Chronik/Niederösterreich

Betrug statt Liebe: "Die Spielsucht war stärker als ich"

Er glaubte an die große Liebe, geblieben ist ihm nur die Ernüchterung.

Fast 200.000 Euro soll ein Niederösterreicher einer einschlägig vorbestraften Betrügerin geliehen haben, die ihm rührselige Lügengeschichten als Begründung für ihren chronischen Geldbedarf auftischte. Tatsächlich verlor die dreifache Mutter das Geld beim Glücksspiel.

Krebs und Gehirnoperation

Sowohl eine eigene Krebserkrankung, als auch die angeblich nötige Gehirnoperation einer guten Freundin täuschte die 45-Jährige vor. Gebühren für einen Grundstückskauf im Ausland oder für die Überstellung eines Leichnahms mussten ebenfalls als Ausrede herhalten. Der 70-Jährige zahlte, wiedergesehen habe er allerdings keinen einzigen Euro, klagt er am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt.

Kennengelernt hatte die Frau den deutlich älteren Mann an ihrer Arbeitsstelle. "Sie hat mich dann angerufen und mir geschrieben", erzählt der Pensionist vor Gericht. Es entwickelte sich eine romantische Beziehung - allerdings nicht so romantisch, wie sich das der 70-Jährige gewünscht hätte. "Wir haben uns am Abend getroffen, oder wenn die Kinder in der Schule waren", schildert die Angeklagte. Sex sei im Spiel gewesen. "Aber wichtiger war uns, Zeit miteinander zu verbringen und zu kuscheln."

"Es war immer dringend"

Das hat der Pensionist allerdings anders in Erinnerung. "Sie hat sich eigentlich immer nur dann gemeldet, wenn sie Geld gebraucht hat", sagt er. Dann habe die Frau auch stets auf rasche Bezahlung bestanden: "Es war immer dringend." Bis zu 50 Anrufe oder Textnachrichten hätte er dann pro Tag erhalten. Treffen aus anderen Gründen habe es "nur zwei oder drei Mal" gegeben. Anfangs seien von der 45-Jährigen auch jeweils noch schriftliche Bestätigungen für die Geldübergaben unterschrieben worden, später dann allerdings nicht mehr.

Dies bestreitet die Angeklagte jedoch. Sie behauptet, nur rund 62.000 Euro vom 70-Jährigen erhalten zu haben - jene Summe, für die auch Belege vorliegen. Von fast 200.000 Euro, wie der Mann behauptet, könne keine Rede sein. Sie wolle das Geld auch zurückzahlen, habe eine gemeinsame Zukunft geplant: "Ich habe mich in ihn verliebt." Sie bedaure, den Mann belogen zu haben, "aber die Spielsucht war stärker als ich."

Hohe Verluste an Spielautomaten

Vor allem in Spielautomaten sei das Geld geflossen. "Manchmal habe ich gewonnen, aber wenn ich verloren habe, war da immer das Gefühl, dass ich das Geld zurückgewinnen muss, weil ich ja schon Schulden hatte", erzählt sie. Mittlerweile sei sie zu einer Therapie bereit, habe dafür auch bereits eine fixe Zusage erhalten. Bis zu deren Beginn muss sie sich allerdings noch gedulden. Für zwei Jahre muss die 45-Jährige hinter Gitter. Das Urteil des Schöffensenates ist rechtskräftig.