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Dauerfrust in der Werkbundsiedlung

Wir hatten sogar schon Sch nee im Wohnzimmer", erzählt Isabella Mayrhauser. Seit ihrer Geburt lebt sie in der Werkbundsiedlung in Hietzing - und ist damit Kummer gewöhnt. Die rund 50 denkmalgeschützten Häuser aus den 30er-Jahren sind mittlerweile in einem bedauernswerten Zustand: Die Mieter leiden unter Zugluft, weil die Fenster undicht sind, viele Keller sind feucht und von den Fassaden bröckelt der Verputz.

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Nach jahrelangen Diskussionen hat die Stadt Wien nun endlich eine Generalsanierung gestartet. Sie soll bis 2016 dauern und rund zehn Millionen Euro kosten.

Richtig freuen kann sich Frau Mayrhauser aber nicht: "Die jetzige Lebenssituation in der Siedlung ist eine Zumutung." Nicht nur der Baulärm macht ihr und ihrer drei Monate alten Tochter zu schaffen. "Ausgerechnet jetzt werden auch die Wasserleitungen in den umliegenden Straßen erneuert. Wir haben extreme Parkplatzprobleme, weil ja auch durch die Sanierungsarbeiten in der Siedlung selbst einige Plätze wegfallen."

Ratlosigkeit

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Bis jetzt weiß die junge Mutter nicht, wann genau ihr 47-m²-Haus erneuert wird. Möglicherweise muss sie sogar mit ihrer Familie zwei bis drei Monate in eine Ersatzwohnung übersiedeln. "Aber wir werden völlig im Dunkeln gelassen." Unklar sei auch, wie hoch die Mieten durch die Sanierung steigen werden.

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Nachbarin Beatrix Kafka wohnt seit 1981 in der Siedlung. Auch sie ist über die aktuelle Situation wenig erfreut: "Ich hab' schon überlegt, wegzuziehen. Aber ich hänge doch sehr an meinem Haus." Wolfgang Zelzer bleibt hingegen gelassen: "Mein Haus wird wohl erst in drei bis fünf Jahren saniert."

Für die Sanierung ist die eigens gegründete Gesellschaft Wiseg zuständig: "Wir hatten schon zwei Mieterversammlungen und verschicken laufend Info-Scheiben", betont Geschäftsführer Josef Wiesinger. Derzeit sei es einfach unmöglich zu sagen, wann genau jedes einzelne Haus drankomme.

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Die Mietpreiserhöhung werde - je nach nötigen Arbeiten - von Haus zu Haus unterschiedlich ausfallen. Bei der Maximalvariante werden künftig netto 6 €/m² fällig. Derzeit liegen die Mieten bei der Hälfte oder sogar darunter. "Mit der Wohnbeihilfe müssten aber extreme Fälle abfederbar sein."

Wiesinger gibt zu, dass die Parkplatzsituation ein gewisses Dilemma ist. Deshalb habe man den Bauarbeitern untersagt, in der Siedlung zu parken.

Geschichte: Spielwiese für prominente Architekten

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Die Werkbundsiedlung in Hietzing wurde im Rahmen der Heimbauhilfe zwischen 1929 und 1932 als Musterhaussiedlung errichtet.

Die einzelnen Häuser wurden so geplant, dass sie seriell hergestellt werden können. Das Bauprojekt mit seinen ursprünglich 70 Häusern entstand unter Federführung des Architekten Josef Frank (1885-1967), für die Planung der einzelnen Objekte konnten 30 namhafte Kollegen aus dem In- und Ausland gewonnen werden. Darunter Kapazunder wie Adolf Loos, Margarete Schütte-Lihotzky und Clemens Holzmeister.

Anders als ursprünglich geplant, konnte allerdings nur ein Teil der Häuser an Privatiers verkauft werden. Im Jahr 1938 übernahm daher die Stadt Wien 56 Objekte und verwandelte sie in Gemeindewohnungen. Im Zweiten Weltkrieg wurden mehrere Häuser zerstört. Sie wurden nach 1945 durch Neubauten ersetzt. Heute leben rund 170 Menschen in der Siedlung.

Ihr Name erinnert an den 1912 gegründeten Werkbund, eine Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Handwerkern.

www.werkbundsiedlung.at.tf