieses Jahres kam die Polizei den beiden auf die Schliche und konnte die Diebstähle klären. Seither sitzt das Ehepaar in Haft.

Gold und Bargeld

„Es tut mir wahnsinnig leid, ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe“, sagt die 24-Jährige am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt mit gesenktem Kopf. In einem Fall sei sie beispielsweise von einer Klientin gebeten worden, ihr eine im Schrank aufbewahrte Ledertasche zu bringen. „Darin war ein Schlüssel, den habe ich einfach beim Safe ausprobiert und es hat funktioniert“, schildert die Frau. Goldmünzen im Wert von 19.000 Euro ließ sie aus dem Tresor mitgehen. Jene 15.000 Euro Bargeld, die ihr ebenfalls zur Last gelegt werden, habe sie jedoch nicht genommen, behauptet die Bosnierin.

Unbedingte Haftstrafen

Warum sich solche Mengen an Bargeld überhaupt im Haus befanden? Wenige Tage zuvor hatte die betagte Klientin 262.000 Euro von der Bank abgehoben, erzählt sie.

Der Schöffensenat verurteilt die 24-Jährige zu zwei Jahren Haft – acht Monate davon unbedingt. Ihr vorbestrafter Ehemann muss 22 Monate hinter Gitter. Nicht rechtskräftig.